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Kultfigur der „Nouvelle Vague“Unter diesen mysteriösen Umständen starb Jean Seberg

Mit „Außer Atem“ wurde Jean Seberg zu einer Ikone des Kinos. Im September 1979 starb die Schauspielerin unter bis heute ungeklärten Umständen. (Bild: Hulton Archive)

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Mit „Außer Atem“ wurde Jean Seberg zu einer Ikone des Kinos. Im September 1979 starb die Schauspielerin unter bis heute ungeklärten Umständen. (Bild: Hulton Archive)

Jean Seberg wurde durch Jean-Luc Godards Klassiker „Außer Atem“ weltberühmt. Doch das Leben der US-Schauspielerin war von vielen Schicksalsschlägen geprägt. 1979 starb sie unter bis heute ungeklärten Umständen.

In „Nouvelle Vague“ erzählt Richard Linklater davon, wie der Filmklassiker „Außer Atem“ gedreht wurde. In der Filmbiografie wird Jean Paul Belmondo von Aubry Dullin und Jean Seberg von Zoey Deutch gespielt. (Bild: Jean Louis Fernandez)

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In „Nouvelle Vague“ erzählt Richard Linklater davon, wie der Filmklassiker „Außer Atem“ gedreht wurde. In der Filmbiografie wird Jean Paul Belmondo von Aubry Dullin und Jean Seberg von Zoey Deutch gespielt. (Bild: Jean Louis Fernandez)

Die Aufgabe, die sich Richard Linklater für seinen neuen Film „Nouvelle Vague“ (seit 12. März in den deutschen Kinos) gestellt hatte, ist groß - aber doch nicht so gewaltig, wie es der Titel glauben macht. Es geht im Biopic allenfalls am Rande um jene hoch kreative Phase des französischen Kinos, eben die Nouvelle Vague. Vielmehr handelt der Film von der Entstehung von Jean-Luc Godards Klassiker „Außer Atem“ (1960), eines der dann doch wichtigsten Filme der Bewegung Ende der 1950er-Jahre und einer der einflussreichsten des Kinos überhaupt.

Dass in Linklaters Komödie in der einen oder anderen Szene auch ein Charakter namens Jean Seberg (Zoey Deutch) durchs Bild huscht, war unumgänglich. Immerhin spielte US-Schauspielerin die weibliche Hauptrolle in dem Meisterwerk von 1960. Denn Godard (im Film gespielt von Guillaume Marbeck), der seine Karriere wie viele andere Nouvelle-Vague-Regisseure als Kritiker begonnen hatte, gelang mit „Außer Atem“ ein kleiner Coup: Er, der Anfänger, schaffte es, für seinen ersten Spielfilm die damals aufstrebende Hollywood-Schauspielerin Jean Seberg zu besetzen.

Das Original: Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg wurden mit „Außer Atem“ auf einen Schlag zum Traumpaar des französischen Films. (Bild: Kinowelt)

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Das Original: Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg wurden mit „Außer Atem“ auf einen Schlag zum Traumpaar des französischen Films. (Bild: Kinowelt)

Mit Seberg, die kurz zuvor mit Otto Premingers „Die heilige Johanna“ (1957) und „Bonjour Tristesse“ (1958) zum Star wurde, war Godard die Aufmerksamkeit für sein Debüt sicher. Wenn ihm denn daran etwas gelegen haben mochte. Die neue Kinowelle aus Frankreich hatte 1960 die Welt längst geflutet. Godards Kritiker-Freunde hatten ihre ersten Filme schon vorgelegt: Claude Chabrol (“Die Enttäuschten“), François Truffaut (“Sie küssten und sie schlugen ihn“), Jacques Rivettes (“Paris gehört uns“), Eric Rohmer (“Im Zeichen des Löwen“, gedreht 1959, aber erst 1962 erschienen). Als auch er sich anschickte, das Fach zu wechseln, war die Spannung, aber auch die Erwartung groß.

Das tragische Leben von Jean Seberg

Jede Einstellung eine Ikone des Kinos: In „Außer Atem“ spielt Jean-Paul Belmondo einen Gauner Michel, der sich in die amerikanische Studentin Patricia (Jean Seberg) verliebt. Die Beziehung endet tragisch. (Bild: Kinowelt GmbH)

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Jede Einstellung eine Ikone des Kinos: In „Außer Atem“ spielt Jean-Paul Belmondo einen Gauner Michel, der sich in die amerikanische Studentin Patricia (Jean Seberg) verliebt. Die Beziehung endet tragisch. (Bild: Kinowelt GmbH)

Ein Gewinn war Seberg für „Außer Atem“ allemal - und der Film ein Gewinn für ihre Karriere. Seberg wurde zum Weltstar, während ihre Rolle der selbstbewussten, unabhängigen Studentin Patricia mit ihrem kurzen blonden Haar sie zur Stilikone machte. „Dieser Film“, sagte die Schauspielerin einmal, „hat mir wieder einen anständigen Namen gegeben“. Wieder? Seberg hatte dank Preminger zwar den Durchbruch geschafft, doch die Kritik an ihrer Leistung in „Die heilige Johanna“, der Flop des Films und überhaupt ihre Unzufriedenheit in Hollywood bewirkten, dass sie fluchtartig nach Frankreich ging. Wo sie Jean Godard traf. Und Jean-Paul Belmondo. Und wo sie „Außer Atem“ drehte.

„Außer Atem“ zitiert das amerikanische Kino vor allem des Film nour, gibt aber auch eindrücklich das Lebensgefühl in Paris Ende der 1950er-Jahre wieder. (Bild: Studiocanal)

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„Außer Atem“ zitiert das amerikanische Kino vor allem des Film nour, gibt aber auch eindrücklich das Lebensgefühl in Paris Ende der 1950er-Jahre wieder. (Bild: Studiocanal)

An den Erfolg des Films konnte Seberg nicht wieder anknüpfen. Sie drehte zwar weiter Filme, viele Filme, auch mit Stars wie Burt Lancaster, Warren Beatty oder Clint Eastwood, die meisten waren aber kaum besser als mittelmäßig. Schlagzeilen begann Seberg eher mit ihrer Person zu machen. Denn im Leben war sie so unangepasst wie im Beruf. „Wir alle in diesem Geschäft haben einen Sprung wegbekommen“, sagte sie über sich als Schauspielerin. Und über sich als Menschen: „Für ein Leben zu Hause, mit Mann und Kind, bin ich wohl verdorben.“ Seberg drehte ihren ersten Film mit 17. Dreimal war sie verheiratet, dazu wurden ihr zahlreiche Liebschaften und Affären nachgesagt.

Als rastloser Mensch wurde sie zum verfolgten. Die Klatschpresse ließ sie nicht in Ruhe. Dann hefteten sich auch Sicherheitsbehörden an sie, namentlich das FBI. Denn Seberg war auch ein empathischer Mensch, als der sie kaum Zurückhaltung kannte. Schon als Kind setzte sie sich für benachteiligte Menschen ein. Später, als Erwachsene ging sie im Kampf für die Sache der Schwarzen auf. Als sie sich aber, wieder in den USA, mit der Black Panther Party einließ und zur wichtigen - auch finanziellen - Unterstützerin der radikalen Bürgerrechtler wurde, sah das FBI rot. Ende der 1960er-Jahre begann die Behörde eine „aktive, diskrete Investigation“ der Schauspielerin.

Wie starb Jean Seberg wirklich?

Wie starb Jean Seberg wirklich? Die genauen Todesumstände der Schauspielerin sind bis heute ungeklärt. (Bild: Keystone)

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Wie starb Jean Seberg wirklich? Die genauen Todesumstände der Schauspielerin sind bis heute ungeklärt. (Bild: Keystone)

Das beinhaltete auch eine beispiellose Schmierkampagne. Als das FBI das Gerücht verbreitete, die schwangere Seberg erwarte ein Kind von einem Schwarzen, sprang auch der Boulevard an. Dem Druck konnte sie nicht standhalten. Aus Verzweiflung schluckte sie 1970 eine Überdosis Schlaftabletten. Sie überlebte den Selbstmordversuch, nicht aber ihr Kind - ihr weißes Kind, übrigens -, das zwei Tage nach der Geburt starb. „Die Verleumdung durch das FBI hat sie krank gemacht“, sagte später ihr zweiter Ehemann, der Schriftsteller Romain Gary. „Krank gemacht“ heißt: Seberg litt zunehmend an Depressionen, sie trank, nahm Tabletten, litt an Verfolgungswahn, versuchte mehrfach, sich das Leben zu nehmen.

Dass ihr das letztlich doch gelungen ist, wie es offiziell heißt, zweifeln viele an. Am 8. September 1979 wurde Sebergs Tod in den Nachrichten gemeldet. In Paris, unweit des öffentlichen Parks Bois de Boulogne im Westen der Stadt, war sie tot in ihrem Wagen gefunden worden. In ihrer Hand eine Abschiedsnotiz: „Verzeih mir, ich kann nicht länger leben mit meinen Nerven.“ Im Blut 7,8 Promille Alkohol und Schlafmittel. Neun Tage lang hatte sie nackt, eingewickelt in eine Decke, im Auto gelegen.

Wie kam Jean Seberg ums Leben? Durch Suizid? Oder durch Mord? Gegen die These der Selbsttötung spricht vieles - und einiges dafür, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes nicht alleine war. In der Dokumentation „Jean Seberg: American Actress“ (1995) erklärte eine Ärztin, dass die Schauspielerin kurz vor ihrem Verschwinden nüchtern war. Und überhaupt: Wie konnte sie mit fast acht Promille zu ihrem Auto gelangen? Bis heute sind die Hintergründe des Todes nicht restlos aufgeklärt. Und das leistet auch Linklaters „Nouvelle Vague“ nicht, der diese gewaltige Geschichte nicht zum Thema hat, sondern von den 20 Drehtagen des Filmklassikers „Außer Atem“ erzählt, Sebergs größtem Film. (tsch)

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