Hinrichtungen auf der Schlachtbank Russlands menschenverachtender Umgang mit den eigenen Soldaten

Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlichte Foto zeigt einen russische Soldaten, der an einem Kampftraining auf einem belarussischen Schießplatz teilnimmt.

Russische Soldaten trainieren am 12. November 2022 in Belarus für ihren Einsatz im Krieg gegen die Ukraine.

Hinrichtungen für Kreml-Kritiker, frisch mobilisierte Soldaten als Kanonenfutter. Die russische Armee ist nicht nur grausam zum Kriegsgegner und den Zivilisten, sondern auch zu den eigenen Soldaten.

Die Bilder lassen einem das Blut in den Adern gefrieren: Die berüchtigte Wagner-Gruppe, bereits in Syrien und anderen Konflikten für ihre Gräueltaten bekannt und nun in der Ukraine aktiv, veröffentlichten in dieser Woche ein Video. Darin zu sehen: Die Hinrichtung von Yevgeniy Nuzhin – nach alter Wagner-Tradition mit einem Vorschlaghammer!

Der Söldner hatte in der Ukraine gekämpft, wurde gefangen genommen und soll sich dann gegen Putin gewendet haben. Nachdem er in einem Gefangenenaustausch nach Russland zurückkehrte, wurde er als Deserteur gebrandmarkt, auf brutale Weise ermordet – und das Video auch noch als abschreckendstes Beispiel veröffentlicht.

Das Thema schreckte angeblich selbst Putin auf. Er ließ den Chef des Untersuchungsausschusses Alexander Bastrykin beim steinreichen Wagner-Chef Yevgeny Prigozhin anrufen.  

Aber nicht die Hinrichtung war offenbar das Problem – sondern lediglich, dass das Video öffentlich wurde und damit der politische Druck wächst. 

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Es ist der düstere Höhepunkt der Nachrichten über die Gräueltaten der russischen Armee. Nicht nur gegenüber den ukrainischen Soldaten – von beiden Seiten gibt es Berichte über Folterungen von Gefangenen – sondern auch gegen die eigenen Soldaten.

Während die Wagner-Truppen noch gut versorgt sind, sind nämlich die mobilisierten Truppen nicht viel mehr als Kanonenfutter – und den Befehlshabern scheint es gleich.

Soldaten als menschliche Mauer gegen ukrainische Panzer

Sie erhalten kaum Training, schlechte Ausrüstung, keine wintergerechte Kleidung. Dann werden sie an die Front geschickt und bekommen den Auftrag, im ukrainischen Artilleriefeuer die Stellung zu halten. Wer zurückweicht, dem droht der Tod.

Sie würden als eine Art menschlicher Wall gegen die ukrainischen Angriffslinien gebraucht, wer fällt, wird durch ähnlich schlecht ausgebildete Soldaten ersetzt, um den Vormarsch der Befreier zu stoppen, behaupten ukrainische Panzerfahrer auf der Gegenseite.

Nach unabhängigen russischen Medienberichten des Astra Kollektivs werden allein in Zaitseva nahe der Front im Norden von Luhansk 300 Soldaten gefangengehalten, die sich weigern, an die Front zurückzukehren. Es gebe kaum Essen. Das illegale Gefängnis soll beispielhaft für andere entlang der Frontlinie sein.

Sambia fordert Aufklärung nach Tod eines Studenten

Aber der Tod kommt auch im Gefecht. Und das führt inzwischen sogar zu diplomatischen Verwicklungen. Denn im September starb Lemekhani Nathan, ein 23-jähriger Atomphysik-Student aus Sambia an der ukrainischen Front.

Dabei sollte Nathan eigentlich im Gefängnis sitzen, er verbüßte eine neunjährige Haftstrafe. Nun fragte die sambische Regierung offiziell Russland, wie es sein könnte, dass ihr Staatsbürger, der eigentlich in Haft sein müsste, plötzlich als Soldat an der Front stirbt. Besonders tragisch: Nathans Eltern hatten keine Ahnung, in welcher Gefahr ihr Sohn schwebte und bekamen plötzlich die Todesnachricht.

Derweil tauchen immer mehr Videos auf, in denen sich einfache Soldaten gegen ihre Oberbefehlshaber wenden. Es gibt Amokläufe in Kasernen, es gibt Schießereien unter russischen Einheiten. Und mit jeder militärischen Niederlage steigt die Frustration und damit die Gefahr auch für die Führung in Moskau. Noch können sie mit Brutalität die Kontrolle behalten. Aber es ist fraglich, wie lange das noch gut geht. Putins Schergen drohen die Dinge zu entgleiten.

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