Der „Tatort: Das jüngste Geißlein“ mit Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) ist eine clevere, moderne Variante des Grimmschen Märchens „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Was haben die „Tatort“-Macher verändert? Und warum war ausgerechnet dieses Märchen so erfolgreich?
Schwarzwald-„Tatort“Das hat er mit einem der berühmtesten Märchen zu tun

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Im „Tatort: Das jüngste Geißlein“ fasst Eliza (Hanna Heckt), die kaum spricht und alleine in einem einsamen Haus gefunden wurde, Vertrauen zu Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner).
Aktualisiert
Die Geschichte „Der Wolf und die sieben Geißlein“ wurde erstmals 1812 im Buch „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm veröffentlicht. Wie bei fast allen Geschichten, die man den Märchensammlern aus dem hessischen Hanau zuschreibt, handelt es sich um eine mündliche Volksüberlieferung aus dem deutschsprachigen Raum.
Im „Tatort: Das jüngste Geißlein“ spielt Autor und Regisseur Rudi Gaul clever mit der Vorlage und verwandelt sie in einen modernen und dennoch märchenhaften Krimi. Doch wofür steht der Märchen-Plot? Und wussten Sie, dass die Kinderdarstellerin in einem aktuell gefeierten Kinofilm aus Deutschland ebenfalls die Hauptrolle spielt?
Worum ging es?
Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner), der nach den Ereignissen des letzten Falles „Der Reini“ vom Dienst suspendiert wurde, wurde von der Dorfbäckerin gebeten, nach ihrer verschollenen Mitarbeiterin zu schauen. Der private Kriminaler fand im einsamen Schwarzwaldhaus der Exil-Rumänin deren verängstigte Tochter Eliza (Hanna Heckt) - versteckt in einer Wanduhr.
Das Mädchen sprach nicht, Vater und Mutter waren verschwunden, Blutspuren im Haus deuteten auf ein Verbrechen hin. Berg verständigte daraufhin seine Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau), die mit einem Team den vermeintlichen Tatort untersuchte. Die neunjährige Eliza, die in Dauerschleife auf ihrem Walkman das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ hörte, wurde ins Jugendheim gebracht - eng betreut, ja fast schon abgeschottet von ihrer Kinderpsychologin Dr. Kaltenstein (Mina Tander). Was ist im Haus des Mädchens passiert?

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Passend zur Jahreszeit schenkt der „Tatort: Das jüngste Geißlein“ mit Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) eine Schneedecke.
„Der Wolf und die sieben Geißlein“ war ein zentrales Motiv des ersten „Tatort“ des neuen Jahres. Die Geschichte ist eines der erfolgreichsten Märchen der Welt und weit über die Grenzen des deutschen Sprachraumes bekannt.
In der Geschichte ist die Mutter ausgegangen und sieben Kinder sind alleine zu Hause. Natürlich sollen die Geißlein niemandem die Tür öffnen. Ein Wolf versucht es mit verschiedenen Tricks trotzdem. Einmal gibt er sich mit weiß gefärbter Pfote als Mutter aus. Dann frisst er Kreide - daher die Redensart - und nimmt so die höhere Stimme der Mutter an.

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Eliza (Hanna Heckt) führt die Ermittler Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) in ihrem Haus herum.
Schließlich überlistet der (böse) Wolf die Kinder, dringt ins Haus ein und frisst sechs der sieben Geschwister. Nur das jüngste hat ein so gutes Versteck in der Wanduhr gefunden, dass der Wolf es nicht findet. Später kann das jüngste Geißlein der Mutter erzählen, was passiert ist. Was dazu führt, dass alle Geschwister aus dem Bauch des schlafenden Räubers gerettet werden können.
Was hat das Märchen zu bedeuten?
Im Prinzip beantwortet ein Dialog zwischen Kommissarin Tobler und einem Kollegen die Frage im Film selbst. Als Tobler wissen will, ob das Märchen - das vom Kind auf seinem Walkman in Dauerschleife gehört wird - etwas bedeutet, sagt der Kollege: „Märchen bedeuten immer dasselbe: Geh nicht alleine raus. Nicht mit Fremden mitgehen. Nicht vom Weg abkommen. Sonst wirst du vergewaltigt oder totgeschlagen. Oder beides.“
Das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ entstand in einer Zeit, in der Erziehung durch Abschreckung üblich war. Gefahren des Alltags - Betrug, Gewalt, Fremde - wurden damals in symbolischer Form dargestellt. Der Wolf symbolisiert in fast allen Märchen Gefahr, Betrug und Gewalt. Er verkörpert das Böse, aber auch Manipulation und Täuschung. Damals wie heute kann man ihn nicht nur als fremden Erwachsenen mit bösen Absichten deuten, sondern auch als Verführer oder eine gesellschaftliche Bedrohung.
Das Märchen ist nicht nur wegen seiner Drastik und Brutalität einprägsam, es spielt auch mit der Faszination des Bösen, die man so ähnlich in der heutigen True-Crime-Begeisterung wiederfindet.
Wer ist die kindliche Hauptdarstellerin?
Die zehnjährige Hanna Heckt aus Hamburg verkörpert im „Tatort“ das anfangs stumme, traumatisierte Mädchen Eliza. Sie spielt die tragende Rolle beeindruckend authentisch und mit viel Ausstrahlung. Man sieht eine der wohl begabtesten deutschen Kinderdarstellerin der letzten Jahre.

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Eliza, die neunjährige Hauptfigur dieses Krimis, hört besonders gern das Hörspiel „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Sie stellt sich vor, selbst die jüngste von sieben Schwestern zu sein, die allesamt ihre Traumwelt bevölkern.
Hanna Heckts Talent ist bereits vor dem „Tatort“ anderen aufgefallen. Beim deutschen Oscar-Kandidaten „In die Sonne schauen“, einem ungewöhnlichen Kunstfilm über das psychologische „Erbe“ eines Hofes für mehrere Generationen Menschen, ziert Hanna Heckt nicht nur das Kinoplakat, sie spielt auch die kindliche Hauptfigur des Ensemblefilms.
Offenbar hat Regisseurin Mascha Schilinski ein Händchen für herausragende Kinderdarstellerinnen, denn in ihrem ersten Langfilm „Die Tochter“ arbeitete sie 2017 mit „Systemsprenger“-Schauspielerin Helena Zengel zusammen. Hanna Heckt könnte in ihren Jugendjahren eine ähnliche, vielleicht sogar internationale Karriere machen.
Wie geht es beim „Tatort“ aus dem Schwarzwald weiter?
Zwei weitere Schwarzwald-Folgen sind abgedreht, für die aber noch kein Ausstrahlungsdatum feststeht. Der „Tatort: Innere Angelegenheiten“ stammt wie zuletzt „Der Reini“ aus der Feder von Bernd Lange und entstand ab April 2025 unter der Regie von Robert Thalheim: Nach einem Totschlag im Nebenraum eines Clubs wird der mutmaßliche Täter verhaftet und von Berg im Präsidium verhört. Gleichzeitig hält Tobler im Club die Rockergang des Opfers in Schach, die nur zu gern auf die Freunde des Täters losgehen würde, und sammelt Indizien für den Tathergang.
Im Sommer 2025 entstand dann noch „Engelsgesichter“ unter der Regie von „Tatort“-Debütantin Marijana Verhoef. Tobler und Berg bekommen es darin mit Family-Influencern zu tun: Eine ermordete Frau hatte den Ehrgeiz gehabt, als Single-Mutter zweier Kinder mit ihrem eigenen Kanal erfolgreich zu sein und ihre Kinder dabei einzubeziehen. Teile der Familie litten aber offenbar unter der medialen Öffentlichkeit. Dieser Fall wird aber erst 2027 laufen. (tsch)
