Panzer für die Ukraine?Bittere Ansage von Rheinmetall: „Lieferung 2023 gar nicht möglich“

Niedersachsens damaliger Wirtschaftsminister Bernd Althusmann zusammen mit dem Rheinenergie-Chef Armin Papperger bei einer Führung durch das Werk Unterlüß (Archivbild von Juli 2022), wo die 120-mm-Glattrohrkanonen des Kampfpanzers Leopard 2 zu sehen sind.

Niedersachsens damaliger Wirtschaftsminister Bernd Althusmann zusammen mit dem Rheinmetall-Chef Armin Papperger bei einer Führung durch das Werk Unterlüß (Archivbild von Juli 2022), wo die 120-mm-Glattrohrkanonen des Kampfpanzers Leopard 2 zu sehen sind. 

Zuletzt hat der ukrainische Botschafter noch einmal hervorgehoben, wie wichtig deutsche Panzer für das kriegsgebeutelte Land sind. Doch nun hat der Rheinmetall-Chef einen bitteren Hinweis veröffentlicht: Die Panzer wären gar nicht direkt lieferbar.

Großbritannien hat die Lieferung von Kampfpanzern in die Ukraine beschlossen – es wären die ersten Kampfpanzer aus dem Westen, die im Krieg gegen Russland zum Einsatz kommen. Polen und Finnland wollen nachziehen, der Druck auf Deutschland und Scholz wächst damit immer weiter. 

Spätestens am kommenden Freitag wird mit einer Entscheidung gerechnet, da kommen die Verteidigungsministerien der Verbündeten im Ramstein-Format zusammen, um über Waffen für den Krieg zu beraten. Gut möglich, dass anschließend Deutschland zusammen mit den USA die Lieferung von Kampfpanzern ankündigt, so wie sie es mit den Schützenpanzern getan haben. 

Leopard 2: Lieferung 2023 wäre gar nicht möglich

Doch am Sonntag (15. Januar 2023) gab es zunächst eine ernüchternde Feststellung von Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Der erklärte gegenüber „Bild“, dass 2023 gar keine Leopard-Panzer geliefert werden könnten. 

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Das Unternehmen, das bislang Marder-Schützenpanzer instand gesetzt und für den Ringtausch nach Griechenland geschickt hat (Athen schickt dafür sowjetische Schützenpanzer in die Ukraine), müsse auch die Leopard-Panzer erst einsatzbereit machen. 

„Vom Leopard 2 verfügen wir noch über 22 Fahrzeuge, die wir einsatzbereit machen und an die Ukraine liefern könnten. Vom Leopard 1 haben wir noch rund 88 Fahrzeuge“, erklärt Papperger. Doch diese könnten nicht ohne Auftrag instandgesetzt werden, da die Kosten zu hoch seien, um das vorzufinanzieren: mehrere Hundert Millionen Euro. 

Kampfpanzer für die Ukraine: Instandsetzung würde ein Jahr dauern

Und selbst wenn nun eine schnelle Entscheidung fallen würde, Leopard-Panzer an die Ukraine zu liefern, würde es ein knappes Jahr dauern, bis die ersten überhaupt einsatzbereit wären. Die Fahr­zeuge würden nicht nur neu ­lackiert werden müssen, sondern auch für den Kriegseinsatz umgebaut, so Papperger.

„Sie werden komplett auseinandergenommen und dann wieder neu aufgebaut. Das heißt: Selbst wenn morgen die Entscheidung fällt, dass wir unsere Leopard-Panzer nach Kyjiw schicken dürfen, dauert die Lieferung bis Anfang nächsten Jahres.“

Dabei sind es gerade die Kampfpanzer, die einen Unterschied in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine machen könnte: Sie seien für Offensiven und die Rückeroberung von Gebieten enorm wichtig, erklärt  der Rheinmetall-Chef. „Mit Kampfpanzern kann eine Armee die feindlichen Linien durch­brechen und einen längeren Stellungskrieg beenden. Mit dem Leopard können die ­Soldaten zig Kilometer am Stück vorrücken.“

Jedoch lässt der Auftrag wohl noch auf sich warten. Währenddessen steigt der Druck auf die Bundesregierung: Nicht nur Großbritannien will Kampfpanzer liefern, auch Polen hat sich bereit erklärt, zusammen mit einer Koalition Leopard 2-Panzer liefern zu wollen.

Deutschland spielt hier eine enorme Rolle, weil die Panzer hier entwickelt werden: Die Regierung muss die Weitergabe an Dritte in der Regel genehmigen. (mg)