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Meningitis-Alarm in EnglandEltern in Panik – doch Mediziner warnen vor Impf-Aktionismus

Medizinische Fachkraft und Schriftzug Meningitis

Copyright: IMAGO / YAY Images

Medizinische Fachkraft und Schriftzug Meningitis.

Zwei junge Menschen sind tot, die Angst in England wächst.

Eine furchtbare Meningitis-Welle in Kent versetzt England in helle Aufregung. Weil zwei junge Leute ihr Leben verloren haben und andere in Kliniken behandelt werden, greift bei unzähligen Eltern die pure Panik um sich. Das Ergebnis: ein gewaltiger Run auf die Apotheken im ganzen Land.

Von einer nie dagewesenen Flut von Anfragen berichtet die National Pharmacy Association (NPA). Eine Spontanumfrage bei 300 Apotheken zeigte, dass 87 Prozent einen deutlichen Sprung bei der Nachfrage nach Meningitis-Spritzen feststellen. Einzelne Apotheken bekamen allein am Dienstagmorgen 30 bis 40 Bitten. Einige verunsicherte Personen probieren sogar, präventiv an Antibiotika zu kommen. Das berichtet „the Guardian“.

Fachleute mahnen zur Besonnenheit: „Keine überstürzten Impfungen“

Aber inmitten dieser angespannten Atmosphäre erfolgt eine unerwartete Mahnung von Experten: Sie empfehlen nachdrücklich, von einer übereilten Impfung abzusehen. Die Gesundheitsämter könnten am besten einschätzen, ob und für welche Personen eine Immunisierung tatsächlich erforderlich ist.

Professor Adam Finn von der Universität Bristol legt dar, weshalb unüberlegtes Handeln riskant sein kann. Es ist ungewiss, ob die erhältlichen Vakzine überhaupt gegen jenen speziellen Bakterienstamm helfen, der für den Ausbruch in Canterbury verantwortlich ist. Die derzeitigen Impfstoffe schützen nämlich nicht vor sämtlichen Varianten des B-Typs.

Schutzlücke bei Studierenden und jungen Leuten

Ein zusätzlicher entscheidender Aspekt: Die Schutzwirkung einer Immunisierung entwickelt sich erst über einige Wochen. Bis zu diesem Zeitpunkt wäre die jetzige Krankheitswelle vermutlich bereits abgeebbt. „Es ist viel besser, wenn man bei einem Ausbruch wie diesem eine koordinierte Reaktion hat“, so Finn. Die zuständigen Stellen würden gewährleisten, dass das passende Vakzin an die korrekten Personen ausgegeben wird.

Verursacher der Krankheitswelle sind Meningokokken vom Typ B (MenB). Es existiert zwar ein Impfstoff, doch dieser wird erst seit 2015 Babys verabreicht. Die Konsequenz: Zahlreiche junge Menschen, die nun an die Hochschulen strömen, besitzen diese Absicherung nicht, außer die Eltern haben die Immunisierung aus eigener Tasche finanziert.

Und das geht ins Geld: Die vollständige Impfserie schlägt laut der Apotheken-Kette Boots mit umgerechnet etwa 220 Pfund zu Buche. Aus diesem Grund verlangen Eltern und Studierenden-Vertretungen jetzt mit Nachdruck, die MenB-Immunisierung für junge Menschen gratis über den nationalen Gesundheitsdienst NHS bereitzustellen. Amira Campbell, die Vorsitzende der National Union of Students (NUS), stellt klar: „Es sollte niemals eine Kostenbarriere für lebensrettende Impfstoffe geben.“

Anders als die MenB-Vakzine steht Jugendlichen eine andere Immunisierung (MenACWY) zur Verfügung. Diese schützt vor vier weiteren Meningokokken-Typen und ist bis zu einem Alter von 25 Jahren kostenfrei. Professor Sir Andrew Pollard von der Oxford Vaccine Group mahnt allerdings, diese Impfung nicht zu ignorieren. Eine fallende Durchimpfungsrate könnte bewirken, dass jene Stämme wieder auftauchen. „Dieser jüngste Ausbruch ist eine Mahnung, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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