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Asyl-Hammer für SyrerNach Machtwechsel in Damaskus sinkt die Schutzquote auf 5 Prozent

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht Berlin

Copyright: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Der Besuch von Syriens Übergangspräsident Al-Scharaa in Berlin stieß nicht nur bei Angehörigen syrischer Minderheiten auf Kritik. (Archivfoto)

Der politische Umsturz in Syrien hat drastische Folgen. Die Anerkennungsquote für Geflüchtete ist im freien Fall.

Die Aussichten für syrische Geflüchtete auf Schutz oder Asyl in Deutschland sind massiv gesunken. Nach dem Umsturz in Damaskus ist die Anerkennungsrate drastisch gefallen. Diese Information stammt aus einer Regierungsantwort auf eine Anfrage von Clara Bünger, Abgeordnete der Linken, wie die dpa berichtet.

Die Statistik ist ernüchternd: Lediglich 5,3 Prozent der Syrer, deren Gesuche bearbeitet wurden, erhielten im Vorjahr einen Schutzstatus, so das Innenministerium. Dies umfasst die Anerkennung als Flüchtling, die Gewährung von subsidiärem Schutz oder die Feststellung eines Abschiebeverbots.

Anerkennungsrate im freien Fall

Der Rückgang ist enorm: Das Bamf (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) hatte 2024 noch beinahe alle Asylgesuche von Syrern bewilligt. Die neue Einschätzung resultiert aus der veränderten Situation in Syrien nach der Machtübernahme durch sunnitisch-islamistische Gruppen.

Auch bei Protesten anlässlich des Besuchs von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bei Kanzler Friedrich Merz (CDU) Ende März war die Situation der Geflüchteten ein zentrales Thema. Der Kanzler und sein Besucher waren sich einig, dass die Mehrheit der Flüchtlinge langfristig in ihre Heimat zurückkehren müsse.

Wie es für Minderheiten wie Jesiden und Alawiten aussieht

Die Perspektiven sind selbst für Mitglieder religiöser und ethnischer Gruppen schlecht, die von Verfolgung durch die neuen Herrscher berichten. Mit etwa 17 Prozent war die bereinigte Anerkennungsrate für syrische Christen etwas besser. Sie betrug 9,1 Prozent für Angehörige der Drusen.

Laut den vorliegenden Daten erhielt 2025 über die Hälfte der Jesiden aus Syrien (57,1 Prozent) einen Schutzstatus. Bei den Alawiten, der Glaubensgemeinschaft, zu der auch die Familie des ehemaligen Präsidenten Baschar al-Assad gehört, war es jede fünfte Person (20 Prozent).

Zerstörung in Syrien

Copyright: Moawia Atrash/dpa

Vor allem in den einstigen Hochburgen der Gegner von Ex-Präsident Baschar al-Assad ist die Zerstörung immens. (Symbolild)

Nachdem Milizen im Dezember 2024 auf Damaskus vorgerückt waren, floh Assad nach Russland. Unter seiner Herrschaft und der seines Vaters bekleideten Alawiten häufig wichtige Ämter in Armee und Geheimdiensten.

Linken-Politikerin Bünger schlägt Alarm: „Grundlegende Versorgung fehlt“

Die Linken-Abgeordnete Bünger ist aufgebracht, weil neue Gesuche nun mehrheitlich zurückgewiesen werden. Sie sagt: „Es mangelt an grundlegender Versorgung mit Wohnungen, Wasser, Elektrizität, Bildung und Gesundheit.“ Nicht einmal Mitglieder von besonders gefährdeten Minderheiten könnten auf fortwährenden Schutz in Deutschland zählen. Nach dem Umsturz ereigneten sich in Syrien lokale Gewalttaten gegen Alawiten, Kurden und Drusen.

Die Anerkennungsrate für Kurden war nach Angaben der Bundesregierung zuletzt besser als für Syrer im Allgemeinen. Schutz wurde im Vorjahr 11,8 Prozent der Kurden gewährt, in den ersten beiden Monaten dieses Jahres waren es 20,5 Prozent.

Syrischer Bäcker Shapal

Copyright: Michael Brandt/dpa

In den Bereichen Medizin, Pflege und Gastronomie sind Menschen aus Syrien, die einst als Flüchtlinge kamen, als Arbeitskräfte geschätzt. (Symbolbild)

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Der Anteil der positiv beschiedenen Fälle kletterte im Januar und Februar dieses Jahres wieder etwas. Mit 10,4 Prozent lag die Quote beinahe doppelt so hoch wie für das gesamte Jahr 2025.

Nicht alle Anträge werden vom Bamf bearbeitet

Derzeit wird jedoch nicht über sämtliche Asylgesuche von Syrern befunden. Das Bamf hatte die Entscheidungen im Dezember 2024 vollständig gestoppt und die Arbeit daran nur langsam wieder aufgenommen. Dem Bundesinnenministerium zufolge wird seit September auch über Gesuche „aus der Gruppe der jungen, arbeitsfähigen, allein reisenden Männer arabischer Volks- und sunnitischer Konfessionszugehörigkeit“ geurteilt.

Wann die Bearbeitung für andere Personengruppen wieder startet, ist laut einem Sprecher des Ministeriums noch ungewiss. Nach Regierungsangaben hielten sich Ende November 2025 ungefähr 940.401 Syrer in Deutschland auf. Ein Schutzstatus lag bei 512.348 von ihnen vor. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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