Zwei Jahre Haft für VaterRusse soll in den Knast – seine Tochter hat das falsche Bild gemalt

Unser Symbolbild zeigt ein Kind in einer Kita in Baden-Württemberg, das ein Bild mit Wachsmalstiften malt.

Weil seine Tochter ein Antikriegsbild malte, soll ihr Vater, ein Russe, zwei Jahre in Haft. Unser Symbolbild zeigt ein Kind in einer Kita in Baden-Württemberg.

In Russland hat ein Staatsanwalt zwei Jahre Haft für einen alleinerziehenden Vater wegen „wiederholter Diskreditierung der Armee“ gefordert - offensichtlich auch im Zusammenhang mit einem Antikriegsbild seiner Tochter.

Ein wegen einer Kinderzeichnung gegen die Ukraine-Offensive von seiner Tochter getrennter Vater ist nach seiner Flucht aus dem Hausarrest in Belarus gefasst worden. Der wegen „Diskreditierung der Armee“ am Dienstag (28. März) zu zwei Jahren Haft verurteilte Alexej Moskaljow sei am Donnerstag (30. März) auf „Antrag der russischen Polizei“ nahe der belarussischen Hauptstadt Minsk verhaftet worden, zitierten russische Nachrichtenagenturen belarussische Behörden.

Am Dienstag (28. März) verurteilte ein Gericht in der 300 Kilometer südlich von Moskau liegenden Kleinstadt Jefremow den Vater zu zwei Jahren Haft. Ihm wurde zur Last gelegt, in Online-Kommentaren die russische Armee „diskreditiert“ zu haben. Unmittelbar nach dem Urteil verkündeten die Behörden, dass Moskaljow aus dem Hausarrest entkommen und flüchtig sei.

Nach der Freiheitsstrafe soll er zudem drei Jahre Internetverbot erhalten. Der Fall hat in Russland für Aufsehen gesorgt, weil die minderjährige Tochter wegen ihres Kriegsprotests ins Kinderheim gebracht wurde.

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Russland: Tochter malt falsches Bild, Knast für ihren Vater gefordert

Offiziell drehen sich die Vorwürfe gegen den 54-Jährigen aus der Stadt Jefremow im Gebiet Tula südlich von Moskau um seine Einträge in sozialen Netzwerken. Dort soll er mehrfach Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisiert haben.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Seinen Angaben nach wurde sein Account gehackt.

Der Fall geriet im Frühjahr 2022 durch ein Bild seiner Tochter im Zeichenunterricht ins Rollen. Als die Lehrerin die Kinder aufforderte, Bilder zur Unterstützung der russischen Streitkräfte in der Ukraine zu malen, zeichnete die damals Zwölfjährige stattdessen eine russische und ukrainische Flagge, die sie mit den Slogans „Nein zum Krieg“ und „Ruhm der Ukraine“ versah.

Daraufhin wurde ihr Vater einen Tag später erstmals auf die Polizeistation gebracht, und es wurde eine Geldstrafe gegen ihn verhängt.

Als im Winter auch kriegskritische Kommentare seiner Tochter im Internet auftauchten, durchsuchten die Behörden die Wohnung des Mannes und leitete ein Strafverfahren ein. Das Mädchen wurde ins Kinderheim gebracht, dem Vater droht der Entzug der Fürsorgepflicht. 

Der Kreml gab an, den Fall genau zu verfolgen und warf dem Alleinerziehenden vor, „seine elterlichen Pflichten auf beklagenswerte Art zu erfüllen“. In einem in den sozialen Medien veröffentlichten Brief hingegen nannte Maria ihren Vater „die mutigste Person der Welt“. Am 6. April soll ein weiteres Verfahren darüber entscheiden, ob Moskaljow das Sorgerecht für seine Tochter dauerhaft verliert.

Die von den Behörden verbotene russische Menschenrechtsorganisation Memorial bezeichnete Moskaljow als „politischen Gefangenen“. Sein Fall sei ein Versuch, alle Gegner des Ukraine-Konflikts „einzuschüchtern“. (dpa/mg)