Lou Bega mit Comeback „Mambo No. 5“ war Fluch und Segen zugleich

Lou Bega sitzt auf einem roten Sessel und lächelt in die Kamera.

Lou Bega ist zurück mit  neuem Album. Auch ihn hat Corona getroffen, er konnte aber auf Ersparnisse zurückgreifen. Jetzt ist er froh, dass so langsam Auftritte wieder zur Normalität werden.

Lou Bega spricht über Fluch und Segen eines Mega-Hits, seine neue Platte und den Retrotrend, seinen tiefen Glauben und darüber, was er uns mit alten Hits im neuen Gewand sagen will.

Köln. Wie ist es, wenn man als junger Typ einen Hit hat, der zum Sound aller Partys rund um die Welt wird (und der über acht Millionen Mal verkauft wird)? Der Münchener Lou Bega (46) hat es erlebt – sein „Mambo No. 5“ machte ihn im letzten Jahr des letzten Jahrtausend zum „König der 90er“.

Nach vielen Aufs und Abs ist er jetzt wieder unüberseh- und unüberhörbar: Auf seinem Comeback-Album „90s Cruiser“ gibt es die Musik von damals – aufgefrischt und im typischen Lou-Bega-Sound.

Lou Bega im EXPRESS.de-Interview

Ihr Album „90s Cruiser“ enthält aufgefrischte Hits der 90er – warum gerade dieses Jahrzehnt?

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Lou Bega: Ich war 15, als die 90er losgingen, ein verpickelter Teenager mit Träumen. Ich war 25, als sie zu Ende gingen, und stand ganz weit oben auf dem Berg meiner Träume – ich machte Musik und konnte davon leben. Und wie! Ich hatte mit „Mambo No. 5“ den Song, der nicht zu übertreffen war und mit meinem Debüt-Album „A little Bit of Mambo“ die letzte Pop-Smash-Platte des Jahrtausends. Die 90er – das war mein Jahrzehnt.

Was machte das Jahrzehnt so besonders?

Lou Bega: Es war eine Dekade der Hoffnung. Der Ost-West-Konflikt ging zu Ende, Deutschland wuchs zusammen, Freiheit und Hoffnung gaben den Ton an. In dieser Zeit war ich Teenager! Ich habe den Gipfel in der Geschichte der Freiheit der Menschen miterleben können. Die Musik passte haargenau dazu.  

„Mambo No. 5“ war ein Mega-Erfolg, der Song wurde über acht Millionen Mal verkauft. Wie schwer ist es, wenn man diesen Erfolg mit den nächsten Platten nicht mehr hat?

Lou Bega: Ich habe den Ausnahme-Athleten Usain Bolt getroffen, der Ähnliches erlebt hat, als er mit 9,58 Sekunden Weltrekord lief. Er gestand mir, dass er schon während des Laufs wusste, dass das ein einmaliger Moment sei: „Egal, wie ich noch trainiere, das kommt nicht wieder!“ Sein Rat war: „Lebe immer mit diesem Moment und nie gegen ihn!“ Das habe ich gemacht. Man muss in seinem Herzen wissen, dass es diesen einen Moment nur einmal gibt, und der nie wieder kommt.  

Lou Bega und Horst Stellmacher sitzen sich beim Interview gegenüber.

Lou Bega und Horst Stellmacher im Savoy beim Interview.

Mit 23 Star rund um die Welt. Wie bleibt man da am Boden?

Lou Bega: Dafür sorgten die Umstände: Zwei Monate vor der Veröffentlichung war mein Dad gestorben. Ich lebte in tiefster Trauer, und gleich danach kam der große, fast stratosphärische Erfolg. Gerade waren wir noch so arm, dass wir uns nicht mal die Überführung des Sarges nach Uganda leisten konnten. Jetzt stand ich auf den Bühnen der Welt, wurde gefeiert. Und ich bin auf dem Boden geblieben – meistens.

Kannte Ihr Vater den Song?

Lou Bega: Er hat ihn noch gehört und auf dem Totenbett gesagt: „Mein Sohn, der Song wird dir die Türen öffnen!“  

Der Wahnsinn der ersten Jahre hat Ihnen einen Herzinfarkt eingebracht. Wie kam es dazu?

Lou Bega: „Mambo No. 5“ war Fluch und Segen zugleich. Ich habe zwei Jahre lang rund um die Uhr nur gearbeitet. Ich war drei Mal pro Woche mit der Concorde unterwegs, um noch schneller zu sein und in noch mehr Termine reingepresst zu werden. Jeder wollte „Mambo No. 5“ und den Typen dazu haben. Bis mir eines Tages klar wurde, dass ich nicht Superman bin: Ich bin einfach umgefallen. Bumm! Der Arzt sagte: „Herzinfarkt!“ und „Treten Sie kürzer, sonst ist es schnell vorbei!“

Damals begann auch die Zeit, in der man Sie unter One-Hit-Wonder einordnete...

Lou Bega: Nach „Mambo No. 5“ ist manches nicht wahrgenommen worden, was ich noch gemacht hatte. Und das war sehr viel, allerdings oft im Ausland. Mir wurde erstmals klar, dass der Prophet im eigenen Land nicht viel gilt.  

Nach 20 Jahren wieder ganz oben und das mit den Hits der 90er, obwohl die Zeit, in der wir heute leben, sich doch sehr von damals unterscheidet...

Lou Bega: Natürlich erleben wir heute mehr Leid und Schmerz, und wenn wir nur vorm Fernseher hängen und alle negativen Berichte in uns reinlassen – dann gute Nacht! Ich möchte nicht den Soundtrack zum Weltgeschehen liefern, ich spiele nicht auf einer Beerdigung. Ich möchte mit den Songs von damals etwas Licht in unser Jahrzehnt bringen. Ich möchte der sein, der Freude bringt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das aufleben zu lassen?

Das lag am Erfolg meines Songs „Scatman and Hatman“, mit dem ich noch vor der Pandemie aufgetreten bin und für den ich auf den Hit „Scatman – ski-ba-bop-ba-dop-bop“ von Scatman John zurückgegriffen habe. Dieses Lied machte beim Publikum noch mehr frei als damals „Mambo No. 5“. Wahnsinn! Wenn ich bei der Zugabe fragte, was die Leute hören wollten, kam „Scatman“, nicht „Mambo“. Hätte ich nie gedacht.  

Ihrem Platten-Comeback ist Corona dazwischen gekommen…

Lou Bega: Ja, leider, mir fehlen die Live-Auftritte. 2020 hatten wir die letzten Gigs im März, es waren Shows für eine große Supermarktkette, die Geburtstag feierte. Dann war alles vorbei. Diesen Sommer hatte ich drei Konzerte, in normalen Zeiten wären es 30. Ich hatte damit noch Glück, viele Kollegen hatten gar keines. Es tröstet einen ein bisschen, wenn man merkt, dass man nicht allein im Boot sitzt.  

Lou Bega steht am Flügel.

Da lässt er sich nicht lange bitten: Für uns griff der Musiker gleich mal in die Tasten. Auf der Bühne ist er zuhause.

Sind Sie in der Corona-Zeit mal in Existenzängste geraten?

Lou Bega: Zum Glück nicht. Aber ich weiß, dass die bei vielen Musikern eingetreten sind. Und bei manchen sind die Ängste wahr geworden, weil sie ihr Geld nicht gut angelegt oder immer nur von Gig zu Gig gelebt haben. Sie sind dann kalt erwischt worden.  

Sie treten mit Ihrer Frau als David & Jenieva mit christlichen Gospelsongs auf. Sie sprechen auch gern über Ihren festen Glauben. Wie kam es dazu?

Lou Bega: Jesus hat mich vor fünf, sechs Jahren gefunden. Das hat für mich nichts mit Religion zu tun, sondern es geht um eine Beziehung, die man miteinander hat. Ich lese sein Wort, singe und freue mich und wachse mit ihm. Ich habe gelernt, in allem, was passiert, nicht anderen die Schuld zu geben, sondern immer erst auf mich zu sehen.  

Wie war es vorher?

Lou Bega: Meine Religion hieß bis dahin „Mehr“. Mehr Sex, mehr Rock’n’Roll, mehr Alkohol. Ich dachte, damit könne ich mein Loch im Herzen füllen. Das habe ich im Großen und Ganzen gestoppt – was noch immer nicht heißt, dass ich perfekt bin.

Lou Bega: In mehr als 20 Ländern in den Charts mit dabei

Lou Bega (geboren am 13. April 1975 als David Lubega Balemezi in München) ist der Sohn eines ugandischen Vaters und einer italienischen Mutter. 1991 kam seine erste Single „I Need You“ heraus, da noch  als A.R.T. feat. Moe D. Cay. 1999 dann der Welthit „Mambo No. 5“ (Cover des gleichnamigen Stücks von Pérez Proda von 1952 mit neuem Text und neuer Refrainmelodie von Lou Bega). Platzierungen in den Charts von über 20 Ländern. 2013 feierte er Hochzeit in Las Vegas mit Jenieva Jane. Die beiden haben eine Tochter, Jada Love (13), und wohnen in Berlin-Zehlendorf.

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