Spanien: Kirche muss für Missbrauch zahlen – auch für verjährte Fälle!
„Die Kirche wird zahlen“Abkommen für Missbrauchsopfer auch bei verjährten Fällen

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Die Regierung in Madrid spricht von einem «weltweit wegweisenden» Abkommen.
Ein Durchbruch für die Opfer in Spanien! Nach einem langen Ringen haben sich Regierung und katholische Kirche geeinigt: Betroffene von Missbrauch sollen endlich entschädigt werden, selbst wenn die Taten juristisch längst verjährt sind.
Justizminister Félix Bolaños nannte die Vereinbarung nach der Unterzeichnung ein «weltweit wegweisendes Modell». Für ihn sei dies ein «Tag der Gerechtigkeit für die Opfer». Wie die dpa berichtet, machte der Minister der linken Regierung unmissverständlich klar: Der Staat werde bei den Anträgen «das letzte Wort haben» und die Kirche «wird zahlen».
Staat entscheidet, Kirche zahlt
Das beschlossene Prozedere zielt hauptsächlich auf Geschädigte ab, deren Fälle juristisch nicht mehr verfolgbar sind – beispielsweise aufgrund von Verjährung oder weil die Täter verstorben sind. Nach offiziellen Informationen betrifft dies die Mehrheit der Betroffenen. Ab dem 15. April ist es den Opfern möglich, ihre Gesuche beim Justizministerium einzureichen.
Der Ablauf ist zweistufig geplant: Zunächst begutachtet eine unabhängige Kommission beim Ombudsmann die Gesuche und unterbreitet einen Vorschlag zur Entschädigung. Eine Kommission der Kirche kann hierzu eine Stellungnahme abgeben, doch die letzte Entscheidung obliegt dem Ombudsmann. Die Kirche hat die Zahlungen dann komplett zu tragen. Der Prozess soll laut Ombudsmann Ángel Gabilondo höchstens drei Monate in Anspruch nehmen.
Schock-Zahlen: Geht es um Hunderttausende?
Bezüglich der Höhe der Zahlungen enthält die Übereinkunft keine spezifischen Festlegungen. Weder Minimal- noch Maximalsummen sind bestimmt worden. Bolaños sah hierin einen Pluspunkt, weil jeder Fall individuell und «mit der nötigen Tiefe» begutachtet werde, wodurch bei besonders gravierenden Fällen keine Obergrenze existiert. Die Höhe richtet sich nach «objektiven» Kriterien, darunter das Ausmaß des Schadens, eventuelle Wiederholungen der Taten und das Alter der geschädigten Personen.
Außer finanziellen Leistungen sind ebenfalls symbolische Arten der Genugtuung geplant, wie Luis Argüello, der Vorsitzende von Spaniens Bischofskonferenz, mitteilte. Hierzu gehören etwa die formelle Anerkennung als Opfer und Dialogangebote mit Repräsentanten der Kirche.
Doch wie viele Opfer gibt es wirklich? Die Zahlen klaffen dramatisch auseinander. Laut neuesten Informationen von Spaniens Bischofskonferenz sind seit 1940 über 1.000 Fälle von Missbrauch erfasst worden. Demgegenüber stehen signifikant höhere Schätzungen aus unabhängigen Studien: Ein Report des spanischen Ombudsmanns, der im Herbst 2023 veröffentlicht wurde, legte auf Basis einer repräsentativen Umfrage nahe, dass mindestens 236.000 und potenziell sogar mehr Menschen betroffen sind. (red)
Diese Übereinkunft ist ein Hoffnungsschimmer für unzählige Menschen, deren Leid viel zu lange ignoriert wurde, und gilt als historischer Schritt im Kampf um Gerechtigkeit.
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