War alles, was wir über Demokratie lernten, eine Lüge?
Geschichts-Mythos entlarvtStudie stellt unsere Vorstellung von Demokratie auf den Kopf

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Die Akropolis steht stellvertretend für die attische Demokratie im alten Griechenland - es gab jedoch noch viel mehr partizipative Regierungsformen in der Antike. (Archivbild)
Klar, die Akropolis in Athen, der Begriff „Demokratie“ – das alles kommt aus Griechenland, so haben wir's gelernt. Aber stimmt das wirklich? Eine brandneue Untersuchung rüttelt jetzt gewaltig an dieser europäischen Perspektive.
„Unter Archäologen ist die Vorstellung tief verankert, dass Athen und die römische Republik die einzigen beiden Demokratien in der antiken Welt gewesen seien“, äußert der US-Archäologe Gary Feinman vom Field Museum in Chicago. Eine von ihm geleitete, umfassende Studie, die im Fachmagazin „Science Advances“ erschien, zeigt nun jedoch, dass die Demokratie weitaus vielfältigere Wurzeln hat.
Spurensuche mit dem „Autokratie-Index“
Das Forschungsteam nahm 31 verschiedene prähistorische und antike Kulturen unter die Lupe. Da von vielen keine schriftlichen Zeugnisse mehr da sind, mussten die Archäologen kreativ werden. Ihre Schlüsse zogen sie aus dem Aufbau alter Siedlungen, wie die dpa berichtet.
Feinman erklärt den Ansatz so: „Wenn man städtische Gebiete mit großen offenen Flächen findet (...), in denen Menschen zusammenkommen und Informationen austauschen können, dann sind diese Gesellschaften tendenziell demokratischer.“ Im Gegensatz dazu deuten Stadtpläne, bei denen alle Straßen zur Residenz des Herrschers führen, auf autokratische Systeme hin. Auf dieser Basis entwickelte das Team einen „Autokratie-Index“.
Schwimmbad statt Palast: Die wahren Wiegen der Demokratie?
Das Ergebnis ist ein echter Hammer: Die Forschung fand weltweit Gesellschaften, die die Macht von Herrschern begrenzten. Dazu gehörten die Irokesen in Nordamerika, wo Frauen eine starke Stellung hatten, oder die mexikanische Ruinenstadt Teotihuacan, die wohl von einer breiteren Elite statt einem König geführt wurde.
Besonders aufregend ist Mohenjo-Daro im heutigen Pakistan, eine riesige Stadt aus der Bronzezeit. Hier gibt es keine Paläste oder Tempel. Stattdessen steht eine große Badeanlage im Zentrum. Die Häuser waren zwar unterschiedlich groß, aber nicht extrem, und viele hatten Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen – ein Hinweis auf eine eher kollektiv organisierte Gesellschaft.
Kölner Expertin mit klarer Kante: „Recht banal“
Doch sind die Schlussfolgerungen wirklich überzeugend? Dorothea Rohde, Althistorikerin an der Universität zu Köln, sieht das kritisch. Zwar sei der globale Ansatz gut, aber: „Mein Problem mit der Studie ist, dass das Ergebnis letztlich recht banal ist“, so Rohde. „Denn dass die Demokratie keine rein westliche Erfindung ist, bestreitet heute niemand mehr.“
Sie kritisiert auch die Begriffe. Die römische Republik als demokratisch zu bezeichnen, sei „ganz schön gewagt“. Das sei eine Aristokratie gewesen. Viele Angaben zu den prähistorischen Gemeinschaften hält sie für sehr hypothetisch. „Wie will man zum Beispiel Ungleichheit in der Antike messen? Das ist unglaublich schwierig.“
Rohdes Fazit ist deutlich: „Ich glaube, ihre Studie sagt letztlich vor allem etwas über ihre eigene Angst um das Fortbestehen der Demokratie aus. Und das ist natürlich derzeit sehr nachvollziehbar.“ (red)
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