Israels Armee kündigt an, den Einsatz von Bodentruppen im Süden des Libanons noch weiter zu verstärken. Der Staat steht vor einer brutalen Entscheidung, so heißt es in einer US-Analyse.
Krieg in Nahost spitzt sich zuEs gibt keinen Ausweg: Staat steht vor brutaler Entscheidung
Aktualisiert
An Israels Nordgrenze sind Dutzende Kampfpanzer, Minenräumfahrzeuge, Infanterietruppen von mindestens zwei Divisionen zusammengezogen. Ein israelischer Militärsprecher hat angekündigt, den Einsatz von Bodentruppen im Süden des Libanon auszuweiten. Die Armee mobilisiere weitere Reservisten, sagte Sprecher Effie Defrin. Gegenwärtig seien bereits mehr als 100.000 Reservesoldaten an allen Fronten im Einsatz.
Nach Vereinbarung einer Waffenruhe nach einem einjährigen Krieg mit der libanesischen Hisbollah-Miliz im November 2024 hatte die israelische Armee sich zunächst zurückgezogen. In fünf Posten im Südlibanon blieben jedoch weiterhin Truppen stationiert. Nach Beginn der Raketenangriffe der Hisbollah nach Beginn des Iran-Kriegs habe Israel weitere 15 Positionen im Südlibanon eingenommen, sagte Defrin.
„Libanon steht vor brutaler Entscheidung“
„Wir haben im Norden die Truppen verstärkt und werden den Einsatz in den kommenden Tagen vertiefen“, sagte er. Israels Armee hatte eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen bereits „begrenzte und gezielte Bodeneinsätze“ im Süden des Nachbarlands Libanon begonnen.
Ziel seien aktive Hisbollah-Mitglieder sowie die Infrastruktur der Miliz. Ziel sei es, die Einwohner des Nordens vor den Hisbollah-Angriffen zu schützen.
Im Libanon besteht die generelle Sorge einer großangelegten Bodeninvasion Israels mit anschließender Besatzung im Süden des Landes. Zum ersten Mal stehe das Land vor einer brutalen Entscheidung, es gebe keinen Ausweg mehr, so heißt es in einer Analyse des Washingtons New Lines Institute: Entweder „sich der Hisbollah entgegenzustellen und die Zerstörung zu riskieren – oder selbige durch Untätigkeit zu besiegeln“. Dann drohe ein permanenter Kriegszustand mit Israel.
Libanon meldet mehr als eine Million Vertriebene
Im Libanon sind offiziellen Angaben zufolge mehr als eine Million Menschen vertrieben worden. Bisher seien rund 1.050.000 Vertriebene registriert worden, teilte die Katastrophenschutzeinheit der Regierung in Beirut mit. Rund 130.000 Personen seien in Notunterkünften untergekommen.
Deutschland und vier weitere westliche Staaten haben Israel zum Verzicht auf eine großangelegte Bodenoffensive im Libanon aufgerufen. „Eine signifikante israelische Bodenoffensive hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen. Dies gilt es abzuwenden“, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs und -chefinnen Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Kanadas und Großbritanniens. (dpa/afp/mg)

