Wo die Liebe hinfällt. Oder hinfährt? Eine Französin hat sich unsterblich in eine Straßenbahn verliebt. Nun wirbt sie für mehr Toleranz.
Sandra (44) hat Sex mit Straßenbahn„Ich schämte mich ein bisschen“

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Sandra Rahm und ihre ungewöhnliche Liebschaft.
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Ihre Liebe heißt Alstom Citadis 403, trägt die Nummer 3013, ist über 45 Meter lang, 2,4 Meter breit – und genau 55,2 Tonnen schwer. Und sie ist auf den Straßen von Straßburg zu Hause. Die Französin Sandra Rahm (44) hat sich unsterblich in eine niederflurige Straßenbahn verliebt.
Gegenüber französischen Medien erzählt sie jetzt ohne Scheu von ihrer großen Liebe. Die habe bereits vor sechs Jahren begonnen, erzählt sie der elsässischen „Dernières Nouvelles d’Alsace“. Zu Zeiten von Corona.
Sie führt eine Dreierbeziehung – mit einem Mann und einer Bahn
Wer sich in der Wohnung von Sandra Rahm umsieht, der sieht keine Fotos von einem Mann, der sie liebevoll umarmt und küsst. Keine Urlaubsfotos, wie bei anderen Pärchen.
Hier hängen nur Fotos der Bahn des Straßburger CTS-Verkehrsnetzes, die Rahm so sehr liebt. Erinnerungsstücke. Und sogar Kleidung mit der Zahl 3013, der Nummer der Bahn. Dabei ist sie seit 14 Jahren auch mit einem Mann zusammen, sie führen eine Dreierbeziehung. Der akzeptiere diese besondere Liebe. Aber dadurch seien bereits Freundschaften zerbrochen.
Das Objekt der Begierde steht an der Endhaltestelle der Linie A in Illkirch-Graffenstaden – und so oft es geht, besucht die 44-Jährige das Transportmittel. Umarmt es. Küsst es. Und manchmal sogar mehr.
Schon immer hatte sie eine Leidenschaft für Straßenbahnen gehegt. Dann hat sie den Film „Jumbo“ von Regisseurin Zoé Wittock während der Covid-Pandemie gesehen. Er thematisiert Objektophilie – die sexuelle und emotionale Anziehung zu einem Objekt – anhand einer romantischen Beziehung zwischen „Jeanne“ und einer Jumbo-Bahn. Der Film war mäßig erfolgreich, traf Rahm aber direkt ins Herz. Sie merkte: Auch sie ist objektophil. Sie wollte sich verlieben – in eine Straßenbahn.
Sandra Rahm hatte auch Sex mit der Tram, sagt sie
„Ich stieg an der Haltestelle Jean-Jaurès ein. Ich fing an, mit ihr zu sprechen“, erklärt Rahm über die erste Begegnung mit der Bahn ihres Herzens. „Ich bat sie um ein Zeichen.“ In diesem Moment sei ein „strahlendes Licht“ im Führerstand erschienen, so hell, dass sich der Fahrer erschreckt habe. „Ich fühlte mich friedlich. Und dann wurde es verrückt“, lächelte sie.
Ein Lichtstrahl, der die Straßenbahn 3013 zur Auserwählten machte. „Den ganzen Nachmittag hatte ich nur einen Wunsch: sie wiederzusehen.“
Seitdem gehe ihr die Bahn nicht mehr aus dem Kopf. „Es ist eine wachsende Liebe“, sagt sie. Und behauptet, sogar mit der Tram Sex gehabt zu haben. Es sei alles andere als nur eine platonische Beziehung. „Als ich aus dem Zug stieg, war ich nicht mehr dieselbe. Aber ich sagte mir, ich bin ein wenig zu weit gegangen, und ich schämte mich ein bisschen.“
Die Französin weiß durchaus, dass ihre Liebe für die meisten lächerlich wirken mag. Oder sogar verpönt. Doch es gibt viele Menschen, die objektophil sind. Die wohl bekannteste unter ihnen ist Erika Eiffel, eine Amerikanerin, die 2007 symbolisch den Eiffelturm heiratete. Die meisten objektophilen Menschen halten ihre Gefühle aber geheim, aus Angst vor Hohn und Hass.
Ihr führt auch eine sehr ungewöhnliche Liebe? Oder habt ein erotisches oder aufregendes Geheimnis? Meldet euch – gern auch anonym. Erzählt uns eure Geschichte!
Hau raus!
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Nicht so Sandra Rahm, sie hat mittlerweile über 2400 Follower, die ihr auf Instagram bei ihren Rendezvous mit der Bahn zusehen. Und sehr viele Menschen freuen sich tatsächlich über die Liebe, wünschen ihr alles Gute, schicken Herzchen. Doch, so sagt sie, es gibt auch Spott, Beleidigungen und mitunter sogar Morddrohungen.
2024 hat sie die Bahn sogar geheiratet – symbolisch, an einer Endhaltestelle. Ein befreundeter Straßenbahnfahrer habe ihr dabei geholfen, sagt sie. Nun will sie ein Buch über ihre Liebe schreiben und möchte für Verständnis werben. Liebe kann, findet sie, viele Formen haben. (mg)

