Ukraine-Lage Olaf Scholz zieht Weltkriegs-Vergleich – Historiker widerspricht ihm sehr deutlich

Bundeskanzler Olaf Scholz, hier am 19. Mai 2022 beim Besuch in Den Haag, hat den Ukraine-Kurs der Bundesrepublik verteidigt.

Bundeskanzler Olaf Scholz, hier am 19. Mai 2022 beim Besuch in Den Haag, hat den Ukraine-Kurs der Bundesrepublik verteidigt.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat seinen Kurs beim Umgang mit dem Krieg in der Ukraine mit einem Vergleich zum Ersten Weltkrieg begründet.

Für seinen zögerlich erscheinenden Umgang mit dem Krieg in der Ukraine wird Bundeskanzler Olaf Scholz immer wieder kritisiert. Auf einer Sitzung des Koalitionsausschusses Ende April soll er seinen Kurs  mit einem Vergleich zum Ersten Weltkrieg begründet haben.

Er werde nicht der Kanzler sein, der Deutschland versehentlich in den Krieg rutschen lasse, soll Scholz in der Sitzung gesagt haben. „Ich bin nicht Kaiser Wilhelm“, sagte er demnach. Das berichtet der „Spiegel“ am Freitag (20. Mai). Das Zitat wurde dpa aus Koalitionskreisen bestätigt.

Olaf Scholz wurde in den vergangenen Wochen immer wieder Zögern bei der Unterstützung der Ukraine vorgeworfen – etwa bei der Frage nach der Lieferung schwerer Waffen.

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Ukraine: Olaf Scholz zieht Vergleich zum Ersten Weltkrieg

Der australische Historiker Christopher Clark sieht im Ukraine-Krieg keine Parallelen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. „Ich sehe da keine starke Analogie, ganz im Gegenteil“, sagte Clark der Deutschen Presse-Agentur.

Vor dem Angriff Russlands Ende Februar habe es Parallelen gegeben. „Das Katz-und-Maus-Spiel um die Mobilisierung der Truppen hat mich stark an den Winter von 1911/12 erinnert, als es entlang der Grenze zwischen Österreich-Ungarn und dem Russischen Reich immer wieder zu Mobilisierungen und Gegenmobilisierungen kam“, sagte Clark. Allerdings gebe es wichtige Unterschiede – etwa, dass Europa damals binär in zwei große Bündnisse gespalten war. Im Ukraine-Krieg hingegen sei Russland „ziemlich isoliert“.

Clark hatte im Jahr 2012 seine berühmte Studie „Die Schlafwandler“ veröffentlicht, in der er beschreibt, wie die europäischen Großmächte 1914 in den Ersten Weltkrieg schlitterten. (dpa)

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