Mit der Rolle des Kriminalinspektors Ernst Stockinger in „Kommissar Rex“ hatte Karl Markovics seinen großen Durchbruch. Nun wird die Kultserie gleichnamig fortgesetzt - ohne Markovics. Was wurde aus dem österreichischen Schauspieler?
Kultfigur Stockinger in „Kommissar Rex“Was macht eigentlich Karl Markovics?

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Die Ermittlungsmethoden von Kriminalinspektor Ernst Stockinger in der Kultserie „Kommissar Rex“ waren immer etwas ungewöhnlich. Geschadet hat es dem Darsteller Karl Markovics nicht, der österreichische Schauspieler hatte mit der Rolle seinen großen Durchbruch. (Bild: Koch Media)
Das Gesicht ist das künstlerische Kapital von Karl Markovics. Es bildet die nötige Voraussetzung für die Charakterköpfe, wie man die Figuren auf Leinwand und Bildschirm gerne nennt und mit ihnen deren Darstellerinnen und Darsteller, die dem Schönheitsideal nicht entsprechen, sondern in deren Äußerem sich das Innere, eben der Charakter, spiegelt. Auf persönlicher Ebene habe er mit seinem Charakterkopf lange gehadert, erklärte Markovics 2008 in einem Interview mit dem Portal „Profil“. Das habe ihm durchaus „eine Zeit lang“ zugesetzt, bevor er schließlich den großen Vorteil seines Aussehens erkannt hätte. „Irgendwann“, so fügte er hinzu, habe er verstanden, dass er sich „genau damit von anderen abhebe“.

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Karl Markovics ist mit der Theaterschauspielerin Stephanie Taussig verheiratet und ist Vater zweier Adoptivkinder. Er lebt bei Wien. (Bild: 2023 Getty Images/Andreas Rentz)
Das meint auch seine Stellung als Schauspieler. Vor allem auf die Bühne passte Markovics' Erscheinung wie die Faust aufs Auge. „Was ich vom Theater will, deckt sich sehr gut mit meinem Gesicht, das von vornherein nicht die Illusion zulässt, dass man es hier mit einem Menschen zu tun hat, dem schon allein aufgrund seines Äußeren alles leichtfällt.“
Leichtgefallen war der Start in den Beruf aber auch ihm nicht. In der Wiener Schauspielschule Max-Reinhardt-Seminar wurde Markovics abgelehnt, seine Karriere konnte der Rückschlag indes nicht verhindern. Markovics begann im Off-Theater zu spielen, bevor sich die ersten Filmrollen einstellten, darunter das Road-Movie „Indien“, und er mit der Serie „Kommissar Rex“ einem größeren Publikum bekannt wurde.
Karl Markovics nicht in Neuauflage von „Kommissar Rex“ dabei

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Kriminalinspektor Richard Moser (Tobias Moretti, rechts) war in „Kommissar Rex“ auch mal ohne seinen Partner mit der kalten Schnauze unterwegs. Hier ermittelt er mit seinen Assistenten Ernst Stockinger (Karl Markovics). (Bild: SAT.1 / Ali Schafler)
Der grantige Bezirksinspektor Ernst Stockinger in der Kultserie der 1990er-Jahre, der ein Herz für Wurstsemmeln hat und panische Angst vor Hunden - ausgerechnet -, gehört zu den populärsten Rollen Markovics'. Sogar eine eigene Serie bekam der „Stocki“, doch über eine Staffel kam „Stockinger“ nicht hinaus, Markovics fand es damals zu anstrengend, an beiden Serien gleichzeitig mitzuwirken.

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Der Auslandsoscar für „Die Fälscher“ brachte für Darsteller Karl Markovics viele Vorteile, vor allem startete mit dem Drama die internationale Karriere des Österreichers. (Bild: Universum)
Die ernüchternde Erfahrung ist allerdings nicht der Grund, wieso Markovics in der nun startenden Neuauflage von „Kommissar Rex“ nicht dabei ist an der Seite von Rex und Partner, der nun von Maximilian Brückner gespielt wird. Die Serie sei nicht mehr sein Platz, sagte der 62-Jährige im Februar der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er denke gerne an „Rex“ zurück, doch diese Zeit sei vorbei.
Keinesfalls sollte die Absage als Überheblichkeit eines Schauspielers gewertet werden, der mittlerweile eine Größe des Kinos ist und dessen Karriere längst eine internationale ist. Markovics wollte seit je her Schauspieler werden und er wusste immer, dass er einer war, sagte er dem „Profil“. „Das Medium, ob nun Theater oder Film“ sei ihm stets „egal“ gewesen.
Eine internationale Karriere hat Markovics seit dem Erfolg des KZ-Dramas „Die Fälscher“, das 2008 für Österreich den Oscar als bester fremdsprachiger Film holte. Seither schnupperte der österreichische Schauspieler immer wieder auch Hollywood-Luft. 2011 war er an der Seite von Liam Neeson in „Unknown Identity“ zu sehen, drei Jahre später holte ihn Wes Anderson für das Meisterstück „Grand Budapest Hotel“ vor die Kamera, und Terrence Malick besetzte ihn im NS-Drama „Ein verborgenes Leben“.
Auf der Suche nach dem „dunklen Punkt“ in der Seele

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„Kommissar Rex“ kehrt ab 13. April mit einem neuen Partner ins Fernsehen zurück. Gespielt wird der menschliche Ermittler nun von Maximilian Brückner. Karl Markovics ist diesmal nicht dabei, er hat mit der Serie abgeschlossen. (Bild: SAT.1/ORF/Petro Domenigg)
Dass Markovics den Sprung aufs internationale Parkett geschafft hat, ist mehr als beachtlich - und diese rhetorische Einschränkung hat nichts mit seinem Charakterkopf zu tun. Eher mit der Integrität, die er gegenüber seinem Beruf an den Tag legt. Markovics hatte sogar die Kaltschnäuzigkeit, das ein oder andere Rollenangebot aus Hollywood abzulehnen. „Die wichtigste Regel im Leben ist, nicht korrumpierbar zu sein und sich selbst nicht zu belügen.“
Anerkennenswert ist sein Aufstieg ins Internationale aber auch wegen der Art seines Schauspiels. Markovics ist kein Mann für das Exaltierte und das Allzu-Expressive. Vielmehr der „kleinstmöglichen Ausdruck“ sei ihm „wesensverwandt“, sagte er. Das heißt aber nicht, dass er - als Schauspieler - keinen Hang zum Extravaganten, Überzogenen, Überspannten hat. In der Serie „Babylon Berlin“, nur ein Beispiel, spielte er einen pragmatischen und andererseits exzentrischen Journalisten, der „etwas leicht Künstlerisches ausstrahlt“, sagte er der Zeitung „Die Presse“.
Der Schauspiel-Minimalismus bewahrt Markovics nicht einmal vor jeglicher Entgrenzung, im Gegenteil. Meist entscheide er sich für extreme Charaktere, sagte er. Für die „größten Ungeheuer“ etwa, wie den Nazi-Schergen im TV-Drama „Annas Heimkehr“ oder den Frauenmörder in der „Polizeiruf 110“-Folge „Und vergib uns unsere Schuld“. Ihn interessiere „der dunkle Punkt“ einer Seele, jener Punkt, „an dem ein Mensch verletzlich und somit wahrhaftig ist“.
Diesen Seelenpunkt sucht Markovics mittlerweile auch als Regisseur. Mit seinem Debüt „Atmen“ (2011) beispielsweise, einer großartigen Reflexion über Alleinsein und Einsamkeit. Oder zuletzt mit der TV-Produktion „Landkrimi - Das Schweigen der Esel“ (2023), die von der Jagd nach einem Serienkiller handelt. Es ist eine Suche nach dem Extremen, ohne dass er diese Eigenschaften freilich selbst aufwiese. Sich selbst bezeichnet Markovics als „fast das Gegenteil“ von einem extremen Menschen. Der Ehemann und Vater zweier Adoptivkinder führt ein zurückgezogenes Leben in der Nähe von Wien. (tsch)
