Monatelang verschollen Jasmin Tawil: „War überrascht, dass mein Vater mich sucht“

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Jasmin Tawil beim EXPRESS-Termin

Köln – Unterschiedlicher können Lebensabschnitte wohl kaum sein. Jasmin Tawil (37) war einst ganz oben – und zuletzt ganz unten. Früher eine erfolgreiche Musikerin und Schauspielerin, privat glücklich mit Ehemann Adel Tawil (41). 

Nach der Trennung folgte der Absturz, der geplante Neustart in den USA wurde zum Fiasko. Vergewaltigt, ausgeraubt, pleite, zwischenzeitlich obdachlos, unauffindbar. 

Letztlich entstand daraus aber neues Glück – in Form ihres Sohnes Ocean. Jetzt sind die beiden zurück in Deutschland. EXPRESS traf Jasmin Tawil zum großen Interview.

Jasmin – ein turbulentes Jahr, das hinter Ihnen liegt.

Jasmin Tawil: Ehrlich gesagt: Eigentlich ist mein Leben seit der Scheidung, beziehungsweise der Trennung, turbulent. Aber die letzten fünf Jahre waren auf jeden Fall eine große Reise zu mir selbst. Durch die Geburt meines Sohnes Ocean habe ich zurück zu mir gefunden. Er ist mein absoluter Segen. Im dritten Monat – ich wusste noch nicht, dass ich schwanger war – habe ich ja noch im Auto gewohnt. Eine Wohnung zu bekommen, daran war da gar nicht zu denken. Ich hatte kein Geld, aber einen Hund. Mit Hund ist es auf Hawaii ganz schwer, ein Zimmer zu bekommen. Und ich bin keine Amerikanerin. Eines Nachts war dann was anders, dann habe ich einen Test gemacht und dann war ich plötzlich schwanger – und musste ganz schnell was auf die Beine stellen.

Was waren Ihre ersten Gedanken nach dem Schwangerschaftstest?

Niemand wusste Bescheid, ich habe den Test ganz alleine gemacht. Ich habe mir einfach zwei Tests – zur Sicherheit – im Supermarkt geholt. Ich bin aber ein paar Tage davor weggerannt. Dann habe ich mich im Restaurant auf der Toilette eingeschlossen und habe das da heimlich gemacht. Ich habe den Hitzeschub meines Lebens bekommen. Mir ist von ganz Oben bis ganz Unten ein richtiger Feuerwall durch den Körper gegangen. Ich wusste: Jetzt ändert sich dein Leben komplett für immer.

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Haben Sie noch Kontakt zu Oceans Vater?

Ja – und wir schätzen und respektieren uns sehr. Wir sind gute Freunde. Er plant auch, dieses Jahr noch mit seiner Mutter nach Deutschland zu kommen. Er hat bereits einen Sohn – Ocean hat also einen Halbbruder. Aber auch von dessen Mutter lebt er getrennt. Der Papa ist noch ein bisschen jünger, 29 Jahre, und noch ein bisschen rebellisch. Ich war das auch – wir haben uns in einer sehr rebellischen Phase kennengelernt. Er ist noch an einem anderen Punkt in seinem Leben. Und das ist auch ok.

Es war also klar, dass Ocean mit Ihnen nach Deutschland kommt?

Ich habe gesagt, dass ich da gerne die Hauptrolle spielen möchte. Und dass ich dafür auch zurück nach Deutschland muss. In Amerika hatte ich keine Chance. Ich habe im Hotel geputzt. In Deutschland habe ich eine Chance, eine finanzielle Basis zu haben. Für Ocean. Aber das Heimweh wurde auch immer stärker.

Wieso sind Sie nicht zurückgekommen?

Das Geld fehlte und die erste Zeit war ich auch zu schwach. Ich bin an meine Grenzen gegangen, aber das haben wir überstanden. Jedes Mal wenn er mich anlächelt, macht er mich so glücklich. Er ist mein Sonnenschein. Ich möchte das Beste für ihn – das ist in meinen Augen derzeit Deutschland.

Die Grundlage für eine Beziehung zu dem Vater ist aber nicht mehr gegeben?

Wir haben das wirklich überlegt. Sogar, ob wir vielleicht heiraten. Aber wir sind beide zu gläubig. Dass uns das passiert ist, war für uns beide ja auch überraschend. Eigentlich suchten wir beide nach dem perfekten Partner – dann passierte das mit uns. Das war eine ganz starke Verbindung, eine große Romanze. Und dann kam Ocean auf den Weg. Anfangs war das komisch, aber dann wussten wir: Es sollte so sein. Es ist nicht der klassische Weg, aber wir rocken das.

Zurückgekommen sind Sie mit einem Hilfsflieger der Regierung. Ohne Corona wären Sie noch auf Hawaii?

Ja, dann wäre ich immer noch da. Es gab zwar bereits Gespräche für Projekte in Deutschland, aber mir fehlte – knallhart – das Fluggeld. Es gab auch niemanden, den ich um Geld hätte fragen können. Das fällt mir auch schwer, weil ich eine sehr stolze Frau bin. Es gab aber auch keine Angebote, etwa von meinen Eltern. Ich habe hart daran gearbeitet, aber es hat bis zu dem Zeitpunkt nicht gereicht. Corona war für mich in der Hinsicht also ein Glücksfall.

Sie haben Ihre Eltern angesprochen. Haben Sie mitbekommen, dass Ihr Vater hier auch sehr nach Ihnen gesucht hat? Dass sich hier Leute Sorgen um Sie gemacht haben?

Nein. Ich hatte mein Handy lange aus und bewusst kein Social Media an. Ich musste einfach mit mir selbst und der Situation klar kommen. Ich wollte mit der Außenwelt nichts zu tun haben. Auf den Moment habe ich als Frau ja lange gewartet, dann wurde er mir endlich geschenkt. Und irgendwann fing ich wieder an Nachrichten zu lesen. Da war ich im neunten Monat, ganz am Ende. Dann habe ich auf einen Artikel über Harry und Meghan geklickt – und plötzlich sehe ich mein Gesicht! „Wird gesucht, FBI, Privatdetektiv, wo ist sie“, stand da. Ich dachte nur: „Ach du heilige Sch…“. Ein paar Stunden später ist mir die Fruchtblase geplatzt.

Wie war das Verhältnis zu Ihren Eltern vorher? Man würde ja denken, auch wenn man Zeit für sich braucht, teilt man das vielleicht mit.

Das war auch ein Grund, warum ich einen Neustart wollte. Ich hatte echt eine schwere Kindheit. Meine Mutter war lange krank und auch zu meinem Vater hatte ich keine einfache Beziehung. Er lebte schon lange Zeit im Ausland, meine Mutter war alleinerziehend. Ich bin in Berlin-Schöneberg aufgewachsen – unter nicht leichten Bedingungen. Und wenn du dann so weit weg bist und durch eine Lebenskrise gehst, werden dir solche Dinge bewusst. Wie du überhaupt da rein rutschst. Die Kindheit verdrängt man oft. Und plötzlich kommt das alles hoch.

Waren Sie überrascht, dass ausgerechnet Ihr Vater Sie so aktiv sucht?

Ja, natürlich. Ich denke, dass das auch damit zu tun hat, dass er will, dass ich ihm verzeihe. Aber die Zeit kann man halt nicht zurückdrehen. Ich bin jetzt 38 – da sind viele viele Jahre verloren gegangen.

Hatten Sie denn jemand anderen aus der früheren Zeit, der für Sie da war, hinter Ihnen stand?

Also schon in meiner Ehe waren wir sehr isoliert. Natürlich auch wegen des großen Erfolgs: Wir waren immer auf Achse. So richtige enge, starke Freundschaften – die kannst du da gar nicht aufbauen. Wir waren immer auf der Überholspur und plötzlich ist mein Motor kaputtgegangen. Und mich musste jemand abschleppen. Klar habe ich in der ersten Trennungsphase Kontakt zu früheren Freunden gesucht. Aber da war auch jeder in seinem Leben. Und ich habe da nicht so den Anschluss gefunden. Ich habe mich sehr sehr sehr einsam gefühlt.

Haben Sie für sich das Gefühl, das verarbeitet zu haben?

Ja, da ist auch keine Wut mehr.

Haben Sie das alleine geschafft?

Ich habe in den letzten Jahren viel mit Lifecoaches und Ähnlichem gearbeitet. Ich hab guten Kontakt zu Yogalehrern und einen Guru in Indien, den ich verfolge. Du musst dir vorstellen: Ich hatte wirklich ein gebrochenes Herz. Ich habe mein Herz brechen gehört. Es hat wirklich wehgetan. Ich musste das einfach heilen. Und jetzt tut es nicht mehr weh. Die Erinnerungen sind noch da, aber sie verblassen, Ocean hilft mir jeden Tag dabei, positiv zu sein. Ich habe jetzt einfach wieder Hoffnung!

Auch die schrecklichen Erlebnisse in Los Angeles?

Das hat eine Weile gedauert. (Atmet tief durch) Aber ich möchte behaupten, ich habe einen gesunden emotionalen Abstand dazu.

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Wären Sie jetzt wieder bereit für einen Mann?

Für den Richtigen sofort. Aber ich weiß jetzt auch, wer ich bin und dieser Mann müsste 100 Prozent hinter mir stehen, neben mir stehen, in die gleiche Richtung schauen. Und vor allen Dingen: Mir den Hof machen (grinst). Und mir ganz viele Schmetterlinge in den Bauch bringen. Höflich sein, anständig – und unfassbar romantisch. Ein intelligenter, smarter Typ, mit dem ich mich unterhalten kann.

Und wie soll es für Sie weitergehen?

Wenn ich ehrlich bin: Auf der damaligen „Lieder“-Tour (von Adel Tawil, Anm. d. Red.) habe ich die Konzerte am Klavier eröffnet. Da habe ich plötzlich vor 10.000 Menschen gespielt. Wenn ich einen Wunsch frei hätte – dann hätte ich schon richtig Bock, die Bühne wieder richtig zu rocken. Mit meinen Songs. Und einfach mal meine Songs zu präsentieren.

Ihre Plattenfirma existiert ja auch noch. Wird die jetzt wieder nach oben gezogen?

Ja! Ich werde mein Bestes geben. Ich möchte auch gerne Korporationen mit anderen Künstlern machen. Ich habe Bock auf Features, Bock mein englisches Album fertig zu stellen, parallel arbeite ich an einem Baby-Album für Ocean. Als ich in die USA ging, schlummerte in mir der „American Dream“. Aber es gibt auch einen „German Dream“.

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Jasmin Tawil sprach im Interview mit EXPRESS offen über ihre harten Jahre.

(Im Hintergrund läuft gerade ein Lied von „Lea“ im Radio)

Da wir das hier gerade hören. Die Entwicklung in der deutschen Musik der letzten Jahre begeistert mich total. Irgendwann saß ich mal beim Echo und war tottraurig, denn es war keine einzige Frau nominiert. Jetzt gibt es so viele starke Frauen, die auch was zu sagen haben. Jetzt hab ich Bock mitzumischen! Schade, dass es den Echo nicht mehr gibt. Ich würde gerne hingehen und würde die alle gerne sehen.

Da wäre niemand, dem Sie sagen würden: „Ey, du hättest dich auch mal melden können, als es mir scheiße ging.“?

Doch klar. Total viele. Aber die waren halt alle beschäftigt. Manchmal ist ja auch die Nicht-Hilfe die beste Hilfe. Ich versuch das einfach positiv zu sehen. Jetzt habe ich neue Leute um mich rum und die hab ich richtig gern. Der Liebe Gott hatte das so mit mir vor – und es ist ok!

Blicken wir nicht nur nach hinten, sondern auch mal fünf Jahre in die Zukunft. Wo ist Jasmin dann?

Ich möchte sehr beschäftigt sein, das liebe ich. Ich hab Lust, Musik zu schreiben, auf der Bühne zu sein, Mama zu sein, Frau zu sein. Ehefrau wäre toll. Ich würde gerne im Garten sein.

Wie viele Kinder laufen um die Mama herum?

Also ich habe mir mal fünf Schmetterlinge tätowieren lassen. Ich träume von fünf Kindern – aber ich bin ja schon fast 38. Aber Ocean habe ich ja schon und seit meiner Zeit auf Fiji habe ich ein Patenkind namens Ariana. Sie lebt jetzt in Neuseeland, ist acht Jahre alt und geht in die Schule. Ich kann es kaum erwarten, wenn ich die finanzielle Möglichkeit mal wieder habe, sie wieder zu besuchen. Ich liebe Kinder. Ich habe ja auch keine Geschwister. Ich habe mich mein ganzes Leben schon so alleine gefühlt. Das, was Ocean jetzt in mir weckt, macht mich einfach glücklich. Diese Liebe kannst du mit Geld nicht bezahlen.

Beeindruckend, dass Sie wieder so klar nach vorne gucken können.

In der deutschen Psychologie geht es immer um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Dann traf ich irgendwann jemanden, der mir von „Future Visioning“ erzählte. Das hat mir sehr geholfen. Und durch Yoga habe ich extrem gelernt, mich nicht mehr in dunklen Momenten zu suhlen. Dann habe ich angefangen, Dinge zu überschreiben. Ich bin an Orte gegangen, wo Dinge passiert sind, die nicht gut waren. Und da habe ich einfach schöne Dinge erlebt – und plötzlich war der Platz besser. 

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