Zwei Stars, zwei Konzepte: Die Beziehung zwischen Jason Statham und Jennifer Lopez in „Parker“ ist mindestens so kompliziert wie das Verhältnis von romantischer Gaunerkomödie zu blutigem Rachedrama. Trotzdem langweilt der Thriller nicht.
Herrlich humorlosKnallharter Actionthriller mit zwei Superstars läuft heute im Free-TV

Copyright: 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English
Ganz ohne Romanze funktioniert die Geschichte von Parker (Jason Statham) und Leslie (Jennifer Lopez) nicht. (Bild: 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English)

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Nicht das, was Sie denken: Parker (Jason Statham) will nur überprüfen, ob Leslie (Jennifer Lopez) verwanzt ist. (Bild: 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English)
Mit Menschen wie Du und Ich, und nicht unbedingt mit Kriminellen oder Polizisten, identifiziert sich das Kinopublikum am besten. Alfred Hitchcock wusste das wie kaum ein anderer. Als Verfasser des Drehbuchs zu „Hitchcock“ ist das John J. McLaughlin mit Sicherheit aufgefallen: Er schrieb auch das Skript für den Thriller „Parker“ (2013), den Kabel Eins am Montag, 16. März, um 20.15 Uhr zeigt, und lässt darin eine ahnungslose Durchschnittsfrau auf einen mysteriösen Dieb mit eigenwilligem Moralkodex treffen. Und weil die beiden ganz alltägliche Probleme mit sich herumschleppen, menschelt es in der Inszenierung von Taylor Hackford gehörig.

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Parker (Jason Statham) ist ein Krimineller - aber er hat einen Kodex. (Bild: 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English)
Latina-Diva Jennifer Lopez verkörpert in „Parker“ als Immobilienmaklerin Leslie Rodgers eine Art nette Nachbarin, die brutalen Gangstern in die Hände fällt. Leslie weint, zittert und fleht um ihr Leben. Von ihrem Mann mit Millionen Schulden sitzengelassen, muss sie begreifen, dass sie längst noch nicht alle Tiefen des Lebens kennengelernt hat. Wer fühlt da nicht mit ihr?

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Am liebsten würde Parker (Jason Statham) einfach nur mit seiner Freundin Claire (Emma Booth) das Leben genießen. (Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English)
Die eigentliche Hauptfigur hingegen, der gerissene Dieb Parker, lakonisch gespielt von Jason Statham, wirkt zunächst geradezu abscheulich. Während sich unbescholtene Bürger auf einer riesigen Kirmes amüsieren, räumen Parker und seine Spießgesellen ungerührt die Kasse mit den Einnahmen leer. Aber Kinderliebe, Nothilfe bei einem Wachmann, seine Liebe zu Claire (Emma Booth), der nette „Schwiegervater“ Hurley (Nick Nolte) und der Betrug der Kumpanen, die ihn zudem lebensgefährlich verletzen, lassen Parker flugs wie einen verkappten Gutmenschen erscheinen. Wie er Vergeltung an den Komplizen übt und ihnen die Beute abjagen will, verfolgt man dann mit Sympathie.
Handwerklich gut gemachte Thrillerkost

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Parker (Jason Statham) wurde von seinen Komplizen gelinkt. Jetzt ist er auf Rache aus. (Bild: 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English)

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Bob Hurley (Nick Nolte) ist für Parker eine Art Mentor. (Bild: 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Jack English)
Die auch in Deutschland enorm populären Parker-Romane aus der Feder des 2008 verstorbenen Donald E. Westlake alias Richard Stark auf die Leinwand zu bringen, ist schwierig. Mel Gibson hatte mit „Payback - Zahltag“ eher bescheidenen Erfolg, und vor Urzeiten floppte John Boormans ästhetisches Meisterwerk „Point Blank“ (1967).
In der ersten Adaption, die Parker beim Namen nennen darf, darf J.Lo gegen den Strich der Buchvorlage „Irgendwann gibt jeder auf“ ab der Mitte des Films im sonnigen Miami vor Parker verführerisch (und etwas sehr gewollt) die Hüften kreisen lassen. Aus dem blutigen Rachedrama soll eine romantisch-erotische Gaunerkomödie werden: Eine allzu ehrgeizige Kehrtwende, aber ewiges Bleigewitter und Auf-den-Putz-hauen in irgendwelchen Hinterzimmern waren McLaughlin und Hackford auf Dauer wohl zu ermattend. Parkers Geschick, sich aus jeder Klemme befreien zu können, bekommen die Fans der Romane derweil kaum zu sehen.
Aber „Parker“ langweilt nicht. Jennifer Lopez weiß ihre Figur vielschichtig anzulegen und mit jenen liebenswert-nervigen Ticks von Menschen anzureichern, die zu lange ohne Partner leben. Und Taylor Hackford, berühmt geworden mit so unterschiedlichen Filmen wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Blood in, Blood out“ und „Ray“, inszeniert die physische Präsenz Jason Stathams geschickt in Schießereien bei voller Fahrt und Zweikämpfen mit messerdurchbohrten Handflächen. Handwerklich gut gemachte Thrillerkost. (tsch)

