Interview Enissa Amani spricht über ihr „Playboy“-Angebot

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Sexy und witzig: Enissa Amani

Sie ist als eine Stefan-Raab-Nachfolgerin ins Rennen geschickt worden und auf dem besten Wege, ganz weit vorn zu landen: Kölns Multitalent Enissa Amani (32) hat mit ihrer TV-Show „Studio Amani“ (montags, 23.15 Uhr, Pro7) bei Zuschauern und Kritikern die ersten Hürden souverän genommen.

Im EXPRESS sagt sie, wie sie zur Comedy gekommen ist, welche Rolle ihre Eltern dabei spielen, und wo für sie die Tabu-Grenze verläuft.

EXPRESS: In etwas mehr als zwei Jahren von null auf 100. Gibt es Momente, in denen Sie sich fragen, was gerade mit Ihnen passiert?
Enissa Amani: Die gibt es immer wieder, denn mein Leben hat sich total auf den Kopf gestellt. Ich bin froh, dass ich noch in derselben Zwei-Zimmer-Wohnung lebe und dasselbe kleine Auto fahre. Das erdet mich.

Waren TV und Bühne immer Ihr Traum?
Nein. Mein Traum war es, ein Buch mit Kurzgeschichten zu schreiben. Diesen Traum hielt ich aber für unerfüllbar – welcher Verlag interessiert sich für mich kleines Mädchen? So habe ich meine kleinen Texte erst mal nur gebloggt. Und weil die Resonanz gut war, habe ich sie auf einer kleinen Bühne vorgestellt, um zu schauen, ob sie comedy-tauglich sind.

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Das waren sie offensichtlich, sodass Sie jetzt Raab-Nachfolgerin sind. Ein Ritterschlag?
Eine eigene Sendung ist toll, aber ich bin nicht die Raab-Nachfolgerin. Das sind Fußstapfen, die mir viel zu groß sind. Raab ist einer der größten Entertainer, die Deutschland jemals hatte. Ich habe meine Show im Dezember 2014 angeboten bekommen, lange bevor irgendjemand wusste, dass er aufhört.  

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Enissas „Studio Amani“ auf Pro Sieben hatte beachtliche Einschaltquoten. Die schöne Comedy-Lady hofft, dass es so weitergeht.

Sind die Texte von Ihnen, oder haben Sie Gagschreiber?
Für die Sendung arbeite ich mit einem Team von Autoren, wir definieren gemeinsam die Gags und Inhalte. Alles, was mich persönlich betrifft, ist von mir: Ich schreibe sehr viel über meine Familie, den Iran und Deutschland und die Balance zwischen den verschiedenen Sachen, die mich geprägt haben. Zum Beispiel meine sozialistischen Eltern.

Was sagen die sozialistischen Eltern, dass Sie im kapitalistischen TV Geld verdienen?
Sie sind unfassbar stolz, dass ich mich so verwirklicht habe, diesen künstlerischen Weg gegangen bin. Sie haben immer gesagt: »Mach, was dir gefällt!« Papa sagt jetzt: »Kind, mach! Aber vergiss’ den Kabarett-Anteil nicht.« Er freut sich besonders, wenn ich die politische Enissa bin. Es ist ihm lieber, als wenn ich ein Alltags-Problemchen anspreche.

Sie tragen einen ungewöhnlichen Namen…
Der Name ist ein Irrtum. Ich bin benannt nach Inessa Armand, einer französischen Kommunistin,  Lenins Affäre in seinen Pariser Tagen. Mama hat den Film »Der Zug« gesehen, in dem es um sie ging, und fand den Namen schön – leider hat sie die Buchstaben verdreht.

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2011 waren Sie Miss NRW. Ist es schwer für gut aussehende Frauen, Kabarett-Karriere zu machen?

Es ist ein Problem in Deutschland. Hier denken viele, gut aussehende Frauen können nicht witzig sein. Das liegt vielleicht daran, dass deutsche Frauen praktischer unterwegs sind. Sie lieben das Natürliche, mögen es nicht so wie ich, mit Riesenlidstrich, geföhnten Haaren und 16-Zentimeter-Heels durch die Stadt zu laufen. Deswegen werde ich eher bei Schönheitswahlen vermutet als auf der Kabarettbühne, trage einen Tussi-Stempel. Die Leute sind dann überrascht, dass ich mich trotz Nasen-OP nicht nur in Mode, sondern auch mit dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau auskenne.

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Enissa in ihrem „Studio Amani“

Gerade haben Sie ein „Playboy“-Angebot ausgeschlagen.

Ich habe sehr starke Prinzipien. So was kommt für mich nicht infrage, niemals. Ich habe kein Problem mit sexy Fotos, aber ganz nackt – nein! Auch wenn es mir viel Geld eingebracht hätte.

Sie sind auf der Bühne charmant, witzig, aber auch  manchmal gnadenlos. Wie reagieren die Leute?

Natürlich nehmen es mir die Nazis übel, dass ich so über sie spreche. Aber ich bin da sehr  genau, ich meine immer nur die wirklichen Nazis. Ich weiß, dass es stets verschiedene Meinungen zu einem Thema gibt – zum Beispiel zu den Flüchtlingen. Alle Meinungen sind legitim, so lange kein Hass und keine Gewalt gepredigt werden. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass Freiheit stets die Freiheit des Andersdenkenden ist.

Jetzt ging alles sehr schnell – können Sie sich schon vorstellen, wo Sie in zehn Jahren sind?

Mein größter Traum ist, dass mein »Studio Amani« sich hält und dass ich weiter als Autorin arbeiten kann – ich habe  sogar schon einen  großen Verlag, obwohl das Buch noch gar nicht da ist. Ich möchte aber auch ein eigenes Familienleben und irgendwann Kinder. 

Sie sind in Frankfurt groß geworden. War es  wichtig für Sie, dass Sie im Rheinland  gelandet sind?

Ja. Ich habe damals Köln gewählt, weil es eine Großstadt ist, die nicht weit von Frankfurt liegt. Und dann hat Köln mir Glück gebracht. Die Stadt hat mein Leben so verändert und bereichert. Köln war für mich Schicksal und Glücksstadt.

Vergangene Woche haben Sie in Ihrer Show eine Wette verloren, sollen jetzt tatsächlich durch den Rhein schwimmen? Wann lösen Sie Ihre Wettschulden denn ein?

Ein Termin steht noch nicht fest. Ich habe aber mein Wort gegeben und werde mein Wort halten. Ich werde durch den Rhein schwimmen, auch wenn ich gehört habe, dass das sehr gefährlich werden kann.

Comedy auf Umwegen

In Teheran geboren, in Frankfurt aufgewachsen, im Rheinland erfolgreich: Enissa Amani (Abi-Note 1,8) ist Star der neuen Comedy-Generation.

Sie kam auf Umwegen: Studierte erst Jura, dann Literatur, jobbte als Verkäuferin (auch im Verkaufssender QVC), als Stewardess, gewann Schönheitswettbewerbe. Vor zweieinhalb Jahren erster Comedy-Auftritt im kleinen Kölner Club „Café Gedankengut“.

2014 Nominierung für den Kabarettpreis „Prix Pantheon“. Vorbild sind ihre Eltern: Ihr Vater ist Literaturprofessur, ihre Mutter Ärztin (beide wurden im Iran als Sozialisten politisch verfolgt).

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