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„Wie ein altes Ehepaar“Brisante Mails in Bremer Staatsräte-Affäre

Kristina Vogt, Andreas Bovenschulte und ein Mann

Kristina Vogt, Andreas Bovenschulte und ein Mann.

Eine Senatorin aus Bremen gerät durch geheime Nachrichten unter Druck.

Was für eine herzergreifende Nachricht! Eine E-Mail mit ordentlich Sprengstoff kam am 29. September 2023 von Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Darin steht: „Ich habe dir von unserem ersten Telefonat an vertrauen können“. Außerdem: „du warst immer für mich da, hast mich beschützt“. Außenstehende hätten die zwei wahrgenommen „wie ein altes Ehepaar“. Ihre Nachricht endete mit: „In tiefer Dankbarkeit, Deine Kristina“.

Empfänger dieser glühenden Zeilen war Sven Wiebe, ihr Staatsrat und somit die Top-Kraft in der Wirtschafts-Behörde. Doch allen Lobeshymnen zum Trotz wurde der damals 60-Jährige von Vogt Ende September 2023 in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Und das mit einer fetten Abfindung: Ungefähr 8000 Euro Übergangsgeld jeden Monat und komplette Pensionsansprüche. Das Problem dabei: Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts auf Untreue. Das berichtet „DER SPIEGEL“.

Doch die Causa Vogt scheint in der Hansestadt kein Einzelfall zu sein. Ermittlungen laufen auch gegen die frühere Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf (Grüne). Diese hatte ihre Staatsrätin Irene Strebl mit einem ähnlich vorteilhaften Deal in den Ruhestand geschickt. Im Oktober 2025 nahm Moosdorf ihren Hut. Jetzt soll ein von CDU und FDP initiierter parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Hintergründe von insgesamt fünf solcher Abschiede von Staatsräten sowie einen weiteren Personalfall durchleuchten.

Die Frage, die sich stellt: Sind hier öffentliche Gelder verschwendet worden, um loyalen Mitarbeitern einen vergoldeten Frühruhestand zu spendieren? Zwar gestattet das Gesetz, Beamte in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen, allerdings lediglich bei politischen Unstimmigkeiten. Davon war aber nie die Rede. Ganz im Gegenteil: In seiner Abschiedsnachricht vom 22. September 2023 nannte Wiebe persönlich einen völlig anderen Anlass für sein Ausscheiden. Der Beruf lasse ihm nicht genug Zeit, um seiner „Verantwortung als Vater eines kleinen Sohnes gerecht zu werden“.

Als der Skandal ans Licht kam, schlug Vogt auf einmal ganz andere Töne an. Gegenüber dem Magazin „buten un binnen“ teilte sie im November 2025 mit, Wiebe sei „zunehmend nicht mehr erreichbar gewesen“ und hätte Verabredungen versäumt. „Irgendwann musste ich die Reißleine ziehen“, sagte die Senatorin. Die herzlichen Mails begründete ein Sprecher von Vogt damit, dass die Politikerin interne Konflikte nicht schriftlich eskalieren wollte. Der CDU-Abgeordnete Jens Eckhoff findet die plötzliche Kritik einfach nur „unglaubwürdig“.

Für die Bremer Linke kommt die ganze Sache rund ein Jahr vor der nächsten Bürgerschaftswahl zur Unzeit und ist eine Katastrophe. Doch die Partei steht zu Vogt und startet eine Gegenoffensive. Der Untersuchungsausschuss sei „destruktiv“ und reine „Geldverschwendung“, meint Fraktionschefin Sofia Leonidakis. Währenddessen hat die CDU einen Misstrauensantrag angekündigt und beschuldigt die Partei, linksextremen Gruppierungen zu nahezustehen.

Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) rückt nun ins Visier. Im Jahr 2019 hatte er selbst seine damalige Gattin Ulrike Hiller (zu der Zeit 54), die auch eine hohe Beamtin war, mit üppigen Zahlungen in den Ruhestand befördert. Sein Argument: Er habe seine Mannschaft neu formieren und dem Vorwurf entgehen wollen, „zu Hause am Küchentisch zu regieren“. Mittlerweile sind die beiden getrennt. Juristisch ist die Angelegenheit verjährt. Bovenschulte bemüht sich um Schadensbegrenzung und bezeichnete die Kommunikation bei den jetzigen Fällen als „sicher ein Fehler“. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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