„Werfen sich Messer in den Rücken“Sänger verrät, wie es in der Schlagerwelt wirklich zugeht

Fantasy: Fredi Malinowski und Martin Marcell

Fredi Malinowski (links) ist in der Schlagerwelt zu Hause, weiß aber, dass diese auch Schattenseiten hat und nicht immer nur fröhlich daherkommt. Das Foto zeigt den Sänger mit seinem Kollegen Martin Marcell, mit dem er das Erfolgsduo Fantasy bildet.

Schlagersänger Fredi Malinowski vom Erfolgsduo Fantasy spricht im großen EXPRESS.de-Talk über sein Outing, seine frühere Abneigung gegen Schlager und Neider in einem Business, das so gerne auf schönen Schein macht.

von Horst Stellmacher (sm)

In der Welt der zarten Gefühle sind sie besonders stark: Fantasy, zwei schmucke Herren mit Schmeichelstimmen, die es zum erfolgreichsten Schlager-Duo Deutschlands gebracht haben. Seit über 25 Jahren singen sie Neues aus dem Herz-Schmerz-Geschehen, jetzt sind sie mit ihrem neuen Album „Phönix aus der Asche“ weit oben in den Charts, stiegen sogar auf Platz 1 (vor der US-Band Green Day!) ein.

Einer der Gründe, sich mal ausführlich mit Fredi Malinowski (52) zu unterhalten, der mit Martin Hein (53) das Erfolgs-Duo bildet. Dabei erfahren wir viel über das Innenleben der Sänger – aber auch, dass die heile Welt der Schlager doch nicht immer so heil ist.

In der Schlagerwelt wird nach außen gelächelt, nach innen intrigiert

Ihr neues Album heißt „Phönix aus der Asche“, ein Lied heißt auch so – ein ungewöhnlicher Titel für einen Schlager. Worum geht's?

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Fredi Malinowski: Es geht um die große Liebe, die mal erlischt, aber auch immer wieder aufblüht. Bei uns heißt es: „Du wirst ein Phönix aus der Asche sein, denn wer liebt, der bleibt nicht lang allein“. Allerdings hat der Titel für uns persönlich noch eine andere Bedeutung.

Welche?

Fredi Malinowski: Nicht alle unsere Kollegen sind uns wohlgesonnen. Viele von ihnen hatten uns in der Corona-Zeit das Aus bescheinigt, uns für tot erklärt. Wir hatten damals gerade das Management und die Plattenfirma gewechselt. Sie glaubten, das sei falsch gewesen, deswegen sei jetzt Schluss mit Fantasy. Doch sie haben sich getäuscht. 2023 landeten wir mit den Alben „Mitten im Feuer“ und „Das Beste von Fantasy“ nacheinander auf dem ersten Platz der Album-Charts.

Klingt nach einer herben Niederlage für die Kritiker …

Fredi Malinowski: Ja. Totgesagte leben länger (lacht). Übrigens hatte der Titel des Albums „Mitten im Feuer“ einen ähnlichen Hintergrund. Wir sind damals von allen Seiten beschossen worden, das war Ansporn fürs neue Album: So viel Beschuss gibt auch viel Kraft.

Hört sich nicht nach fröhlicher Schlagerwelt an. Ist diese Welt gar nicht so heil?

Fredi Malinowski: Die Schlagerwelt ist alles – aber ganz sicher keine heile Welt. Viele, die auf der Bühne betonen, wie toll alles sei, wie lieb sie sich hätten, werfen sich danach die Messer in die Rücken.

Fredi Malinowski verrät: So bleibt die Liebe frisch

Als erfolgreichstes Schlager-Duo Deutschlands werden Sie trotzdem zu dieser Welt gezählt. Wie kommen Sie darin klar?

Fredi Malinowski: Wenn man darin überleben will, muss man stark und hart sein und die Ohren schließen, nach dem Motto: Interessiert mich nicht, brauche ich nicht. Ich habe zu Hause anderes, was schöner und wichtiger ist: Ich habe tolle Kinder, bin Großvater von vier Enkeln, habe einen wunderbaren Mann – was will ich mehr?

Seit rund 25 Jahren stehen Sie mit Martin Hein im Studio und auf der Bühne. Gibt es bei so langer Zeit keine Beziehungs-Probleme?

Fredi Malinowski: Wir haben das bisher gut geschafft, weil wir viel Verständnis füreinander haben. Wir hängen in den Tour-Pausen nicht aufeinander, Martin hat dann seine Welt in Berlin, ich meine in Essen. Wir gönnen uns Auszeiten, telefonieren nicht jeden Tag miteinander. Wir sind auch offen miteinander. Wenn ich meine, er verhält sich komisch, dann sage ich ihm das. Und umgekehrt ist es auch so. Man muss ehrlich miteinander sein – sonst funktioniert so etwas nicht.

Sie kommen aus ganz normalen Verhältnissen – ist es da schwer, Erfolg mit Millionen-Alben & Co. zu verkraften?

Fredi Malinowski: Es stimmt natürlich, dass wir uns früher von Wasser und Brot ernähren mussten und uns jetzt das Schnitzel dazu leisten können. Aber wir haben nie die Bodenhaftung verloren. Es war uns immer wichtig, dass wir mit uns und unseren Fans auf einer Wellenlänge bleiben.

Welches Ihrer vielen Lieder geht Ihnen selbst besonders nahe?

„Darling“, das ich für meine Mama geschrieben habe. Sie ist schon lange Single, was ich nicht verstehe. Doch sie sagt immer: „Ich will mein Leben allein gestalten, mir soll da keiner mehr reinreden“. Ich bedauere trotzdem, dass keiner in ihrem Leben ist, der ihr Komplimente macht und sie lobt.

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War es immer Ihr Traum, deutsche Schlager zu singen?

Fredi Malinowski: Zum deutschen Schlager bin ich unfreiwillig gekommen. Als ich jung war, in den 80ern, träumte ich von einer Karriere mit englischen Songs. Ich war Fan von Duran Duran oder Spandau Ballet, und ganz weit vorn war Modern Talking, die auf den B-Seiten ihrer Singles immer die Instrumental-Versionen ihrer Songs hatten, zu denen ich dann selbst singen konnte.

Und wie kam dann der deutsche Schlager ins Spiel?

Fredi Malinowski: 1993 bekam ich das Angebot, „Deine Liebe ist ein Wunder“ von Jürgen Renfordt, also deutsch, zu singen. Das habe ich erst mit wenig Freude gemacht. Doch dann war ich überrascht, wie toll das klang und habe dann einfach mit Deutsch weitergemacht. Erster eigener Song war dann „Was ist nur geschehen?“

Fredi Malinowski: Erfolg kam nach Trennung von seiner Frau

1997 bildeten Sie dann mit Martin Hein Fantasy, aber erst 2006 folgte mit „Geh mit ihm“ der richtige Durchbruch. Wie kam es dazu?

Fredi Malinowski: So komisch es klingt – das hing mit der Trennung von meiner heutigen Ex-Frau zusammen. Sie war kein Fan von deutschem Schlager und unterstützte mich deswegen nicht, sondern belächelte das, was ich machte. Ich konnte mich erst voll und ganz meiner Musik widmen, als ich ausgezogen war. Ich habe alle meine Songs noch mal überarbeitet und dabei auch meine Erfahrungen aus meiner verflossenen Ehe berücksichtigt. Einer davon war „Geh mit ihm“. Die Plattenfirma war so begeistert, dass wir ein ganzes Album mit meinen Songs machen konnten. Dann ging es los …

Sie werden oft mit den legendären Amigos verglichen, die rund 25 Jahre älter als Sie sind und immer noch singen. Können Sie sich vorstellen, so lange dabei zu bleiben?

Fredi Malinowski: Wir sagen uns immer, wir machen so lange Musik, wie unsere Fans uns hören und sehen wollen, und solange wir gesund bleiben. Hoffen wir mal, dass das noch sehr lange der Fall sein wird.

Auf dem Album singen Sie zusammen mit Ihrem Sohn Sandro. Hat es Spaß gemacht?

Fredi Malinowski: Aber ja. Wir werden in diesem Jahr wieder auf Tour gehen und erstmals gemeinsam singen. Ich bin immer sehr berührt, wenn ich ihn höre. Das erinnert mich an meine Jugendzeit, ich denke, er klingt so wie ich damals. Es sind Gänsehautmomente, in denen immer ein paar Tränchen bei mir fließen.

In Interviews sind Sie immer sehr ehrlich. Keine Angst davor, persönliche Wahrheiten auszusprechen?

Fredi Malinowski: Wer hat was davon, wenn ich nicht die Wahrheit sage? Dann müsste ich immer wissen, was ich vorher schon gelogen habe, das könnte mich nur belasten. Ich kenne das Gefühl aus der Zeit, in der ich meinen späteren Ehemann gefunden hatte. Ich habe zwar nie gelogen, aber etwas verschwiegen, was mir immer wieder unglaublich schwerfiel.

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Sie haben sich dann in Ihrem Buch „Keine Lügen“ geoutet. Wie haben die Fans reagiert?

Fredi Malinowski: So, dass ich das Outing nicht bereuen musste. Das hat denn mein Leben unglaublich einfacher gemacht. Ich konnte danach ganz offen mit meiner Homosexualität umgehen.

Wenn Sie hier mal Ihre Lebens-Bilanz ziehen: Würden Sie sagen, dass Sie heute ein glücklicher Mann sind?

Fredi Malinowski: Ich bin sehr katholisch, glaube an den lieben Gott und sehe, dass er es gut mit mir meint. Ich bin für meine Kindheit, die nicht so rosig war, später belohnt worden. Ich erlebe jetzt Dinge, die ich mir nie erträumt hätte. Ich bin rundum glücklich und fühle mich vom lieben Gott gesegnet und beschützt.

Fredi Malinowski: Dreifacher Vater, glücklich mit einem Mann 

Das Schlager-Duo Fantasy besteht aus Fredi Malinowski und Martin Hein (alias Martin Marcell). Fredi Malinowski wurde am 11. März 1971 in Kroatien geboren. Er startete seine Schlagerkarriere als Freddy März, lernte 1993 den Konstruktionsmechaniker und Schlagersänger Martin Marcell (geboren am 12. Februar 1971 in Polen) kennen. Die beiden schlossen sich 1997 zusammen. Erste Single von Fantasy: „Herz gesucht“.

Fredi Malinowski ist seit 2018 mit einem Mann verheiratet, lebt in Essen. Aus seiner ersten Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter Sohn Sandro (30), der ebenfalls Schlagersänger ist. Martin Hein ist mit der Schlagersängerin Mela Rose (31) verheiratet. Aus seiner Ehe mit Schlagersängerin Tanja Lasch (48, „Abenteuer Lagerfeuer“) hat er einen Sohn (19).