Drama um einen Wal in der Ostsee. Er sitzt in einer Todesfalle.
Drama in der OstseeWal in Todesfalle – weil das Wasser zu süß ist

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Seenotrettungsboot Felix Sand auf See.
In der Ostsee ringt ein Buckelwal um sein Leben, und die Zuversicht auf seine Rettung schwindet zusehends. Die Meeresbiologin Anja Gallus bewertet die Situation als äußerst kritisch. „Wir hoffen alle, dass der Wal überlebt. Aber aus unserer wissenschaftlichen Erfahrung schätzen wir die Überlebenschancen dieses Tieres als sehr gering ein“, äußert sich die Spezialistin. Der Grund für die düstere Prognose: Das Tier hat erhebliche Hautschäden, durch welche Bakterien und Viren mühelos in seinen Körper eindringen und potenziell schwere Krankheiten verursachen können.
Doch die größte Gefahr stellt das Wasser dar. Für den gigantischen Meeressäuger ist die Salzkonzentration in der Ostsee gefährlich gering. Im Atlantik liegt der Wert bei circa 35 Promille, im Vergleich dazu beträgt er in der westlichen Ostsee lediglich Werte von zehn bis zu 15 Promille. Seine schlechte Verfassung wird durch mehrfache Strandungen in Niendorf, Wismar sowie bei Poel/Kirchdorf verdeutlicht. Die Route zurück in den Atlantik wäre selbst bei einer Befreiung extrem eng, vergleichbar mit einem „Nadelöhr“. Das berichtet „FOCUS online“.
Was passiert, wenn der Wal stirbt?
Für den Fall, dass das Tier stirbt, existiert ein festes Protokoll. Die Verantwortlichkeiten sind klar verteilt, abhängig davon, ob sich der Wal in den Hoheitsgewässern von Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein aufhält. Üblicherweise birgt man verendete Meeresbewohner, beispielsweise Schweinswale oder Robben, und transportiert sie für eine Analyse nach Stralsund. Experten ermitteln dort die genaue Todesursache sowie den allgemeinen Gesundheitszustand. Ein identisches Vorgehen ist für den Buckelwal vorgesehen.
Falls die Strandung an einem anderen Ort erfolgt, übernimmt das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) die Verantwortung. Diese Vorgehensweisen bestehen schon seit vielen Jahren. Das Bergen des Tieres stellt eine große logistische Aufgabe dar, für die schweres Gerät wie Schiffe oder auch Bagger benötigt wird. Im Anschluss an die wissenschaftlichen Analysen wird der Kadaver in einer Tierkörperbeseitigungsanlage eingeäschert. Lediglich an äußerst entlegenen Stellen, fernab von Menschen, würde man den toten Körper der Natur überlassen, wo er hunderten von Spezies als Nahrungsquelle dienen könnte.
Warum schwimmen Wale überhaupt in die Ostsee?
Aber wie verschlägt es einen Buckelwal überhaupt in die Ostsee? Für Großwale stellt dieses Meer kein angestammtes Habitat dar; sie gelten hier lediglich als „Gäste“. Die einzige Walart, die in diesen Breiten heimisch ist, ist der kleine Schweinswal. In der Regel bewegen sich Buckelwale im Frühjahr aus den wärmeren Zonen am Äquator Richtung Norden, um dort Krill und Fische zu jagen.
Weshalb einzelne Exemplare in die Ostsee gelangen, ist nicht geklärt. Man kann darüber nur spekulieren. „Gerade männliche Buckelwale sind neugierig und inspizieren solche Einmündungen“, erläutert Gallus. Es könnte auch sein, dass das Tier einem Schwarm Heringe nachgeschwommen ist, welche im Frühjahr zum Ablaichen in die Ostsee wandern. Ein weiterer möglicher Grund wäre eine Rast in seichten Gewässerzonen.
Hat Lärm den Wal orientierungslos gemacht?
Im Gegensatz zu Zahnwalen verfügen Buckelwale nicht über eine Echoortung zur akustischen Wahrnehmung ihrer Umgebung und sind an die Weiten der Ozeane angepasst. Ihr Orientierungsvermögen kann durch die seichten Wasserzonen sowie die zahlreichen Buchten und Inseln der Ostsee erheblich beeinträchtigt werden. Zudem ist es denkbar, dass Lärm von Schiffen oder durch Rammarbeiten bei Windkraftanlagen den Meeressäuger irritiert hat.
Als Auslöser schließt man allerdings militärische Aktivitäten, wie etwa ein Manöver der Nato im Februar 2026, aus. Derartige Übungen wirken sich vor allem auf Zahnwale aus, und es liegen keine Anzeichen für eine Zunahme von gestrandeten Schweinswalen vor. Darüber hinaus sind Sichtungen von Großwalen in der Ostsee kein neuartiges Ereignis. Bereits vor 200 Jahren hat man wiederholt große Wale beobachtet, wenngleich nicht jeder Vorfall erklärbar ist. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

