Steckenpferd für ErwachseneHobby Horsing ist Kult: Die Finnen sind schon ganz wild

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Meisterschaftspferde bei der Meisterschaft in Vantaa 2017.

Mainz – Sie springen über Hindernisse, reiten im Zirkel, galoppieren über den Platz. Allerdings sitzen die Kinder nicht auf echten Pferden, sondern reiten Steckenpferde.

Die neue Trendsportart „Hobby Horsing“ aus Finnland findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger. „Es macht einfach riesigen Spaß“, sagt Melina Gardt (10) in Udenheim. Sie hat insgesamt fünf Steckenpferde und trainiert regelmäßig im Garten – und im Verein.

„Hobby Horsing“ auch in Deutschland

Denn seit gut einem Jahr bietet der SC Mommenheim im Kreis Mainz-Bingen „Hobby Horsing“ an. Kinder und Teenager im Alter von sechs bis 14 Jahren üben dort am eigens aufgebauten Springparcours, was auch beim Reiten mit einem echten Pferd wichtig ist: Sprünge oder Dressurfiguren.

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„Die meisten, die kommen, reiten auch tatsächlich“, sagt Trainerin Tina Gardt. Neben ihrer Tochter Melina sind noch sechs weitere Mädchen dabei.

Ein Hobby für echte Pferdenarren

Allen gemeinsam sei: „Sie sind alle so Pferde-närrisch, dass sie am liebsten jeden Tag etwas mit Pferden machen wollen“, sagt die Trainerin. Viele ritten aber nur einmal die Woche in echt: Auf den Steckenpferden könnten sie dann zusätzlich Dinge einüben, sich reichlich bewegen und Freude haben.

„Wir haben auch schon eine Quadrille mit verschiedenen Figuren einstudiert“, erzählt Gardt, die auch einen Trainerschein für Reitunterricht hat. Ihr schwebt vor, in Mommenheim auch mal ein Turnier auszurichten.

Auch „Hobby Horsing“ leidet unter der Corona-Krise

Denn bei dem ungewöhnlichen Hobby gibt es Wettbewerbe bis ganz nach oben. Eigentlich wären in diesem Monat die weltweit größten Meisterschaften im „Hobbyhorse“-Reiten im westfinnischen Seinäjoki gestartet.

Wegen der Corona-Pandemie haben sich die Ausrichter aber entschieden, das Rennen um die besten Steckenpferd-Reiter auf den Sommer 2021 zu verschieben. Das neue Datum solle bald angekündigt werden, teilt die finnische Hobbyhorse-Vereinigung mit und ruft den Fans zu: „Reitet weiter!“

Alle Steckenpferde haben einen eigenen Namen

Melina übt fleißig im Garten mit Steckenpferd „Ostwind“. „Ich springe über 60 Zentimeter und stelle mir immer vor, dass ich über 1,60 Meter springe“, sagt sie. Ja, sie nenne ihre Pferdchen immer mit Namen.

Und ja, jedes habe verschiedene Eigenschaften. „»Ostwind« ist beim Springreiten am besten, »Bess« kann besser Dressur.“ Das Üben mit den Steckenpferden helfe ihr beim Lernen bestimmter Figuren. „Wenn ich Zeit habe, gehe ich immer sehr gerne darauf.“

„Hobby Horsing“ wird in Finnland total gehyped

In Finnland gibt es bereits Tausende, die „Hobby Horsing“ machen. „Da ist das ein richtiger Hype“, sagt Gardt. In Deutschland gebe es auch immer mehr Fans, aber ihrer Kenntnis nach noch kaum Vereine, die den Sport anbieten. Klar gebe es auch kritische Stimmen: „Es gibt schon welche, die sagen, ihr seid doch bescheuert“, erzählt sie.

„Aber es gibt eben auch viele, die finden es klasse!“ Auch in der Pfalz ist „Hobby Horsing“ längst bekannt. In Zweibrücken betreibt z. B. Emma (12) mit ihrer gleichaltrigen Freundin Maike den Trendsport. Emmas Pferd heißt „Alfi“, Maikes „Grace“. Mögen andere Erwachsene über das Steckenpferdreiten schmunzeln – Emmas Vater gefällt es. „Es ist ein Sport, der grün ist und damit den Zeitgeist trifft. Man braucht nur ein bisschen Umgebung, ein paar Stecken, ein wenig Fantasie – schon geht die Show los.“

„Hobby Horsing“ spart Zeit und Geld

Bei seiner Tochter sei die Leidenschaft ungebrochen. „Man muss nicht viel Geld investieren. Emma hat ihr Horse selbstgenäht, mit der Oma zusammen.“ Das Hobby sei unkompliziert, sagt der Vater. „Wenn irgendwann die Leidenschaft nachlässt, muss man nicht schauen, wo das Pferd bleibt.“

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Der Sport sei übrigens keinesfalls nur etwas für Kinder, betont er. „In Finnland gibt es das auch für Erwachsene.“ Der offizielle Weltrekord beim Steckenpferd-Springen liegt bei respektablen 141 Zentimetern.