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Oscar gewonnen – aber ganz hinten platziertHollywood-Star erlebt Demütigung

Vivien Leigh und Hattie McDaniel in einer Szene von „Vom Winde verweht“.

Copyright: imago images/Mary Evans

Vivien Leigh und Hattie McDaniel in einer Szene von „Vom Winde verweht“. (Archivbild)

Aktualisiert

Sie schrieb Oscar-Geschichte – doch bei der Gala musste sie getrennt von allen sitzen. Der Triumph von Hattie McDaniel hatte eine bittere Seite.

Mit Blick auf die aktuelle Oscar-Verleihung 2026 wird auch wieder an einen Moment erinnert, der bis heute zu den beschämendsten Episoden der Preisgeschichte zählt. Als Hattie McDaniel 1940 den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann, wurde sie zur ersten afroamerikanischen Preisträgerin der Academy Awards. Ihr Erfolg für die Rolle der Mammy im Film „Vom Winde verweht“ galt als Sensation. Doch während Hollywood ihren Triumph feierte, zeigte sich zugleich die harte Realität der damaligen Rassentrennung in den USA.

Oscar für „Vom Winde verweht“ – Triumph im Saal, Rassismus am Tisch

Der Film war ein riesiger Erfolg und dominierte die Preisverleihung. Viele Mitglieder des Ensembles und der Produktion saßen gemeinsam im Saal des Ambassador Hotels in Los Angeles. Für McDaniel galt jedoch eine andere Regel. Das Hotel verfolgte eine strikte Politik der Rassentrennung. Schwarze Gäste waren dort grundsätzlich nicht willkommen – selbst dann nicht, wenn sie zu den wichtigsten Preisträgern des Abends gehörten.

Nur weil die Produzenten von „Vom Winde verweht“ bei der Hotelleitung intervenierten, durfte McDaniel überhaupt an der Gala teilnehmen. Dennoch wurde sie nicht bei ihren Kollegen platziert. Stattdessen setzte man sie an einen kleinen Tisch ganz hinten im Saal. Während das restliche Filmteam zusammen saß und den Abend feierte, blieb sie räumlich isoliert – weit entfernt vom Ensemble des Films, das an diesem Abend mehrere Oscars gewann.

Hattie McDaniel nur mit Sondererlaubnis im Saal

Als Hattie McDaniel schließlich auf die Bühne gerufen wurde, nahm sie den Oscar sichtbar bewegt entgegen. In ihrer Dankesrede sagte sie wörtlich: „Ich hoffe aufrichtig, dass ich meinem Volk und der Filmindustrie immer eine Ehre sein werde.“ Außerdem erklärte sie, sie sei „überglücklich, eine derjenigen zu sein, die dazu beigetragen haben, diesen Film zu einem Erfolg zu machen“. Immerhin: Sie erhielt viel Applaus von den anwesenden Filmschaffenden.

Der Moment ging in die Geschichte der Academy Awards ein. Doch während sie für ihre Rolle in „Vom Winde verweht“ ausgezeichnet wurde, machte ihr Sitzplatz ganz hinten im Saal zugleich deutlich, wie tief Diskriminierung und Ausgrenzung damals selbst im Zentrum Hollywoods noch verankert waren.

Heute gilt McDaniels Sieg als Meilenstein für schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler in Hollywood. Gleichzeitig bleibt der Abend ein Symbol für den Widerspruch jener Zeit. Ihr Platz ganz hinten zeigte schonungslos, wie weit der Weg zu echter Gleichberechtigung damals noch war. Bis zur nächsten Auszeichnung einer schwarzen Schauspielerin sollten zudem mehr als fünf Jahrzehnte vergehen: Erst 1991 erhielt Whoopi Goldberg den Oscar als beste Nebendarstellerin für „Ghost – Nachricht von Sam“.

Die 98. Oscar-Verleihung findet am 15. März 2026 im Dolby Theatre in Hollywood (Los Angeles) statt. Moderator des Abends ist erneut der US-Comedian Conan O’Brien. In Deutschland wird die Gala in der Nacht zum 16. März live auf „ProSieben“ übertragen, zusätzlich gibt es einen Livestream bei „Joyn“.

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