„Primate“, „Send Help“ und „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, die zweite Verfilmung eines autobiografischen Romans von Joachim Meyerhoff: Das sind die Kino-Neustarts am 29. Januar.
Beurteile einen Film nie nach seinem TitelDas sind die Kino-Highlights der Woche

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Senta Berger, Bruno Alexander (Mitte) und Michael Wittenborn spielen die Hauptrollen in „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. (Bild: Warner Bros. Entertainment GmbH)
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“: Für Marketingmenschen, die es gerne prägnant, griffig und knackig haben, damit alle sofort verstehen, worum es geht, muss so ein Filmtitel ein Albtraum sein. Zwei Kommas stecken da drin, das alleine ist ja eigentlich schon völlig irre. Was aber Hoffnung machen sollte: Vor dem prominent besetzten Film gab es ja auch schon ein Buch, das so hieß - und das war, auch mit diesem unkonventionellen Titel (aus Goethes „Werther“ entlehnt), ein ziemlicher Erfolg.

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Der junge Joachim (Bruno Alexander, mit Karoline Herfurth) ist an der Schauspielschule zuweilen völlig überfordert. (Bild: 2025 Komplizen Film GmbH/Doll Filmproduktion GmbH/Warner Bros. Entertainment GmbH)
Außerdem neu in dieser Woche: Im Horrorfilm „Primate“ wird ein anfangs total knuffiger Haustier-Schimpanse zum Monster, und „Send Help“ handelt von einem Ekel-Chef und seiner drangsalierten Angestellten, die sich plötzlich alleine auf einer einsamen Insel wiederfinden.
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

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Zu Beginn des Films wirkt er noch ganz „süß“, doch im Verlauf des Horrorfilms „Primate“ wird der Affe Ben zum blutrünstigen Monster. (Bild: 2026 Paramount Pictures/Des Willie)
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, so hieß 2015 der dritte Teil der autobiografischen Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ von Joachim Meyerhoff - mehrfach ausgezeichneter Schauspieler, Regisseur und Autor aus Homburg. Dass seine literarischen Werke auch sehr gut als Filmstoff taugen, wurde bereits vor drei Jahren bewiesen, als Sonja Heiss den Meyerhoff-Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ (2013, auch wieder so ein sehr spezieller Titel) verfilmte. Nun also die Geschichte von dieser „entsetzlichen Lücke“, basierend auf dem direkten Nachfolger zu Meyerhoffs „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“.
Die erste Meyerhoff-Verfilmung erzählte unter anderem davon, wie der junge Joachim mit seiner Familie im Umfeld einer Psychiatrie aufwuchs. Es ging, mal komisch und mal überaus tragisch, um die erste große Liebe, einen Umzug nach Amerika und schwere Schicksalsschläge. In „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist Joachim (Bruno Alexander, „Die Discounter“) in seinen 20-ern angekommen. Sein Lebensweg führt ihn nach München zu einer renommierten Schauspielschule. Und zu seinen skurrilen Großeltern, bei denen Joachim während der Studienzeit vorübergehend unterkommt.

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Für Lucy (Johnny Sequoyah) ist der Schimpanse Ben so etwas wie ein Familienmitglied. Aber in Familien passieren ja manchmal die schlimmsten Tragödien ... (Bild: 2026 Paramount Pictures/Des Willie)
Produziert wurde „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ wie schon die letzte Meyerhoff-Adaption von Janine Jackowski, Jonas Dornbach und Maren Ade (“Toni Erdmann“). Regie führte Simon Verhoeven (“Männerherzen“), der selbst das Drehbuch entwickelte und seine Mutter Senta Berger für die Rolle von Joachims Oma Inge Birkmann besetzte. Es ist Bergers erste Filmrolle seit dem Tod ihres Mannes Michael Verhoeven, dem Vater von Simon Verhoeven, im Jahr 2024. Den Großvater von Joachim Meyerhoff, Hermann Krings, verkörpert im neuen Kinofilm Michael Wittenborn. Zum Cast gehören darüber hinaus auch wieder Laura Tonke und Devid Striesow sowie Tom Schilling, Friedrich von Thun und Karoline Herfurth.
Primate
Es sind nur geringfügige Abweichungen in der DNS, die sie und uns trennen. Aber Affen und Menschen, das weiß jedes Kind, sind trotzdem nicht dafür gemacht, zusammenzuleben. In der realen Welt kam es dort, wo Menschen ihre Wohnung doch mit Primaten teilen, schon oft zu grauenhaften Zwischenfällen - einige davon wurden zuletzt sehr eindrücklich in der HBO-Dokuserie „Chimp Crazy“ nacherzählt. Das Kino fantasierte auch schon mehrfach davon, wie die Sache schiefgehen kann, recht prominent etwa 1986 in „Link - Der Butler“. Mit „Primate“ kommt jetzt wieder einmal echter Affen-Terror auf die Leinwand.
Ein paar junge Studentinnen verbringen die Ferien vor tropischer Traumkulisse, dann holt Gastgeberin Lucy (Johnny Sequoyah) Ben ins Zimmer. Ihre Freundinnen sind sofort ganz hin und weg von Ben. „Der ist echt süß!“ Nicht irgendein schnuckeliger Boy, sondern ein Schimpanse, der T-Shirt trägt und über ein Tablet kommunizieren kann. Lucy erzählt, ihre Mutter habe Ben einst das Leben gerettet, seitdem gehöre der Affe zur Familie.
Familie - da ereignen sich manchmal ja die schlimmsten Tragödien. So auch in „Primate“, einem neuen US-amerikanischen Tierhorrorfilm mit schönen jungen Menschen, die ein durchgedrehter Haustier-Affe bald einen nach dem anderen böse durch die Mangel dreht. Es ist ein scheinbar übermächtiger Gegner, viel kräftiger als jeder noch so starke Mensch und verdammt clever. Inszeniert wurde „Primate“ von Johannes Roberts, der zusammen mit Ernest Riera auch das Drehbuch schrieb.
Send Help
Dem Chef oder der Chefin einmal richtig die Meinung sagen, auf Augenhöhe, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen - dieser kleine Tagtraum überkam sicher schon viele Menschen. Viele davon würden es wahrscheinlich nicht zugeben. Müssen sie auch nicht. Stattdessen können sie jetzt ins Kino gehen und in „Send Help“ genüsslich einer Frau zusehen, die ihrem Boss wirklich mal ganz neu begegnet. Sie kann tun und sagen, was sie will, und wenn er droht sie zu „feuern“, hat das keinerlei echte Bedeutung.
„Sie sind klug. Ich weiß, Sie können gut mit Zahlen umgehen. Aber Ihnen fehlt das gewisse Etwas.“ - So wird der Büroangestellten Linda (Rachel McAdams) von ihrem herablassenden, empathielosen und überhaupt sehr unsympathischen Chef Bradley (Dylan O'Brien) erklärt, dass und warum sie nie Karriere machen wird. Linda hasst es, für Bradley zu arbeiten. Doch ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihren Frust und ihren Ärger hinunterzuschlucken. Das Machtgefälle zwischen den beiden Hauptfiguren dieser Geschichte ist extrem. Und dann versetzt Regisseur Sam Raimi (Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift) sie in eine Situation, in der alles radikal auf null gesetzt wird.
Bradley und Linda sind mit einer größeren Büromenschen-Entourage auf Geschäftsreise hoch oben in der Luft, dann stürzt das Flugzeug ab. Linda und Bradley landen auf einer einsamen Insel - nur die beiden, niemand sonst. Wie überleben sie zumindest die erste Nacht? Wie kommen sie an Essen und Trinkwasser? Wie kommen sie hier wieder weg? So startet ein knallharter Survival-Thriller, in dem Weisungsbefugnisse und bestehende Hierarchien von einer Sekunde auf die andere komplett ausgehebelt werden. Oder, wie Linda es formuliert, als sie sich nach einer Weile mit dreckverschmiertem Gesicht und selbstgebauter Harpune in der Hand über ihren einstigen Vorgesetzten beugt: „Wir sind nicht mehr im Büro, Bradley ...“ (tsch)

