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Fünfter TodestagDiese Hollywood-Legende musste 80 Jahre auf den Oscar warten

Für seine Rolle als Milliardär J. Paul Getty in „Alles Geld der Welt“ erhielt Christopher Plummer seine zweite Oscarnominierung. Nun ist der kanadische Schauspieler im Alter von 91 Jahren verstorben. (Bild: 2017 Giles Keyte / Tobis Film)

Für seine Rolle als Milliardär J. Paul Getty in „Alles Geld der Welt“ erhielt Christopher Plummer seine zweite Oscarnominierung. Nun ist der kanadische Schauspieler im Alter von 91 Jahren verstorben. (Bild: 2017 Giles Keyte / Tobis Film)

Vor fünf Jahren, am 5. Februar 2021, starb mit Christopher Plummer einer der vielseitigsten Schauspieler aller Zeiten. Für seine wohl bekannteste Rolle aber hatte er jahrzehntelang nur Verachtung übrig.

„Meine Lieder - meine Träume“ machte Christopher Plummer in den USA zum Star. Er selbst fremdelte lange mit dem kitschigen Film. (Bild: 20th Century Fox)

„Meine Lieder - meine Träume“ machte Christopher Plummer in den USA zum Star. Er selbst fremdelte lange mit dem kitschigen Film. (Bild: 20th Century Fox)

„Oliver, ich bin schwul“: Ein spätes Coming-out im Film „Beginners“ brachte Christopher Plummer einen Oscar ein. (Bild: Universal)

„Oliver, ich bin schwul“: Ein spätes Coming-out im Film „Beginners“ brachte Christopher Plummer einen Oscar ein. (Bild: Universal)

Man sollte meinen, wer im erfolgreichsten Film der damaligen Zeit mitspielte, sei stolz auf seine Rolle. Christopher Plummer aber schämte sich jahrzehntelang für seine bekannteste Rolle - so sehr, dass er „The Sound of Music“ immer nur als „diesen Film“ bezeichnete. „Fürchterlich“ und „sentimental“ sei der Film, der im Deutschen den Titel „Meine Lieder - meine Träume“ trägt und 1965 in die Kinos kam. In einer der bekanntesten Szenen der Musicalverfilmung sitzt Plummer als Kapitän von Trapp auf dem Boden eines gemütlichen österreichischen Wohnzimmers, auf dem Schoß eine Gitarre, und dann singt er: „Edelweiss, Edelweiss, every morning you greet me“, nur dass es bei ihm klingt wie „Edelweisch“. Ein bisschen versteht man da, warum Plummer diesen Film, der seit Jahrzehnten vor allem amerikanische Touristen zu den Originalschauplätzen in Salzburg und Umgebung treibt, nicht leiden konnte. Erst viele Jahre später versöhnte er sich mit der Rolle.

Krönung einer Karriere: Im Laufe seiner Karriere spielte Christopher Plummer in weit mehr als 100 Filmen, für „Beginners“ erhielt er 2012 den Oscar. (Bild: Jason Merritt/Getty Images)

Krönung einer Karriere: Im Laufe seiner Karriere spielte Christopher Plummer in weit mehr als 100 Filmen, für „Beginners“ erhielt er 2012 den Oscar. (Bild: Jason Merritt/Getty Images)

Christopher Plummer als Leo Tolstoi in „Ein russischer Sommer“: „Wurde auch Zeit!“, kommentierte der Schauspieler, als er für die Rolle des russischen Schriftstellers erstmals für einen Oscar nominiert wurde. (Bild: Warner Brothers)

Christopher Plummer als Leo Tolstoi in „Ein russischer Sommer“: „Wurde auch Zeit!“, kommentierte der Schauspieler, als er für die Rolle des russischen Schriftstellers erstmals für einen Oscar nominiert wurde. (Bild: Warner Brothers)

Plummer kam 1929 in Toronto zur Welt. Er entstammte einer wohlhabenden, angesehenen Familie. Die Mutter war Künstlerin, der Vater ein erfolgreicher Geschäftsmann, der Urgroßvater gar kanadischer Premierminister. Schon als Jugendlicher entwickelte er eine Leidenschaft fürs Theater, stand bald regelmäßig am Broadway auf der Bühne und spielte in Kanada und London Shakespeare-Stücke. Als Plummer 1958 seinen ersten Kinofilm drehte (Sidney Lumets Drama „Stage Struck“, mit Henry Fonda), war er bereits ein gefeierter Schauspielstar. Sein zweiter Film, „Wind Across the Everglades“, hatte im selben Jahr mit massiven Problemen zu kämpfen (Regisseur Nicholas Ray wurde am Set gefeuert) - vielleicht deshalb machte Plummer anschließend einen großen Bogen ums Kino. Erst sechs Jahre später stand er wieder vor der Kamera - für den dreistündigen Monumentalfilm „Der Untergang des Römischen Reiches“, und wenig später eben für „The Sound of Music“. Ihn auf diesen Film zu reduzieren, wäre allerdings höchst ungerecht.

Zweifacher Rekordhalter

Für den britischen Kriminalfilm „Mord an der Themse“ stand Christopher Plummer 1978 als Sherlock Holmes vor der Kamera. (Bild: Keystone/Getty Images)

Für den britischen Kriminalfilm „Mord an der Themse“ stand Christopher Plummer 1978 als Sherlock Holmes vor der Kamera. (Bild: Keystone/Getty Images)

Mit seiner dritten Frau Elaine Taylor, die er 1970 heiratete, lebte Christopher Plummer bis zuletzt zusammen. (Bild: Dove/Express/Hulton Archive/Getty Images)

Mit seiner dritten Frau Elaine Taylor, die er 1970 heiratete, lebte Christopher Plummer bis zuletzt zusammen. (Bild: Dove/Express/Hulton Archive/Getty Images)

Ja, auch das ist Christopher Plummer: In „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ spielte er einen Klingonen, der 
Captain Kirk (William Shatner, rechts) und Dr. McCoy (DeForest Kelley, hinten) wegen Mordes anklagt. (Bild: kabel eins / Paramount Pictures)

Ja, auch das ist Christopher Plummer: In „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ spielte er einen Klingonen, der Captain Kirk (William Shatner, rechts) und Dr. McCoy (DeForest Kelley, hinten) wegen Mordes anklagt. (Bild: kabel eins / Paramount Pictures)

Christopher Plummer war nie einer, der sich auf eine bestimmte Rolle oder ein Genre festlegen wollte. Der Kanadier mit dem fast schon britischen Akzent spielte den „Dschungelbuch“-Autoren Rudyard Kipling in „Der Mann, der König sein wollte“ (1975), das „Phantom“ in „Der rosarote Panther kehrt zurück“ (1975) und mit viel Schminke im Gesicht einen Klingonen in „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ (1992). In „Insider“ (1999) war er ein Starjournalist, in „Alexander“ (2004) der Philosoph Aristoteles, in „The New World“ (2005) ein Seefahrer. Zuletz sah man ihn vor rund einem Jahr in „Knives Out - Mord ist Familiensache“ als alternden Patriarchen, der von seinem eigenen Nachwuchs ermordet wird. Kaum ein Schauspieler war so wandelbar wie Plummer. Und kaum einer war so fleißig: Plummers Filmografie listet weit über 100 Werke auf - in manchen Jahren kamen gar vier oder fünf Filme mit ihm ins Kino. Quasi nebenbei stand er noch für rund 70 TV-Produktionen vor der Kamera.

Den Thriller „Inside Man“ drehte Christopher Plummer (Mitte) 2005 zusammen mit Schauspielkollegin Jodie Foster und Regisseur Spike Lee. (Bild: 2006 Universal Studios / David Lee)

Den Thriller „Inside Man“ drehte Christopher Plummer (Mitte) 2005 zusammen mit Schauspielkollegin Jodie Foster und Regisseur Spike Lee. (Bild: 2006 Universal Studios / David Lee)

Indes: Die Academy in Los Angeles, die alljährlich die Oscars vergibt, brauchte lange, um auf Plummer aufmerksam zu werden. Erst im Jahr 2010 - Plummer war da bereits 80 Jahre alt - erhielt er für seine Darstellung des Leo Tolstoi in „Ein russischer Sommer“ eine Nominierung. „Wurde auch Zeit“, kommentierte Plummer. Ein Jahr später hielt er den Goldjungen dann tatsächlich in den Händen - in der Komödie „Beginners“ spielte Plummer einen Mann, der sich im hohen Alter als schwul outet. Plummer war und ist bis heute der älteste Gewinner eines Academy Awards. „Du bist nur zwei Jahre älter als ich, mein Lieber“, sprach er damals auf der Bühne des Hollywood and Highland Center Theatre zu der kleinen, goldenen Statue. „Wo hast du mein ganzes Leben lang gesteckt?“

Keine Lust auf Rente

Christopher Plummers letzter Film „Knives out - Mord ist Familiensache“ startete 2020 in den deutschen Kinos. (Bild: Universum Film)

Christopher Plummers letzter Film „Knives out - Mord ist Familiensache“ startete 2020 in den deutschen Kinos. (Bild: Universum Film)

Und noch einen Oscar-Rekord stellte Plummer auf: Als er für seine Rolle in „Alles Geld der Welt“ für einen Academy Award nominiert wurde, war er 88 - älter als jeder andere Nominierte vor ihm. Dass Plummer seine wohl bekannteste Rolle der letzten Jahre überhaupt spielen konnte, ist einer unschönen Geschichte geschuldet. Ursprünglich hatte Kevin Spacey für den Part des reichen Ölmagnaten Jean Paul Getty vor der Kamera gestanden. Als aber Belästigungsvorwürfe gegen den Schauspieler laut wurden, schnitt Regisseur Ridley Scott den in Ungnade Gefallenen aus seinem Film kurzerhand heraus und drehte die entsprechenden Szenen mit Christopher Plummer nach. Ein Glücksfall für den 88-Jährigen, der in „Alles Geld der Welt“ eine seiner besten Leistungen zeigte.

Christopher Plummer war nicht nur ein harter Arbeiter, sondern auch einer, der das Leben stets genossen hat. Die 50er-Jahre seien eine „gute Zeit zum Trinken“ gewesen, erinnerte sich Plummer vor einigen Jahren in einem Radiointerview. „Die 60-er waren mehr eine Ära der Drogen, und die 70-er waren so langweilig, dass ich mich nicht mehr an sie erinnern kann.“ Zuletzt lebte er mit seiner dritten Frau, der englischen Schauspielerin Elaine Taylor, in einem kleinen Ort in Connecticut. Dort starb Plummer am 5. Februar 2021 im Alter von 91 Jahren. Laut seiner Ehefrau war er zweieinhalb Wochen zuvor gestürzt und hatte sich dabei eine Kopfverletzung zugezogen. Er sei schließlich, wie seine Familie in einer Erklärung mitteilte, friedlich im Beisein von Taylor verstorben. (tsch)

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„Ultimativ deprimierend“

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