„Ging geil ab” Besuch im Puppen-Puff zeigt, warum viele Männer Sex mit Silikon wollen

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Die beliebten Puppen im Bordoll in Dortmund (aufgenommen im März 2019).

  • Im „Bordoll” können Männer zwischen 16 Sex-Puppen auswählen – EXPRESS stellt einige im Video vor.
  • Immer mehr Kunden kommen und wollen herumexperimentieren. Nur ein Hype oder der Puff der Zukunft?
  • Auch Frauen kommen in den Puppen-Puff. Und manche von ihnen haben einen ganz besonderen Wunsch.

Dortmund – Von wegen nur Mädchen spielen mit Puppen! Immer mehr Männer besuchen das „Bordoll” in Dortmund – Deutschlands ersten Puppenpuff. Hier bezahlen sie, um mit Silikon statt mit Frauen ins Bett zu gehen. Und ihre sexuellen Fantasien ungehemmt auszuleben. EXPRESS hat die Gummi-Mädels und ihre Puff-Mutti Evelyn Schwarz im „Bordoll” besucht. Und dabei Überraschendes herausgefunden. 

Hier den EXPRESS-Besuch im „Bordoll” im Video ansehen:

„Heute ein tolles erstes Mal mit Miranda. Ein bisschen warm miteinander mussten wir schon werden, aber dann ging es später richtig geil ab. Bester Sex seit langer Zeit“, schreibt „Sven“. Die hübsche Miranda, sie hat hellbraune Haare, eine gebräunte Haut. Sie ist 1,68 Meter groß, hat Körbchengröße Doppel-D.

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„Angel” ist eine der beliebtesten Puppen im „Bordoll” in Dortmund.

Miranda meckert nicht, sie fragt nicht, sie will nichts. Miranda tut einfach, was „Sven“ von ihr will. Selbst, wenn er ihre Arme und Beine in die unmöglichsten Positionen verdreht, hört er keinen Mucks von ihr. Denn sie ist keine normale Prostituierte, sie ist eine „Real Doll“, eine hochmoderne Sex-Puppe. Eine von 16 Puppen, die auf der Couch von Evelyn Schwarz sitzen.

Sie betreibt Deutschlands ersten Puppen-Puff, das „Bordoll“. 

Wer Sex mit Miranda, Ciara, Olga oder Diana haben möchte, der muss in ein kleines Gewerbegebiet im Osten von Dortmund fahren. In einem unscheinbaren Backsteinhaus, zwischen einem Metallbauer und einem Hersteller für Kolbenbolzen, da liegt das „Bordoll“. Dutzende Kunden kommen jeden Tag hierher, so wie eben „Sven“, der sein letztes Erlebnis mit Miranda im Online-Gästebuch mit anderen teilte.

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Herrin über die Silikon-Frauen im „Bordoll”: Evelyn Schwarz

Wer durch die Tür in der ersten Etage tritt, gelangt in einen gemütlichen Empfangsbereich. Ein künstlicher Kamin knistert hier, auf einem Bildschirm läuft ein Porno (mit echten Frauen), auf dem Tisch stehen Süßigkeiten. Und auf der Couch und auf den Sofas sitzen die künstlichen Frauen, warten auf ihre Gäste, auf den nächsten Kunden. Starrer Blick, sexy Kleidung. Zu allem bereit.

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Die Haare der Sexpuppen können abgenommen und gewaschen werden. 

„Nein, alles darf man nicht mit ihnen machen“, erklärt Puffmutti Evelyn Schwarz (31), während sie die Haare von „Yoyo“ hübsch macht. „Kratzen und Beißen mag die Puppe gar nicht. Außerdem herrscht bei uns Gleitgel-Pflicht.“ Und auch wenn man es bei ihr nur mit „Gummi“ treibt, ist Kondom hier – anders als in anderen Bordellen – nicht vorgeschrieben. „Außerdem wollen wir nicht, dass der Mann der Puppe ins Gesicht spritzt. Die Haare sind zwar abnehmbar, aber das ist unmöglich wieder rauszuwaschen.“

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Für jeden Geschmack ist im „Bordoll” etwas da.

Wenn Evelyn Schwarz die Gäste durch ihr Etablissement führt, ist sie sichtlich stolz. Dann zeigt sie auch eine ihrer beliebtesten Puppen, „Angel“. Eine sogenannte „Big-Breast and Booty-Doll“, sprich: großer Hintern, pralle Brüste, wie vom Designer-Chirurgen. „Cup H / Maße 90-56-102 cm / Gewicht 35 kg“, so wird sie auf der Internetseite des „Bordolls“ angeboten.

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Nach ihrem Einsatz werden die Puppen wieder angezogen und geschminkt.

„Bei uns gibt es aber Puppen in allen möglichen Farben und Formen“, erklärt sie. „Yuki“ mit den blauen Haaren gleicht einer japanischen Mangafigur, „Emily“ ist schmal gebaut und kleiner, „Zora“ hat riesige ausladende Hüften und einen großen Hintern. „Wenn wir die nach der Benutzung aus dem Zimmer tragen müssen, heben wir uns fast einen Bruch“, lacht Evelyn.

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Diego (2.v.r., Haare helllbraun, Augen blau-grün) ist der Hahn im Korb. Und nicht nur bei Frauen beliebt.

Manche der Frauen können sogar stöhnen bei Berührung. Ähnlich wie ein Teddybär, nur kommt statt Brummen ein „Aaaaah“ aus dem künstlichen Gesicht, sobald man die Brüste anfasst. „Touch-Voice-System“ heißt das. „Kann man aber auch ausstellen“, erklärt Evelyn. „Nicht jeder will, dass die Puppe herumschreit, wenn man mit ihr zugange ist.“

Die Haut der Silkon-Puppe fühlt sich an wie Kuchenteig

Die Haut der Puppe fühlt sich kalt und weich an, ein bisschen wie Kuchenteig, der schon eine Weile liegt. „Die nimmt aber die Körperwärme sehr schnell an und speichert sie auch. Dann ist sie gefühlsecht“, verspricht Evelyn. Die Brüste haben die Konsistenz von Gummitieren, der Mund fühlt sich an wie ein Marshmallow. „Auch bei den Puppen können die Männer zwischen drei Löchern wählen“, so Evelyn.

Doch nicht nur Frauen, auch ein Puppen-Mann ist sehr beliebt, auch bei den Männern. „Diego“ mit dem 15-Zentimeter-Penis. „Doch auch bei den meisten weiblichen Modellen lässt sich bei Bedarf ein Penis installieren“ – für viele ein Extra-Kick. „Shemale”-Kit heißt das dann.

Seit Mai 2017 gibt es das „Bordoll“ mittlerweile, davor hat Evelyn ein klassisches Bordell betrieben, SM-Studio inklusive. Wegen einer „Not mit den echten Frauen“ musste sie aber Umdenken, erklärt Evelyn. Sie fand keine passenden Prostituierten.

„Bordoll” in Dortmund: Die Sex-Puppen-Idee stammt aus Japan

Und dann eröffnete im Frühjahr plötzlich in Barcelona der erste Puppenpuff in Europa, Evelyn sah die Chance, ein ähnliches Etablissement in Deutschland aufzumachen. „Die Idee kommt aus Japan“, erklärt Evelyn. „Dort sind unzählige Bordelle mit Puppen schon längst erfolgreich.“ Klar, schließlich hat ein solches Bordell viele Vorteile: „Die Frauen sehen immer gut aus, sie sind nie krank, sind ständig verfügbar. Und sie zicken auf dem Zimmer nicht rum“ , erklärt Evelyn.

So eine lebensechte Puppe kann locker 2.000 Euro kosten, Evelyn kauft sie von Spezialhändlern direkt aus Japan. Ihre Haut besteht aus Thermoplastischen Elastomeren, leicht zu reinigen. Ein spezielles Edelstahl-Skelett sorgt dafür, dass sie sich in jede Position biegen lassen. Gleitgel sorgt für die nötige Feuchtigkeit, damit nichts einreißt.

Bei der ersten Puppe „Anna” war das Rückrat gebrochen

Eine Frau, die nicht meckert und sich den Wünschen der Männer hingibt – die Silikon-Frauen sind zwar sehr strapazierfähig, trotzdem halten sie nicht alles aus. Bei einer der ersten Puppen, „Anna“, war das Rückrat gebrochen. Eine andere Puppe hatte nach der Benutzung ein zweites Poloch. „Doch meistens benehmen sich die Männer“, sagt Evelyn. „Und halten sich an unsere Regeln.“

Doch was sind das für Typen, die ein Bordell besuchen, um Sex mit Gummipuppen zu haben?

Wer sind die Männer, die lieber Sex mit Puppen als mit Frauen haben?

„Zu uns kommen alle, vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Rechtsanwalt. Auch bekannte Gesichter sind hier zu sehen“, erklärt Evelyn. „Manche hatten nie Sex mit Frauen. Andere haben Kinder und eine Ehefrau, die sie aber nicht betrügen wollen.“ Spezielle Vorlieben hätten die Männer für den Sex nicht. Die Puppen würden eben aussehen wie Topmodels. „So eine Frau würden viele im richtigen Leben vielleicht gar nicht ansprechen.”

Doch warum lieber Puppen statt richtige Frauen?

Erstens: „Wer Sex mit Puppen hat, kann ganz egoistisch sein”, erklärt Evelyn. „Die Männer können sich voll und ganz auf sich selbst konzentrieren, auf ihre eigene Lust, und müssen nicht auf die Wünsche von anderen achten. Darauf, auch ihr Gegenüber zu befriedigen.” Der Druck ist weg.

Zweitens: Männer könnten außerdem die Fantasien auf das Stück Silikon projizieren, ohne irgendwie dafür verurteilt zu werden.

Und drittens: Puppen beurteilen auch keine körperlichen Defekte oder sexuelle Fähigkeiten der Männer. 

Gerade deshalb sei ein Puppen-Puff in der modernen Gesellschaft sehr gefragt: „Der Sex geht schnell, man spart Zeit. Er ist günstiger, man spart also auch Geld. Und man kann ganz und gar egoistisch beim Sex sein.”

Doch Überraschung: Ab und zu kämen auch Frauen, erklärt Evelyn. Und einige von ihnen wollen dann ihrem Mann eine Stunde mit einer Puppe schenken. „Und die selbst gehen dann zum Friseur oder die Nägel machen“, schmunzelt Evelyn.

„Bordoll”: 30 Minuten kosten 50 Euro, eine Stunde 80 Euro

Natürlich läuft alles ganz diskret. 30 Minuten mit einer Doll kosten 50 Euro, eine Stunde 80 Euro. Wer fünf Stunden Spaß will, blecht 350 Euro.

Manche nehmen gleich zwei Puppen mit aufs Zimmer. Viele Stammgäste reservieren schon vor, damit ihre Lieblingspuppe sicher verfügbar ist. „Natürlich haben wir für jeden Fetisch etwas: Wir haben ein Krankenzimmer, Dildos, Sexspielzeuge“, sagt Evelyn. 

Und nach der Benutzung desinfiziert die Hausdame die Puppe, trägt sie in eine Dusche, um sie zu reinigen. Danach wird sie angekleidet und geschminkt. Und weil sie keine Pause braucht, ist sie direkt wieder einsetzbar, für den nächsten Kunden.

Stilisiert eine Puppe die Frau zum bloßen Sexobjekt?

Keine Migräne, immer bereit, wenn man es will – ist das nur ein skurriler Hype oder tatsächlich die Zukunft der Bordelle?

Kritiker sagen, die Puppe würde das Bild der unterwürfigen Frau zurück in die Köpfe der Männer bringen. Die Frau, und sei es nur als Puppe, wird zum bloßen Sexobjekt. Evelyn entgegnet, genau das Gegenteil sei der Fall. „Durch die Puppe werden Sexarbeiterinnen und Frauen entlastet. Der Mann kann seine Fantasie an einem Sex-Spielzeug ausleben, in einem geschlossenen Raum und unter Kontrolle. Dieser Frau kann man nicht wehtun.“

Studie: Jeder Dritte würde mit einem künstlichen Sex-Partner schlafen

Die Deutschen jedenfalls sind aufgeschlossen für den künstlichen Sex-Partner: Ungefähr jeder Dritte würde mit einem Sex-Roboter schlafen, fand kürzlich die Zukunftsstudie „Homo Digitalis“ von BR, Arte und ORF sowie dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) heraus.

Und über die Hälfte würde es nicht oder nur vielleicht stören, wenn ihr Partner Sex mit einem Roboter hätte. Verlieben könnten sich aber nur acht Prozent vorstellen. Das deute darauf hin, dass Sexroboter vor allem als Spielzeug und nicht als Menschen-Ersatz wahrgenommen werden, so auch das Fazit der Studie.

Vermutlich hilft am Ende ein entspanntes Verhältnis zu Sex-Robotern und Sex-Puppen. „Wenn Sex mit Robotern irgendwann tatsächlich üblich wird, ist es nur noch eine Variante unter mehreren, Sex zu haben”, meint Sexualtherapeut Ulrich Clement bei „Zeit online”.

Ein Roboter sei eben noch lange kein Mensch. Und er tauge auch nicht als stressfreier Lebenspartner. „Wäre eine Beziehung völlig reibungslos, würde sie schnell langweilig.”

Im März ist „Pangi” dazugekommen

Im „Bordoll“ jedenfalls geht es alles andere als langweilig zu – Sex mit Silikon ist hier schon längst Alltag. Die Puppen sind hier so beliebt wie nie, immer mehr Männer wollen Sex mit einer „Real Doll“ ausprobieren. „Und 70 Prozent von ihnen werden dann zu Stammkunden.“

Im März ist eine weitere Gummi-Kollegin dazugekommen: Nun sorgt auch die rothaarige „Skinny-Doll“ Pangi für echte Frühlingsgefühle. Und wartet darauf, dass sie die nächste ist, die in ein Zimmer getragen wird.

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