Auf TikTok und Instagram geht ein Berliner Lehrer als „Herr Reff“ viral. Und auch hinter seiner Handykamera kommt er bei seinen Schülerinnen und Schülern gut an. In einer „37°“-Reportage erklärt er, was er mit seinen Videos erreichen will - und wie sein eigenes Schicksal ihn beeinflusst.
„Er respektiert uns“ZDF-Doku zeigt, wie Lehrer „Herr Reff“ auf TikTok eine Brennpunktschule rettet

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Lehrer Reff wuchs mit Depressionen im Elternhaus auf. Er kämpfte sich gegen alle Widerstände zum Abitur und durch das Studium. Heute ist er Lehrer. (Bild: ZDF/Johannes Kramer, Honorarfrei)
An einer Brennpunktschule in Berlin ist eigentlich schon Pause, doch in einem Klassenzimmer sind die Stühle noch nicht leer. Die Schülerinnen und Schüler bleiben freiwillig sitzen, um ihrem Lehrer (42), der im Internet als Herr Reff bekannt ist, beim Videodreh für seine Social-Media-Kanäle zu helfen.
Inzwischen folgen ihm dort auf allen Plattformen über eine Million Menschen. Dort, wie auch in der Schule, hat er ein Ziel: Respekt, Demokratie und Miteinander vermitteln. Die ZDF-Reportage „Ein Lehrer geht viral“ begleitet den 42-Jährigen zwischen Klassenzimmer, Social Media und seiner eigenen Vergangenheit.
Seine Schülerinnen und Schüler sind Fans von Reff, das wird schnell klar. „Er ist halt ein mitfühlender Mensch“, erklärt ein Mädchen. „Er respektiert uns. Nicht so wie alle Lehrer“, sagt ein anderes. Sie feiern die Videos des Geografie-, Politik- und Ethiklehrers, aber auch seinen Unterricht. Der ist manchmal etwas unkonventionell, denn Reff ist überzeugt, dass lernen nur mit Schulbüchern nicht funktioniert. So kommt es schon mal vor, dass er eine Klasse mit Eiern nach Hause schickt, auf die sie aufpassen sollen. Mit einem Post dazu ging er erst kürzlich viral.
Herr Reff nimmt Hasskommentare nicht hin

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Herr Reff will seinen Schülern beibringen, an sich selbst zu glauben. (Bild: ZDF/Johannes Kramer, Honorarfrei)
Zusätzlich zu seinen Posts geht Reff zweimal in der Woche live, um mit seinen Followerinnen und Followern so direkt, wie es eben geht, zu sprechen. Damit verdient er etwas Geld dazu - viel ist es aber nicht: „Das sind 10, 20 Euro im Monat. Wenn es hochkommt, 30.“
Die Kommentare im Livestream oder unter Reffs Videos seien zu „99,9 Prozent“ positiv, freut er sich. Doch wie die meisten im Internet schreiben auch ihm Leute Hasskommentare. Ignorieren will er diese nicht: „Ich gehe satirisch darauf ein und weise auf die Vorurteile so hin“, erklärt der 42-Jährige. Denn „es ist nicht in Ordnung, respektlos miteinander umzugehen“.
Familiäres Trauma prägte Lehrer Reff

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Der 42-jährige Lehrer Reff ist Bodybuilder. (Bild: ZDF/Johannes Kramer, Honorarfrei)
Wie es ist, keinen Respekt zu bekommen, hat Reff am eigenen Leib erfahren: Als Junge wurde er in der Schule gemobbt. „Ich wurde halt verprügelt, ich wurde gejagt“, erzählt er. Er habe oft zerrissene Kleidung getragen, denn das Geld war meist knapp.
Und auch sonst war sein Familienleben alles andere als einfach: Seine Eltern flohen aus dem Nahen Osten nach Deutschland, wurden jedoch nach einigen Monaten wieder abgeschoben. Dort tötete eine Bombe ihre zwei Söhne und die Mutter fiel in ein Koma.
Schließlich kommen Reffs Eltern zurück nach Deutschland und bekommen drei weitere Kinder. Doch die psychischen Folgen von Flucht, Tod und Krieg bleiben: „Das hat sich wie ein roter Faden, ein negativer Faden, durch unser Leben gezogen. Mein Vater hat immer wieder Probleme gehabt, Aggressionen. Er hat sein Leben aufgegeben, er wollte nicht mehr da sein. Er hat ... seine Söhne sterben sehen“, erinnert sich Reff mit zittriger Stimme. In den Augen des großen Mannes glänzen die Tränen.
„Er war einer der einzigen Lehrer, die mich nie aufgegeben haben“
Wegen seiner eigenen Kindheit hat Reff viel Verständnis für die Kinder und Jugendlichen in seinem Klassenzimmer. Etwa 80 Prozent von ihnen kommen aus Familien, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Zugeben, dass das Geld knapp sei, das sei unangenehm, weiß der 42-Jährige. Deshalb hat er stets ein Froschportemonnaie dabei, aus dem sich alle Geld nehmen können, etwa für ein Mittagessen. Mehr hätte auch noch nie jemand herausgenommen.
Wie wichtig Lehrer wie Reff sind, wird zum Ende der Reportage deutlich: „Er war einer der einzigen Lehrer, die mich nie aufgegeben haben, die immer an meiner Seite standen und mich unterstützt haben, und ich dadurch heute gar nicht mehr so bin“, erinnert sich eine Schülerin der zehnten Klasse, die lange verhaltensauffällig war. „Also, ich benehme mich, meine Noten sind gut“, sagt sie stolz.
„Mich wollten alle aufgeben, außer Herr Reff. Er hat mir dann geholfen, mich aufgenommen und er war eigentlich auch der Einzige, der an mich geglaubt hatte“, erzählt ein Schüler, der einst kurz vor dem Schulverweis stand und bald seinen Abschluss macht. Reff habe ihn nicht nur zum Lernen, sondern auch zum Sport motiviert. „Er hat eigentlich mein Leben gerettet“, ist sich der Junge sicher.
„37°: Ein Lehrer geht viral“ ist am Dienstag, 27. Januar, um 22.15 Uhr im ZDF und bereits jetzt in der Mediathek zu sehen. (tsch)

