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„Medikamenten-Missbrauch Tür und Tor geöffnet“ Apotheken laufen gegen „Flohmarkt“-Pläne Sturm

Thomas Preis, Chef des Apotheker Verbandes Köln und Nordrhein am 6. Dezember 2021.

Der Kölner Apotheker-Verbandspräsident Thomas Preis, hier am 6. Dezember 2021, kritisiert die Flohmarkt-Pläne der Bundesärzte-Kammer.

Flohmärkte zum Medikamenten-Tausch? Der Idee aus der Bundesärztekammer erteilen die Apotheker eine klare Absage. Nordrhein-Verbandschef Thomas Preis aus Köln wird deutlich.

Notstand in den Apotheken der Republik. Eine dreistellige Anzahl von Medikamenten sind kaum noch oder gar nicht mehr lieferbar. Die Situation, gerade was Fiebersenker und Antibiotikasäfte für Kinder sowie Magenmittel für Erwachsene angeht, ist dramatisch.

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt hatte Medikamenten-Flohmärkte in der Nachbarschaft vorgeschlagen. „Es gilt jetzt, eine Notsituation zu überstehen.“ Doch gegen diesen Vorschlag laufen die Apothekerinnen und Apotheker nun Sturm.

Apotheken fürchten Medikamenten-Missbrauch

„Von dieser Idee halten wir gar nichts“, sagt der Vorsitzende des Kölner Apothekerverbandes, Thomas Preis. „Schon jetzt sind viele Krankenhaus-Einlieferungen Folge einer unsachgemäßen Medikamenten-Einnahme. Dem Missbrauch und auch dem Schwarzmarkt wären mit solchen Flohmärkten Tür und Tor geöffnet. Medikamentenhandel gehört in die Apotheke und nicht auf die Straße. Die Ärzte praktizieren ja auch nicht mehr auf dem Jahrmarkt.“

Auch Ablaufdaten bei Medikamenten hätten einen Grund, sie darüber hinaus zu verwenden, sei nicht ungefährlich, so Preis.

„Die Beratung, gerade in so schwierigen Situationen, gehört in die Apotheke. Die Apotheken müssen jetzt viel Zeit dafür einsetzen, dass aus Lieferproblemen keine Versorgungsprobleme für die Patienten werden. Zeit, die wir ohne zusätzliche Honorierung aufbringen müssen“, sagt Preis und verweist auf die bei den Apothekerinnen und Apothekern hohen Krankenstände.

Fiebersaft-Anbieter fuhren Produktion herunter

Gründe für die prekäre Situation gäbe es einige, so Preis. „Sicher haben die Anbieter nach zwei infektarmen Jahren die Produktion runtergefahren und sich auf profitablere Medikamente konzentriert. Zudem erleben wir eine Infektwelle in einer nie gekannten Größenordnung. Schon jetzt haben wir mehr Erkältungsmedikamente verkauft als in den schlimmsten Grippejahren – und das Jahr hat ja noch zwei Wochen. Zudem ist der Winter noch lang.“

Ein weiterer Grund sei die Verlagerung von Produktionskapazitäten. Preis: „Früher war Deutschland die Apotheke der Welt, heute ist es China. Das zurück nach Europa zu verlagern, wird Jahrzehnte dauern.“

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Das birgt zudem noch ein weiteres Problem: Die Corona-Welle läuft nach dem Zurückfahren der Maßnahmen in China erst an, die Nachfrage nach Medizin dort wird steigen. Preis fürchtet dadurch zusätzliche Engpässe: „Am Ende leiden darunter andere – wie wir Europäer.“

Um die akute Notlage schnellstmöglich abzufedern, appelliert Preis an die Verantwortung des Staates. „Wie bei der Corona-Impfung ist die Politik gefordert: Der Staat sollte die Medikamente beschaffen und verteilen, mit einer Abnahmegarantie wie bei der Impfung für Sicherheit bei den Unternehmern sorgen“, fordert der Verbandschef.

Nur so seien die Probleme mittelfristig lösbar. Und das sei dringend nötig: „Ich rechne damit, dass das nicht der letzte Winter mit vielen Infektionen war. Das wird noch ein paar Jahre so weitergehen.“

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