Eine Operation im Januar 2009 veränderte das Leben von Monica Lierhaus von Grund auf. Im Podcast mit Robin Gosens blickte die Sportmoderatorin auf den schicksalhaften Eingriff zurück - und erklärte, wie sie sich danach in den Alltag zurückkämpfte.
Monica Lierhaus spricht über ihr Martyrium„Ich bin angeglotzt worden, als ob ich ein Monster wäre“

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Nach einer schweren Krankheit kämpfte sich Monica Lierhaus zurück ins Leben. (Bild: Getty Images / Alexander Hassenstein)
„Ich konnte nicht gehen, stehen, sitzen. Ich konnte nicht einmal schlucken“: Im Januar 2009 fiel Monica Lierhaus nach einer Gehirn-OP in ein künstliches Koma. Erst vier Monate später kam die Sportmoderatorin wieder zu sich - mit schweren Folgeschäden. „Ich konnte gar nichts, ich war wie eine lebende Leiche“, verdeutlichte die 55-Jährige nun im Podcast „Wie geht's? Mit Robin Gosens“.
Das Gehirn-Aneurysma, das durch die Operation entfernt werden sollte, war während des Eingriffs geplatzt. Daraufhin erlitt Lierhaus schwere Hirnblutungen. Ihrer Familie sei damals nahegelegt worden, sich von ihr zu verabschieden, beschrieb die Journalistin die dramatische Zeit. Doch nach „vier Monaten kompletter Leere“, wie es Gosens bezeichnete, sei Lierhaus „als erwachsene Frau im Körper eines Babys wieder aufgewacht“. Lierhaus: „Man fühlt sich erst mal gefangen in einem Körper, der nicht mehr funktioniert.“
Monica Lierhaus über Zeit nach OP: „Bin angeglotzt worden, als ob ich ein Monster wäre“

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In der jüngsten Ausgabe seines Podcasts begrüßte Robin Gosens die Sportjournalistin Monica Lierhaus zum Gespräch. (Bild: Getty Images / Gabriele Maltinti)
Doch schon kurz nach dem Erwachen aus dem Koma habe sie ihren Kampfgeist wieder entdeckt, beteuerte Monica Lierhaus. Zum Start der am Ende acht Monate dauernden Reha am Bodensee habe sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Mir war total klar, ich werde diese Reha auf meinen eigenen Füßen verlassen.“ Doch der Weg bis dahin war weit. Weil sie zunächst nicht einmal selbstständig schlucken konnte, sei sie mit pürierter Nahrung versorgt worden. Das sei „grauenvoll“ gewesen, wie Lierhaus im Gespräch mit Robin Gosens schilderte.
Nach der Heimkehr infolge des langen Reha-Prozesses hätte sie so manche soziale Hürde erwartet. „Es war ganz fürchterlich. Ich bin angeglotzt worden, als ob ich ein Monster wäre. Es war eine Katastrophe, wirklich schlimm“, dachte Lierhaus zurück. Deshalb habe sie sich 2011 entschieden, bei der Gala zur Verleihung der Goldenen Kamera in Form des ersten öffentlichen Auftritts wieder selbst die Kontrolle über ihr Leben in die Hand zu nehmen - nach dem Motto: „Nehmt mich oder lasst es.“ Zuvor hätten sie „Paparazzi belagert“, klagt die ehemalige „Sportschau“-Moderatorin.
Arbeit als Therapie: Dafür ist Monica Lierhaus „wahnsinnig dankbar“
Trotz der prägenden Krankheitsgeschichte glaubt Monica Lierhaus von sich selbst, sie habe ihre „Persönlichkeit nicht verändert“. Nur „etwas milder und geduldiger“ sei sie geworden. Klar sei der 55-Jährigen indes: „Mitleid wollte ich nie haben, Mitgefühl gerne.“ Selbiges habe sie auch mit dem Arzt, der sie 2009 operiert hat. „Meine Operation ist komplett schiefgegangen. Dieser arme Mann, der tut mir total leid. Das war einfach Pech“, sagte sie über den letzten operativen Eingriff, den der Mann vor seiner Rente durchgeführt hat. Nur in einer von 100.000 Operationen komme es zur derart verheerenden Komplikationen.
Einschränkungen wird Lierhaus ihr Leben lang haben, besonders was den Gleichgewichtssinn angeht. Bei einer Treppe ohne Geländer etwa sei sie „aufgeschmissen“, erklärte sie. „So richtig akzeptiert habe ich es bis heute nicht“, gestand sie im Podcast. Besonders die Tatsache, nicht eigenständig zu sein, belaste sie. In dunklen Momenten helfen Lierhaus besonders zwei Dinge: ihre Familie - und die Arbeit. Für letztere sei sie „wahnsinnig dankbar“. Abschließend stellte die Journalistin fest: „Es wäre eine Katastrophe, wenn ich nicht arbeiten dürfte.“ (tsch)

