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„Manche haben sich übergeben oder gezittert“ Deutsche Gruppe kämpft in Kyjiw – es gibt bereits Tote

Mitglieder einer ukrainischen Einheit bewachen am 17. März in Kyjiw eine Stellung am Stadtrand. Auch eine deutsche Gruppe kämpft in einem Vorort der Hauptstadt, es soll bereits Tote unter ihnen geben.

Mitglieder einer ukrainischen Einheit bewachen am 17. März in Kyjiw eine Stellung am Stadtrand. Auch eine deutsche Gruppe kämpft in einem Vorort der Hauptstadt, es soll bereits Tote unter ihnen geben.

Andrei ist mit 27 Deutschen in die Ukraine gefahren, um zu kämpfen. In einem Vorort von Kyjiw greifen sie russische Soldaten an, töten sie. Und fragen sich: Sind wir Retter oder sind wir Mörder? Eine Zeitung hat jetzt mit den deutschen Kämpfern Kontakt aufgenommen.

Andrei war früher Berufssoldat, sagt er der „FAZ“. Er sei im Führungsunterstützungsbataillon der Bundeswehr gewesen, hat sich um den Funk gekümmert. Mitte März fährt er mit 27 Deutschen in die Ukraine, um zu kämpfen. Alles Freiwillige.

Jetzt berichtet er darüber, wie es den Männern im Krieg ergeht. Und dass es bereits Tote in der Gruppe gebe.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ konnte mit zwei Deutschen aus der Gruppe Kontakt aufnehmen, neben Andrei berichtet auch Janni über den Krieg.

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Vom polnischen Grenzübergang Korczowa-Krakowez aus geht es zu einer Tankstelle in Nowojavoriwsk, erklärt Andrei. Dort würden die Freiwilligen trainiert, dann bringt man sie zur Basis. Am Ende kämpfen sie in einem Vorort von Kyjiw gegen die Invasoren.

Deutsche kämpfen in der Ukraine: „Schießen bis alle Russen tot sind“

Janni erzählt, dass sie bei einer Patrouille im Nordwesten zu viert gewesen seien, vier Deutsche aus Sachsen, als sie eine „Feindgruppe“ gesehen hätten. Sie bereiten einen Hinterhalt vor und als der Truppentransporter darüber fährt und die Ladung explodiert, hätten sie aus rund sechzig Meter Entfernung geschossen. „Bis alle Russen tot sind.“ Zehn bis elf Soldaten.

Die Stimmung danach: erst erleichtert. Dann bestürzt. „Bei vielen war danach Schweigen angesagt“, wird Andrei zitiert. „Man ist froh, es überstanden zu haben. Später setzte bei dem einen oder anderen das Denken ein, und manche haben sich auch übergeben oder haben gezittert. Alles menschlich und normal.“ Janni: „Jeder steckt so was anders weg. Ist halt nie ein schöner Anblick.“

Deutsche kämpfen in der Ukraine: „Mörder oder Retter“?

Jannis Motivation, an dem Krieg in der Ukraine teilzunehmen, seien idealistische, er wolle Leben retten. Doch es klingen auch Zweifel durch. Auf die Frage des „FAZ“-Journalisten, ob er schon Leben gerettet habe, antwortet Janni: „Kommt drauf an, wie man Retten definiert. Ist es eine Rettung, anderen das Leben zu nehmen? Macht einen eher zum Mörder als zum Retter.“

Vielleicht seien auch anständige Menschen unter den getöteten Russen gewesen, meint er. „Mit denen man unter anderen Umständen etwas zusammen getrunken hätte.“ Worte, die nachdenklich machen.

Deutsche in der Ukraine: „Jeder ist jedem gegenüber misstrauisch“

Der Kriegsalltag der Deutschen: Beobachten, auf „Posten“ sein, die Umgebung im Blick behalten. Janni habe das letzte Mal vor drei Tagen geduscht, das Essen sei knapp, es gebe Nahrung nur „auf Zuteilung“. Manchmal esse er auch Rationen der russischen Armee, die er „immer und überall findet“.

Die Stimmung in der ukrainischen Armee sei auch nicht immer einfach. Man verstehe sich gut, redet Englisch oder etwas Russisch. Manchmal würden sich Ukrainer untereinander misstrauen. „Jeder ist hier jedem gegenüber misstrauisch. Man kann auch niemandem vertrauen, da es viele Saboteure gibt“, sagt Janni.

Deutsche kämpfen in der Ukraine: Es gibt bereits Tote

Janni sagt, er habe keine Familie in Deutschland, wolle nie wieder zurück. Überlebt er den Krieg, wolle er in der Ukraine bleiben. Andrei hingegen hat Frau und Kinder. „Wenn ich daheim geblieben wäre, hätte ich mir selber nie wieder ins Gesicht schauen können“, sagt Andrei. „Wir sind hier, um das Leid der zivilen Bevölkerung zu lindern. Wir sind weder Helden noch Kriegsjunkies. Wir sind normale Bürger wie jeder andere auch in Deutschland.“

Zwei Tage nach diesem Gespräch sagt Andrei dann, dass Bekannte von ihm bereits getötet worden seien. Sie kamen aus seiner Gruppe, seien Deutsche gewesen. „Wir sind vier weniger.“ Was genau passiert ist, könne er nicht sagen. „Es sind Freunde. Hier wächst man unweigerlich zusammen zu einer kleinen Familie. Aber die Zeit, um Leute zu betrauern, wird es später geben. Wenn ich das jetzt an mich heranlassen würde, wäre der Kopf nicht da, wo er sein muss.“

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