Ausgegrenzt und abgestempeltGreta Thunberg wurde früher krass gemobbt

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Greta Thunberg lächelt nie. Das ist typisch für Menschen mit Asperger-Syndrom.

Fast jeder auf der Welt kennt Greta Thunberg, die Galionsfigur der Klimaschutzbewegung. Die Schwedin ist sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Greta ist das Idol von Millionen Teenies. Kaum zu glauben, dass sie früher von Mitschülern gemobbt, von Lehrern als behindert abgestempelt wurde.

Die 16-Jährige hat das Asperger-Syndrom – und sie hat ihre Familie oft zur Verzweiflung getrieben. Das verrät ihre Mutter Malena in der Familienbiografie „Szenen aus dem Herzen“ (ab Dienstag auch auf Deutsch im Handel)

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Gretas Mutter Malena Ernman ist eine bekannte Opernsängerin in Schweden

Sie kann alle Hauptstädte der Welt aufsagen – sogar rückwärts

Dass Greta „anders“ war als die meisten Kinder, haben ihre Eltern früh mitbekommen. „Sie hat ein fotografisches Gedächtnis, kann alle Hauptstädte der Welt aufsagen, vorwärts und rückwärts, in weniger als einer Minute alle Elemente des Periodensystems aufzählen“, schwärmt ihre Mutter Malena Ernman (48). Sie ist eine bekannte Opernsängerin in Schweden, hat das Land sogar 2009 beim Eurovision Song Contest vertreten.

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Ausgegrenzt wegen Asperger-Syndrom

Das Mädchen mit dem scharfen Verstand, das nie lächelt, keinem ins Gesicht schaut und wie die meisten Autisten niemals Smalltalk hält, war ihren Mitschülern allerdings suspekt. Erst spät fanden ihre Eltern den Grund dafür heraus, dass Greta ständig weinte – im Bett, auf dem Weg zur Schule, im Unterricht und in den Pausen. Sie wurde verprügelt und gemobbt.

Greta Thunberghörte auf zu essen

Die Folge: Greta „verschwand in einer Art Dunkelheit, hörte auf zu spielen, zu lachen, zu reden, zu essen“, heißt es in der Biografie. Es wurde so schlimm, dass Gretas Mutter sogar ihre Tournee absagte. Ihr Vater Svante Thunberg (49), Schauspieler und Hausmann, verzweifelte an der strikten Weigerung der Tochter, etwas zu essen. Oft genug notierte er: „Mittagessen: 5 Gnocchi. Zeit: 2 Stunden und 10 Minuten.“

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Greta Thunbergs Familie. Hund Moses ist ihr bester Freund.

Ja, Greta war ein Kind, das seinen Eltern viel abverlangte. Ebenso wie die jüngere Schwester Beata, bei der ADHS diagnostiziert wurde.

Greta war nun mal „anders“: Als das Mädchen in der Schule zum ersten Mal einen Film über die Verschmutzung der Weltmeere und die Klimaerwärmung sah, gab es für sie kein anderes Thema mehr. Sie erinnert sich noch heute an den Tag: „Ich dachte, das würde nicht stimmen. Denn wenn es wahr wäre, würde man sich ja kaum noch über etwas anderes unterhalten“, so ihre Logik.

Dieses unangepasste Schwarz-Weiß-Denken ist ein typisches Symptom für die Krankheit, wissen ihre Eltern heute.

Psychologin diagnostiziert Zwangsstörungen

Sie haben mit Greta viele Ärzte konsultiert, bis eine Psychologin schließlich diagnostizierte: Asperger-Syndrom, hochfunktioneller Autismus, verbunden mit Zwangsstörungen.

Ein Handicap, eine Behinderung, heißt es oft. Doch ist es nicht genau das, was Greta so einzigartig macht? Sie selbst sagt: „Wenn ich kein Asperger hätte, wäre das hier nicht möglich gewesen.“  

Das Engagement – mit Hartnäckigkeit und Kompromisslosigkeit in punkto Klimaschutz – startete der Teenie schon vor Jahren in den eigenen vier Wänden. Sie schaltete das Licht nicht mehr ein, weigerte sich, in ein Flugzeug zu steigen, rechnete ihrem Vater nach einer Sardinien-Reise mit der jüngeren Schwester Beata vor: „Ihr habt gerade einen CO2-Ausstoß in Höhe von 2,7 Tonnen verursacht. Das entspricht der Jahresemission von fünf Einwohnern des Senegals.“

Eltern besteigen keinen Flieger mehr

Logo, dass sie ihre Eltern schnell bekehrte, ebenfalls zu Umweltaktivisten machte. „Nenn’ mir einen Promi, der sich für das Klima einsetzt, der bereit ist, den Luxus aufzugeben, kreuz und quer durch die Welt zu reisen“, redete sie ihrer Mutter ins Gewissen. Im Hause Thunberg/Ernman ernährt man sich vegan, das Dach hat Solarzellen, das Elektroauto steht in der Garage – und geflogen wird natürlich schon lange nicht mehr.

Als Greta (hier lesen: Barack Obama sagt in München, was er wirklich von Greta Thunberg hält) 2018 beschloss, für den Klimaschutz zu streiken, hatte sie deshalb auch die volle Unterstützung ihrer Eltern. Ihre Mutter erinnert sich in der Biografie: „Svante hat Greta versprochen, mit ihr im Baumarkt ein übriggebliebenes Stück Sperrholz zu holen, dass sie weiß anmalen wollte. »Schulstreik für Klima« soll darauf stehen, hat sie entschieden.“

Welch einen Stein das Kind damit weltweit ins Rollen bringen würde, damit hätten ihre Eltern niemals gerechnet. „Fridays for Future“ wurde zur globalen Bewegung.

Endlich Freunde und Aufmerksamkeit

Doch das Mädchen hat nicht nur Politiker zum Umdenken gebracht. Greta ist noch immer „anders“, aber das ist sie jetzt gern – und kann das Leben endlich genießen. „Ich habe mich selbst geheilt“, sagt sie. „Früher sprach ich nur mit meinen Eltern, meiner Schwester und meinem Lehrer. Durch den Streik habe ich einen Sinn und Freunde gefunden.“ Und sie isst auch wieder. „Aber nur, wenn es vegan ist.“

Das ist das Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom ist eine Kontakt- und Kommunikationsstörung, quasi eine „milde“ Variante des Autismus. Betroffene haben oft intensive (Spezial-)Interessen in Bereichen wie Mathematik, Geschichte, Geografie oder anderen wissenschaftlichen Teilbereichen. Sie legen Wert auf feste Gewohnheiten und Rituale.

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Obwohl diese Menschen meist sehr intelligent sind, fällt es ihnen schwer, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sie kapseln sich meist ab. Häufig tritt das Syndrom zusammen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Zwängen oder Ticks auf. Je nach Ausprägung der Symptome kann ein Asperger-Autist ein fast normales Leben führen, ein anderer benötigt lebenslange Unterstützung.