Zickenzoff und Machomurks - Drama gibt's im Trash-TV meist ohne Ende und oft ohne Niveau. Aber große Tragödie? Folge sechs von „Promis unter Palmen“ (SAT.1) geriet zum seltenen kulturellen Highlight: Reality meets „Romeo und Julia“. Wie in der Vorlage waren am Ende aber nicht alle glücklich.
„Kämpf für die Kinder“, sagt Eric Stehfest - dann geht er ab wie in einem Shakespeare-Drama

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Drei sind zwei zu viel. Bei „Promis unter Palmen“ (SAT.1) entwickelte sich nicht nur bei der Exit-Nominierung eine echte Tragödie. Hauptrollen: Eidth und Eric Stehfest und Maurice Dziwak (von links). (Bild: Joyn)

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Alle gegen die Stehfests! Edith und Eric haben keinen leichten Stand, die Allianz um Dilara Kruse will so möglichst zügig loswerden. (Bild: Joyn)
Dass man das erleben darf! Hohe Theaterkunst in der thailändischen Promi-Villa. Wo sonst vor allem Gezeter, Gekeife und ein Vokabular vorherrschen, für das man früher mit Seife den Mund ausgewaschen bekommen hätte, wurde plötzlich kunstvoll und dramatisch überhöht parliert. Denn Eric Stehfest, als Buchautor literarisch erfahren, hub an zur Adaption der vielleicht bekanntesten Tragödie der Welt und inszenierte eine „realitystische“ Version von „Romeo und Julia“. In den Titelrollen: der Stehfeste höchstselbst und - tataa - Maurice Dziwak.

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Schöne Anlage, trübe Gedanken: Gina-Lisa Lohfink ist die einzige Verbündete der Stehfests. (Bild: Joyn)
Auf so eine Idee muss man erst mal kommen. Und Dilara Kruse, eher der unverblümten Intrige (“Eric muss weg“) zugetan, guckte auch entsprechend verwirrt. Eric und der erstaunlich literarisch bewanderte „Löwe“ Maurice fassten die Shakespeare'sche Vorlage auch für sie zusammen: zwei verfeindete Familien, Romeo und Julia, die sich lieben, aber nicht dürfen. Am Ende sterben beide. Das Ende in der Neuversion: Maurice: „Dann sterben wir beide.“ Eric: „Wenn, dann Arm in Arm.“ Maurice: „Hand in Hand.“
Blieb die Frage: Wer ist Julia?
Großes Theater: Der Stehfeste und der Löwe geben „Romeo und Julia“

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Großes Theater boten Eric Stehfest und Maurice Dziwak: Sie inszenierten eine neue Version von „Romeo und Julia“ - mit sich selbst in den Titelrollen. (Bild: Joyn)

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Beim Kapitänsspiel war „Julia“ Maurice nicht so mutig. In Kästen greifen? „Was, wenn mich was beißt? Ich hab Frau und Kind!“ (Bild: Joyn)
Man muss wissen: 1595, als „Romeo und Julia“ vermutlich seine Premiere erlebte, wurden alle Frauenrollen von Männern gespielt. Deshalb war Maurices Ansage „Ich bin Julia, alles andere wäre eine Frechheit“ historisch nachvollziehbar. Und die Chemie zwischen den beiden Hauptdarsteller:innen passte. Eric: „Wenn wir es schaffen, uns gegen unsere Familien zu stellen - wer weiß, was aus uns beiden hier vielleicht noch wird.“
Der realitystische Hintergrund: Die verfeindeten Familien sind die Allianzen in der Villa. Eric steht mit seinen Getreuen, seiner Ex-Partnerin Edith Stehfest und seinem glühenden Fan-Girl Gina-Lisa Lohfink, der von der schwarzen Königin Dilara Kruse geführten Meute gegenüber. Diese weiß neben Löwe Maurice noch Sektdrossel Franzi Tenne und Muskelberg Kevin Wolter an ihrer Seite. Das Ziel von derer um Dilara: die Stehfests dezimieren und am besten erstmal Eric eliminieren.

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Erst heulte Dilara Kruse wegen des „ekligen“ Spiels, dann jubelte sie: Sie und Franzi Temme wurden Team-Kapitäninnen. (Bild: Joyn)
Weil aber eigentlich, so Eric, er und Maurice eine „ganz intensive Beziehung miteinander“ hätten und das mit ihnen „was ganz Besonderes sei“, wurde Eric shakespearisch zumute.
Überraschung: Dilara Kruse und Franzi Temme sind Kapitäninnen

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Zum Nachtisch Stress: Kevin Wolter kritisierte Edith Stehfest, weil sie immer ihre Sachen rumstehen lässt. (Bild: Joyn)

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„Es reicht!“ Edith rastete wegen der Kritik aus. Es gab Scherben, Geschrei und Tränen. „Ich hab ADHS, ich mach das doch nicht mit Absicht.“ (Bild: Joyn)
Die profane Reality zwischen der herzerwärmenden Tragödie (“Eines Tages werden wir uns wiedersehen! Ich schicke dir eine Taube!“) ist schnell erzählt: Bei Tisch gab's Gezeter und Tränen bei Edith, weil Kevin sie anmaulte, sie solle bitte mehr aufräuemn (“Du kannst ja mal mitdenken“). Im Kapitänsspiel gab's Gekreisch wegen Kästen, in die man reingrapschen musste. Schaffte keiner richtig gut: es wurde kein müder Euro für die Zasterwand erspielt. Aber: Dilara und Franzi wurden trotzdem zu Kapitäninnen.
Damit wurde das Ende von Eric wahrscheinlicher. Das scharfe Schwert des Abschieds ahnend, wurde Julia Maurice ganz weich zu seinem Romeo. „Bitte gehe nicht.“ Aber der war entspannt: „Mach dir bitte keine Sorgen, Julia. Denn tief in mir drin ist eine Flamme der Liebe, die wahrscheinlich nie erlischt!“

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Auf in den Kampf! Franzi führte ihr Team Orange mit Maurice und Edith in das Exit-Spiel „Große Nüsse“. (Bild: Joyn)
Von solchen Flämmchen, ausgesandt von den Lieben daheim, zehrten die Promis dann bei den Grußbotschaften. Da erhob sich ein großes freudvolles Schluchzen und Weinen ob der guten Wünsche aus der Ferne, wie etwa dem herzlichen von Dilaras Ehemann Max: „Mach sie fertig!“ Und Dilara ließ sich nicht lange bitten ...
Eric Stehfest wird übel ausgebremst

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Orange hatte ein Problem: Team Gelb. Dort wuchtete Muskelgebirge Kevin die zu transportierenden Nüsse quasi im Alleingang durch den Parcours. (Bild: Joyn)
Sieben durch zwei geht nicht. Also wurde ein Player vor dem Exit-Game aus dem Spiel genommen. Dilara durfte entscheiden, und sie wählte Eric. Der war nicht nur beim Spiel zum frustrierten Zuschauen verurteilt, sndern stand damit auch vorab als erster Exit-Kandidat fest.

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Team Gelb gewann klar. Somit landeten Edith und Maurice auf der Exit-Liste. Eric war von Dilara schon vorab nominiert worden. (Bild: Joyn)
Da wusste auch Julia Maurice, was es geschlagen hatte. „Ich werd dich nicht vergessen, Romeo.“ Eric: „Ich sag dir eins, Julia: Am Ende gewinnt immer die Liebe.“ Maurice: „Bis in alle Ewigkeit.“ Romeo so leiden zu sehen, zerbreche ihm, also ihr, „innerlich das Herz“.

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Das Ende der Tragödie: Eric Stehfest, brillant in der Rolle des Romeo, musste gehen. Ränkeschmiedin Dilara hatte triumphiert. „Julia“ Maurice trauerte. Ein bisschen. (Bild: Joyn)
Das Exit-Spiel brachte große Nüsse, die zu dritt über einen Parcours gewuchtet werden mussten und großes Wehklagen über die teilweise begrenzten Fähigkeiten der Protagonisten. Bei Team Gelb (Dilara, Kevin, Gina-Lisa) wuppte Kevin die Nüsse quasi alleine, bei Team Orange (Franzi, Maurice, Edith) quasi niemand. Gelb gewann klar - und neben Eric landeten auch Edith und Maurice auf der Rausschmiss-Liste.
Dilara Kruse triumphiert: Eric Stehfest fliegt raus
Echt tragisch: Die Versuche von Edith, sich für ihren Eric zu opfern, damit der vermeintlich Stärkere weiter für die Familienehre kämpfen könne, klappten nicht. Gina-Lisa wählte absprachegemäß Edith, aber Dilara und Kevin stimmten für Eric. Aus die Maus und raus der Eric.
Dilaras Plan hatte vollumfänglich geklappt. Das erkannte auch Julia Maurice: „Ich leb, er stirbt - 'Romeo und Julia ist aufgegangen.“ Der Abschied wurde im letzten Akt von Romeo theatralisch eingeleitet: „Was ich mir jetzt noch wünsche, ist ein letzter Kuss mit blutigen Tränen.“ Und wurde von Julia brutal neudeutsch geschrottet: Er könne sie am Allerwertesten „lecken“.
So endete Erics Abenteuer unter Palmen recht einsilbig. Seiner Königin Edith raunte er noch zu „Kämpf für die Kinder“, dann schritt er mit versteinertem Gesicht und rollendem Koffer von hinnen.
Der Rest ist Schweigen. Bis nächste Woche. (tsch)

