Ein 14-Jähriger verliert sein Leben. Seine Mutter und sein Vater müssen sich nun wegen Mordes verantworten.
Tragödie in ItalienEltern vertrauen Wunderheiler – Sohn (14) stirbt an Krebs

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Goldene Waage der Gerechtigkeit.
Ganz Italien ist erschüttert von einem unfassbaren Schicksal. In Vincenza stehen Mutter und Vater vor Gericht, weil ihr Sohn Francesco (14) den Kampf gegen den Krebs verlor. Die Anschuldigung wiegt schwer: Dem Jugendlichen soll eine überlebenswichtige medizinische Versorgung vorenthalten worden sein. Voller Bedauern sprach die Mutter am Dienstag vor den Richtern. „Ich würde ihn nie wieder so behandeln lassen“, zitierten sie diverse Medien.
Alles begann im Jahr 2022. Damals klagte der junge Francesco auf einmal über starke Schmerzen in seinem Bein. Die niederschmetternde Diagnose in der Klinik: Knochenkrebs. Die Ärzte entdeckten einen Tumor in seinem Oberschenkel. Aber die Eltern lehnten die von den Medizinern angeratene konventionelle Therapie ab. Stattdessen suchten sie einen Arzt auf, der die fragwürdige Hamer-Methode anwendete. Selbst die verordneten Arzneien sollen sie dem Jungen nicht gegeben haben. Das berichtet „t-online“.
Die fragwürdige Hamer-Methode: Was steckt dahinter?
Entwickelt wurde diese Vorgehensweise von Ryke Geerd Hamer, einem deutschen Mediziner, der 2017 starb. Hamer glaubte fest daran, dass seelische Schockerlebnisse Krebserkrankungen verursachen. Er lehnte etablierte Behandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie kategorisch ab. Schon im Jahr 1986 verlor er aus diesem Grund seine Approbation. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt in einer Veröffentlichung von 2024, dass Hamers Theorien „ohne wissenschaftliche oder empirische Begründung“ seien und Kranke davon abhielten, eine passende Behandlung zu bekommen.
Statt Chemo gab es Heilerde-Umschläge
Für den jungen Francesco startete eine lange Leidenszeit. Wie „La Repubblica“ berichtet, sollen Mutter und Vater ihrem schwer kranken Kind stattdessen Kompressen mit Heilerde gemacht haben. Die Mutter begründete vor Gericht den Abbruch des Klinikaufenthalts damit, dass ihr Sohn sich dort unwohl gefühlt habe. „Das Essen war furchtbar, Francesco geriet in eine Krise“, zitiert sie der „Corriere del Veneto“. Der alternative Heiler habe die konventionelle Medizin als gefährlich bezeichnet und der Familie falsche Zuversicht gegeben. „Er hat uns überzeugt, dass er wieder gesund werden würde“, sagte die Mutter aus.
Der Mediziner, der nach Hamer praktiziert, nahm gegenüber dem „Corriere della Sera“ Stellung zu den Anschuldigungen. Er widersprach der Darstellung, den Eltern die Chemo ausgeredet zu haben. „Was den körperlichen Aspekt betrifft, kann jeder tun, was er will. Ich beschäftige mich mit den psycho-emotionalen Aspekten“, erklärte er.
Der Gesundheitszustand des Jungen spitzte sich im April 2023 dramatisch zu. Er kam in eine Klinik, wo man letztlich doch mit einer Chemotherapie begann – aber es war bereits zu spät. Francesco starb Anfang 2024. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er immense Schmerzen erdulden musste, was die Eltern abstreiten. Das Gerichtsverfahren läuft seit Januar. Ein neues Gutachten soll nun die Frage klären, welche Mitschuld die Handlungen der Eltern am Tod des 14-Jährigen tragen. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

