„Möglichkeit besteht gar nicht“ Karl Lauterbach zeichnet trauriges Corona-Szenario

Karl Lauterbach sieht keine Alternative zu Lockdown

Karl Lauterbach sieht keine Alternative zu einem neuen Lockdown. Unser Archivbild wurde 2019 geschossen.

Köln – Als am 3. März – zu einem Zeitpunkt mit deutlich niedrigeren Inzidenzen – die Schritte zu möglichen Öffnungen in der Corona-Pandemie beschlossen wurden, wurde eine Notbremse eingebaut. Epidemiologe Karl Lauterbach warb bei „maischberger. die woche“ am Mittwoch (17. März 2021) angesichts steigender Fallzahlen dafür, diese Notbremse möglichst schnell zu ziehen.

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  • Karl Lauterbach sieht keine Alternative zu hartem Lockdown
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Seiner Ansicht nach, gäbe es keine Alternative zu erneuten harten Schließungen: „Die Möglichkeit, ohne Lockdown durchzukommen, bis genug Leute geimpft sind, die besteht gar nicht“, stellte der SPD-Politiker unmissverständlich klar. „Wenn wir das verzögern, wird es einfach nur schlimmer.“

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So gäbe es nach Lauterbach nur zwei Optionen: Einen schnellen, harten Lockdown und Schulen erst wieder zu öffnen, wenn die Testungen dies hergeben würden, oder einen späteren Lockdown, der weniger nützen würde und obendrein länger dauern müsste.

Verhindern ließe sich die Entwicklung nicht mehr: „Die dritte Welle ist da und ist nicht mehr aufzuhalten“, verdeutlichte Karl Lauterbach. Dabei würde diese dritte Welle voraussichtlich am stärksten die 50 bis 80-Jährigen treffen, die im Gegensatz zur Gruppe über 80 dann noch nicht durchgeimpft ist. Dies sei also die Gruppe, die „in der dritten Welle jetzt voll in das Risiko geht“.

Karl Lauterbach: „Die dritte Welle ist da und nicht mehr aufzuhalten“

In etwa zwei Prozent der Infizierten in dieser Altersgruppe würden sterben. Schon jetzt läge das Durchschnittsalter auf Intensivstationen bei 60 Jahren – früher war es deutlich höher.

Besonders tückisch: Stark betroffene Menschen dieser Altersgruppe würden laut Lauterbach relativ lange beatmet, könnten aber oft dennoch nicht gerettet werden. Neben weiteren Toten bedeute das eine langfristige Belegung der Intensivbetten.

„Ein sehr hoher Preis, der da nochmal bezahlt werden muss, in der dritten Welle.“ Über diesen Preis werde am Montag in der neuen Corona-Runde verhandelt. Lauterbach kündigte an, gemeinsam mit Kollegen in „Hintergrundgesprächen“ für Vernunft zu werben.

Karl Lauterbach gibt Einschätzung zu Astrazeneca-Impfstoff ab

Auch das leidige Thema Impfen kam nach dem Chaos um Astrazeneca wieder aufs Tablett. Karl Lauterbach gab der Chefin der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), Emer Cooke, in ihrer vorläufigen Einschätzung des Impfstoffs nur teilweise Recht.

„Ich glaube, dass sie Recht darin hat, wenn sie sagt: 'Der Impfstoff ist ein guter Impfstoff und wir werden ihn wahrscheinlich weiterhin nutzen.'“

Am Donnerstag fällt die EMA die Entscheidung, wie weiter verfahren wird. Im Gegensatz zu Cooke, vermutet der SPD-Politiker jedoch sehr wohl einen Zusammenhang zwischen den aufgetretenen Thrombosen und dem Impfstoff, den man erst langfristig bei einer größeren Anzahl an Fällen sehen werde. Die Nebenwirkung sei zu spezifisch und ansonsten zu selten, um zufällig aufzutreten.

Astrazeneca-Probleme: Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor Spekulation

Dennoch bleibt Lauterbach klarer Befürworter von Astrazeneca, schließlich sei die Zahl der Komplikationen im Vergleich zu jener der durchgeführten Impfungen sehr gering.

So würde der Nutzen die Risiken deutlich überwiegen: „Ich bleibe dabei: Das ist ein sehr sicherer Impfstoff.“ Außerdem vermutet der Epidemiologe, dass die bisher Betroffenen „auch ein höheres Risiko hätten, an der Krankheit Covid stärker zu erkranken“.

Dies erklärte er mit den Abläufen, die rund um die aufgetretenen Nebenwirkungen: Blutplättchen würden verbraucht und es käme daraufhin zu Gefäßschädigungen im Gehirn und Thrombosen – ähnliches ließe sich auch bei schweren Fällen von Covid-19 beobachten.

Dass es sich bei sechs von sieben aufgetretenen Thrombosen nach Astrazeneca-Impfung um betroffene Frauen handelte, wollte Lauterbach nicht überbewerten. „Ich warne vor der Spekulation, dass Frauen stärker gefährdet sind.“ Er erklärte das mit der Vermutung, dass mehr Frauen in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten würden. Gruppen also, die vorrangig geimpft wurden.

Corona-Impfstoff: Ist Sputnik V eine Option?

Wenn man schon geimpft sei, bleibe einem dieses Schicksal erspart. Denn ein weiterer klarer Pluspunkt von Astrazeneca sei, dass er Krankenhausaufenthalte zuverlässig verhindere.

Laut Karl Lauterbach – je nach Studie – sogar zwischen 80 und 95 Prozent. Tendenziell würde er bei Wiederaufnahme der Impfungen bei der festgelegten Reihenfolge bleiben. Wenn der Impfstoff gut genug sei, um verimpft zu werden, müsse man ihn dort einsetzen, wo er nutzt – bei den älteren Gruppen.

Angesprochen auf den russischen Impfstoff Sputnik V und eine mögliche Zulassung für Europa, zeichnete der Politiker ein vorsichtig optimistisches Bild: Die bereits veröffentlichten Daten zeigten eine hohe Wirksamkeit, allerdings erscheint ihm die auffallend niedrige Zahl an angegebenen Nebenwirkungen verdächtig. (tsch)

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