Gorillaz, Clueso und Pop-Superstar Bruno Mars, der mit „The Romantic“ sein erstes neues Album seit zehn Jahren veröffentlicht - und was für eins! Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.
Bruno Mars ist „Der Romantiker“Das sind die Musik-Highlights der Woche

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Bruno Mars erfindet den Schmusepop mit „The Romantic“ nicht neu, aber so sexy wie der Hawaiianer spielte ihn in den letzten Jahren kein anderer Mainstream-Künstler. (Bild: Getty Images/Frazer Harrison)
Hits hatte Bruno Mars in den letzten Jahren viele, 2024 etwa den Ohrwurm „Apt“, der in Zusammenarbeit mit der südkoreanischen K-Pop-Sängerin Rosé entstand und weltweit die Charts eroberte. Auf ein vollwertiges Album musste das Publikum zuletzt aber lange warten: Ganze zehn Jahre nach „24K Magic“ (2016) präsentiert Mars nun mit „The Romantic“ endlich einen Nachfolger. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von den Gorillaz und Clueso.
Bruno Mars - The Romantic

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Nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören: Mit „The Mountain“ unternehmen die Gorillaz eine Reise tief hinein in die indische Kultur. (Bild: Jamie Hewlett/Kong)
„Wer auch immer behauptet, Gott habe keine Lieblinge, hat dich noch nicht gesehen / Hallelujah, hallelujah, hallelujah ...“ - Das ist wieder so eine Songzeile bei Bruno Mars (im neuen Song „God Was Showing Off“), da hilft bei vielen Frauen wohl wirklich nur noch der Rosenkranz gegen das endgültige Dahinschmelzen. Und wer hat heute schon noch einen Rosenkranz? Eben. Bruno Mars, der große Charmeur: Auf seinem neuen Album mit dem ikonischen Titel „The Romantic“ (“Der Romantiker“) spielt er diese Rolle umwerfender und unwiderstehlicher als je zuvor.
Dass Bruno Mars derzeit von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ist, demonstrierte er schon eindrucksvoll bei der Grammy-Verleihung im Januar. Der gebürtige Hawaiianer, selbst 16-facher Grammy-Gewinner, performte im edel bestickten rosenroten Dress vor einem gigantischen Herz und sang den Titel „I Just Might“, in dem er eine „pretty little lady“ zu seinem „baby“ machen möchte. So ungefähr geht das auch auf allen anderen Songs von „The Romantic“ - eine Platte von nur 30 Minuten Spielzeit, die aber definitiv für mehrere Durchgänge hintereinander gut ist.
Der begnadete Sänger und Songschreiber Bruno Mars präsentiert mit seinem vierten Langspieler wieder mal einen sehr analogen Sound, der sich bewusst abgrenzt vom synthetischen Hyperpop anderer gegenwärtiger Chartstürmer. Statt modernen Effekten hört man viele Bläser und starke 70er-Vibes im gewohnten musikalischen Spektrum zwischen R'n'B, Soul und Funk. Mars erfindet den Schmusepop mit „The Romantic“ sicher nicht neu. Aber, hallelujah, hallelujah, hallelujah, so sexy wie er spielte ihn in den letzten 30 oder vielleicht sogar noch mehr Jahren kein anderer Mainstream-Musiker.
Gorillaz - The Mountain

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Clueso präsentiert mit „Deja Vu 1/2“ die erste Hälfte einer zweiteiligen Werkreihe. (Bild: Christoph Köstlin)
Hoch oben auf einem Berg stehen, das verbinden fast alle Kulturen auf der Welt mit großartigen Dingen, egal wie sehr sie sich ansonsten unterscheiden: Erkenntnis, Überwindung, Klarheit, Weitblick, Nähe zu Gott oder, je nachdem, zu den Göttern. Insofern hätten die Gorillaz, die Musik seit jeher auch als Gemeinschaftsarbeit verstehen, kaum ein schöneres Motiv für ihr neues Album finden können. Auf dem Cover sieht man die Avatare der fiktiven Band hoch oben über den Wolken auf dem Gipfel eines Berges stehen. Der Titel der Liedersammlung lautet ebenso schlicht wie monumental „The Mountain“.
„Dies ist eine musikalische Meditation, durchdrungen von Licht. Eine Reise der Seele, mit Beats“: So beschreiben die Gorillaz selbst das, was das Publikum auf dem inzwischen neunten Album zu hören bekommt. Der Tod spielt inhaltlich eine große Rolle in den neuen Liedern von Gorillaz-Mastermind Damon Albarn, allerdings ist „The Mountain“ nie düster, trist oder irgendwie melancholisch. In „The Sweet Prince“ beispielsweise ist auch gar nicht konkret vom „Tod“ die Rede, sondern von einem „Pfad in das nächste Leben“. Die Sitar, passend dazu, ist das Lieblingsinstrument auf dem Album, das immer wieder mit Elementen der indischen Musik spielt. Aufgenommen wurden die Songs unter anderem in London, New York, Los Angeles, Damaskus, Mumbai und Neu-Delhi, neben vielen Gastmusikern aus aller Welt sind aus dem Nirvana auch die Stimmen von Dennis Hopper, Bobby Womack, Tony Allen und Mark E. Smith zu hören.
Clueso - Deja Vu 1/2
„Nicht mehr und nicht weniger als die Essenz von Clueso“ soll es sein. Weil der Sänger und Songwriter aus Erfurt schon seit drei Jahrzehnten im Musikgeschäft mitmischt und weil er zwischen Rap und Indie-Rock schon so viel ausprobiert hat, reicht eine Platte allein dafür auch nicht aus. Eine „Essenz“ nach neun vorangegangenen Studioalben (zuletzt „Album“, 2021), aber kein Best-of: „Deja Vu 1/2“ enthält 14 neue Songs und bildet den ersten Teil einer zweiteiligen Werkreihe.
Die entscheidende Eingebung zu „Deja Vu“ sei Clueso 2024 bei einem denkwürdigen Konzert vor 22.000 Fans auf der Berliner Waldbühne gekommen. In der Vergangenheit habe er sich oft Gedanken darüber gemacht, welche Musik zu ihm passe und welche nicht. „Aber an diesem Tag in Berlin habe ich geschnallt: Ich brauche mir gar keinen Stress zu machen, ich lasse jetzt einfach mal los und schreibe, was gerade in mir ist.“
Clueso arbeitete und feilte eineinhalb Jahre lang an den Liedern auf „Deja Vu“, ehe er sich in Hamburg an die Aufnahmen machte. Da sind romantische Songs (“Kissenmeer“), Songs die nach Wahrheit suchen (“Gib mir was Echtes“), ein Song über Depressionen (“Dieses Leben“), viele Songs mit Gitarre, ein Song für Cluesos Mutter (“Minimum“) und einer für den Vater (“Ballon“) - das alles allein schon auf der ersten Hälfte dieser Doppelproduktion. Wann die Fans mit „Deja Vu 2/2“ rechnen dürfen, ist noch nicht bekannt. Aber vielleicht hören sie ja schon ein bisschen davon auf der neuen Tour, die Mitte März startet. (tsch)

