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Herz-Aktion im Blackout88-Jährige findet bei Fremden ein Zuhause

Nächtliche Stadt mit Schnee und vielen Lichtern

Berlin-Zehlendorf: Längster Stromausfall der Nachkriegsgeschichte fordert Gemeinschaft.

Dunkelheit über Berlin, doch Wärme in den Herzen.

Mitten im Stromausfall-Chaos schwappt eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft durch Berlin-Zehlendorf! Der südwestliche Teil der Metropole durchlebt die längste Strompanne seit dem Krieg. Und mittendrin steckt Johanna Schröder, eine 88 Jahre alte Dame. An Tag drei ohne Elektrizität, am Montagabend, wird es in ihrem Zuhause bitterkalt, denn auch die Heizung gibt den Geist auf. Die ältere Dame erträgt es nicht länger und kommt nur für einen Moment heim, um einige ihrer Dinge zu packen. Sie selbst bezeichnet die gesamte Lage als ein „Abenteuer“.

Die Emmaus-Gemeinde wird für die Seniorin zur rettenden Oase. Ehrenamtliche Helfer haben dort einen Treffpunkt geschaffen, der warme Mahlzeiten und Strom bietet – das wohl wertvollste Gut in diesen Zeiten. Daheim bei Johanna Schröder funktionierten weder Radio noch Telefon, weshalb sie zunächst keine Ahnung hatte, was überhaupt passierte. „Letzte Nacht war nicht gut, ich habe echt gefroren“, erzählt sie. Dort im Gemeindehaus bekommt sie nicht nur Hilfe, sondern es wird ihr sogar ein Schlafplatz für die Nacht angeboten. Das berichtet „DER SPIEGEL“.

Frank und Annette Blömer, ein Ehepaar, boten kurzerhand ihr Gästezimmer an. Am Abend begegnen sie ihrer neuen Mitbewohnerin, die sie gerade mal eine halbe Stunde zuvor kennengelernt haben. „Sie wussten ja nicht, was auf Sie zukommt“, sagt Johanna Schröder beim ersten Kennenlernen. Die Reaktion der Blömers ist entspannt: „Wir lassen uns mal überraschen.“ Zusammen machen sie sich auf den Weg zur Wohnung des Ehepaars, welche nur einen Katzensprung entfernt ist.

Dort wird zur Begrüßung erstmal ein heißer Tee serviert. Da die zwei Töchter des Paares schon nicht mehr zu Hause wohnen, gibt es reichlich Platz. Die frisch gegründete Wohngemeinschaft auf Zeit harmoniert auf Anhieb. „Das sind so angenehme Gastgeber, dass ich mich da bestimmt wohlfühlen werde“, freut sich die 88-Jährige. Die spontane Geste erklärt Annette Blömer ganz unkompliziert: „Wir haben überlegt: Wie viele Menschen können wir aufnehmen (...). So ein bis zwei Menschen können ja bequem in dem Zimmer übernachten.“

Am folgenden Morgen herrscht nach dem Frühstück zusammen aber eine leicht bedrückte Atmosphäre. Johanna Schröder verspürt trotz all der lieben Aufnahme den Drang, in ihre eigenen vier Wände zurückzukehren. Die ungewohnte Umgebung, das andere Bett – das alles war anscheinend doch eine Nummer zu groß. „Ein bisschen bängelig, bisschen bange, dass es doch noch kalt ist da“, gibt sie zu. Dafür hat Frank Blömer vollstes Verständnis und sichert zu: „Gesetzt den Fall, dass es doch noch kalt und nicht wieder hergestellt ist, kann sie jederzeit erneut hier übernachten.“ Er fährt seine Mitbewohnerin auf Zeit wieder zurück in ihre Wohnung. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.