Denzel Washington predigt in einer zerstörten Zukunft. Eine Offenbarung gelingt ihm mit dem Science-Fiction-Drama „The Book of Eli“ jedoch nicht.
Oscar-Preisträger lädt zur BibelstundeKontroverser Endzeit-Thriller läuft heute im Free-TV

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Als einer der wenigen menschlichen Überlebenden schlägt sich Eli (Denzel Washington) durch eine zerstörte Welt. (Bild: RTLZWEI)

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Der kaltblütige Unternehmer Carnegie (Gary Oldman) strebt eine neue Diktatur an. (Bild: RTLZWEI)
Sonntags in die Kirche zu gehen, ist für viele nicht mehr zeitgemäß. Der Gesellschaft fehlt der Glaube, das steht fest. Ob das gut ist oder schlecht oder einfach nur egal, das muss jeder selbst entscheiden. Die Regisseure Albert und Allen Hughes (“From Hell“) finden das definitiv nicht in Ordnung. Und ihr Hauptdarsteller Denzel Washington auch nicht. Der Oscar-Preisträger hat „The Book of Eli“ (2010) gleich mitproduziert. RTLZWEI zeigt die als düstere Endzeit-Mär verkleidete Bibelstunde am Freitag, 6. Februar um 22.50 Uhr.

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Eli hat in Solara (Mila Kunis) eine Wegbegleiterin gefunden. (Bild: RTLZWEI)
Die Brüder Albert und Allen Hughes haben für „The Book of Eli“ eine Welt entworfen, wie sie feindlicher selten zu sehen war. Der Planet ist ausgedörrt, jeglichen Wesens beraubt. In der konsequenten Trostlosigkeit sieht es durchaus beeindruckend aus, dieses Ende von allem. Grau, heiß, staubig - freudlos. So gehört es sich für einen nihilistischen Science-Fiction-Film. Schließlich haben die Menschen hier nichts mehr.
Auf der Jagd nach dem letzten Exemplar der Bibel

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Eli (Denzel Washington) ist ein einsamer Wanderer nach der Apokalypse. (Bild: RTLZWEI)
Wasser ist zur kostbarsten Währung geworden. Essen und in Sicherheit schlafen sind genauso Luxus, wie Bildung, Moral, eine Ordnung im Zusammenleben. Es gibt keine Bücher mehr. Die meisten wurden verbrannt nach der Katastrophe, darunter alle Bibeln. Weil die Religion die Wurzel allen Übels ist. So wird es verkündet. Nicht nur von Eli (Denzel Washington), der im ständigen Dialog mit sich selbst ist und einer inneren Stimme folgt. Dabei hat gerade er ein kostbares Druckwerk in seinem Besitz, das ultimative Buch, hinter dem der Tyrann Carnegie (Gary Oldman) mit fanatischer Inbrunst her ist.

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In einer zerfallenen Stadt, in der das Gesetz des Stärkeren herrscht, trifft Eli auf den despotischen Carnegie (Gary Oldman). (Bild: RTLZWEI)
Ausgerechnet dieser Carnegie, definitiv kein Mann der Kultur und Ethik, schickt seine Mörderbanden durch die Gegend, um Bücher zu suchen. Vor allem das eine, das letzte Exemplar der Bibel. Eli hat es im Gepäck, als er arglos in Carnegies Städtchen auftaucht. Ein Fehler, den der zielstrebige Mann nur begeht, weil sein MP3-Player dringend neuen Saft braucht. Und wie das so ist, in Endzeit-Western, bestimmt solch ein Aufenthalt das Schicksal. Eli mischt sich in irgendwas ein und muss nach einer wilden Schießerei fliehen. Nicht allein: Die hübsche Solara (Mila Kunis) hat sich an seine Fersen geheftet.
Gottesdienst mit Popcorn-Geschmack
Sie fliehen vor Carnegie, der nur das eine will: Macht aus absolutistischer Religionsausübung. Die Geschichte würde sich wiederholen. Und das ist schlecht, predigt Eli auch mal mit Machete und Knarre in spektakulären Actionsequenzen. Er hat ja durchaus recht, man muss sich nur mal in der Welt umsehen heute. Und diese düstere Zukunft, die im Film jegliche Hoffnung für ein Fortbestehen der Menschheit raubt, ist eine vielleicht gar nicht so unrealistische Fiktion.
Fakt ist, dass die Regeln des Zusammenlebens in ihrer heutigen Form nicht mehr (lang) funktionieren. Jeder kämpft für sich allein, und alle gegen die Anderen. Der Verfall und die Verrohung in der Zukunft sind ein durchaus cleveres Spiegelbild der Jetztzeit. Dennoch: Es wurde in einem Film selten so offensiv missioniert wie in „The Book of Eli“ - einem Gottesdienst mit Popcorn-Geschmack. (tsch)

