Ob durch Solo-Hits wie „Another Day In Paradise“ und „In The Air Tonight“ oder seine Zeit bei Genesis: Phil Collins ist einer der profiliertesten Musiker Großbritanniens. Ein weniger bekanntes Detail aus seiner Karriere: Collins schuf den wohl prägnantesten Sound der Musik der 80er-Jahre, mithilfe eines Zufalls.
Ohne ihn kein „Born In The U.S.A.“Durch dieses Versehen schuf Phil Collins den Sound der 80-er

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Phil Collins hat sowohl als Solokünstler als auch als Mitglied von Genesis Musikgeschichte geschrieben. (Bild: 2021 Getty Images/Timothy Hiatt)
Mit Phil Collins wird am Freitag, 30. Januar, ein Gigant der britischen Pop-Rock-Geschichte 75 Jahre alt. Bekannt geworden ist der Sänger, Schlagzeuger und Produzent sowohl durch seine Mitgliedschaft in der stilprägenden Rockband Genesis als auch durch seine zwischen Soft-Rock und Pop pendelnde Solokarriere, die ihm Hits wie „In The Air Tonight“, „Another Day In Paradiese“ und „A Groovy Kind Of Love“ bescherte.

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Als Schlagzeuger definierte Phil Collins den Sound einer ganzen Dekade. (Bild: Kevin Winter/Getty Images)
Obwohl der Einfluss von Genesis von Progressive-Rock bis Art-Pop reicht und Collins mit seiner Solokarriere ebenfalls neue Akzente setzte, stammt der wahrscheinlich folgenreichste Beitrag seiner Karriere zur Musikgeschichte aus keiner dieser beiden Schaffensphasen. Stattdessen waren es die Arbeiten am selbstbetitelten Soloalbum seines Ex-Genesis-Kollegen Peter Gabriel, welche die Geburtsstunde des wohl charakteristischsten Sounds der 80er-Jahre sahen: dem allmächtig knallenden Schlagzeug-Sound, der sich durch den Großteil der Dekade ziehen sollte.
So entstand der Drum-Sound der 80-er

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Gemeinsam mit Genesis-Kollege Peter Gabriel (links) stieß Phil Collins auf den prägnantesten Sound der 80er-Jahre - versehentlich. (Bild: Dennis Stone)
Auch nach Gabriels Ausstieg bei Genesis arbeitete Phil Collins mit dem Sänger weiter zusammen und spielte etwa auf einigen von dessen Soloaufnahmen Schlagzeug. So auch bei dem Song „Intruder“ von Gabriels 1979 veröffentlichten Soloalbum. Durch einen glücklichen Zufall stießen Collins und Gabriels gemeinsam mit Produzent Steve Lillywhite und Toningenieur Hugh Padgham auf einen damals ungewöhnlichen, wenige Jahre später aber bereits allgegenwärtigen Klang.
Über Collins' Schlagzeug war ein Overhead-Mikrofon angebracht, das eigentlich nur dazu gedacht war, dem Musiker die Möglichkeit zu bieten, sich mit den Tontechnikern im Kontrollraum besprechen zu können. Besagtes Mikro war eigentlich gar nicht für Musikaufnahmen geeignet, denn es war darauf ausgelegt, laute Klänge abzuschwächen und leise Töne zu verstärken. Dafür nutzte es einen sogenannten „Noise Gate“-Effekt, der Töne kurz nach ihrem Beginn gleich wieder abschnitt.
Das Versehen, das Musikgeschichte schrieb
Während Collins seine Schlagzeug-Parts einspielte, hatte Toningenieur Padgham das Overhead-Mirkofon versehentlich aufgedreht. Der Noise-Gate-Effekt gab der Snare-Drum einen bislang unbekannten satten Knall. Als sich die Tontechniker und Musiker Collins' Aufnahmen gemeinsam anhörten, entdeckten sie den Effekt. Doch statt darin einen Fehler zu sehen, der den natürlich Klang des Schlagzeugs verfälschte, waren Gabriel und Collins von dem Sound, der fortan als „Gated Reverb“ bekannt wurde, begeistert.
Gabriel nutzte ihn für den Song und Phil Collins machte ihn fortan zu seinem Markenzeichen. Zwei Jahre später nutzte er ihn eindrucksvoll in seiner zweiten Solo-Single „In The Air Tonight“, die zum Welthit werden sollte, und auch sein Solodebüt „Face Value“ eröffnete, mit dem die lange Erfolgsgeschichte von Phil Collins, dem Solokünstler, begann. Die Folge: Für den Rest der 80-er war der knallende Drum-Sound überall. Weitere große Hits mit prominentem Gated-Reverb-Effekt sind etwa Kate Bushs „Running Up That Hill“ und die Rockhymne „Born In The U.S.A.“ von Bruce Springsteen. (tsch)

