Auf dem Meeresboden lauert ein Wrack aus Sowjetzeiten – eine tickende Bombe.
Atom-Alarm im NordmeerVersunkenes U-Boot strahlt 800.000-mal stärker als normal

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Ein sowjetisches Atom-U-Boot auf dem Meer.
Aktualisiert
Tief unten im Europäischen Nordmeer lauert ein verborgenes Risiko. Wissenschaftler stellten bei dem versunkenen sowjetischen Nuklear-U-Boot „Komsomolez“ alarmierend hohe Radioaktivitätswerte fest.
Seit dem Jahr 1989 befindet sich das U-Boot in beinahe 1.700 Metern Tiefe und setzt weiterhin Strahlung frei.
Die alarmierenden Resultate wurden von einer Gruppe unter der Leitung von Justin Gwynn, der für die norwegische Behörde für Strahlenschutz tätig ist, in der Fachzeitschrift „PNAS“ publiziert.
Meeresfauna beim Wrack schon kontaminiert
Für das Isotop Cäsium-137 ergaben die Analysen Werte, die das übliche Level um das bis zu 800.000-fache übersteigen. Die Belastung durch Strontium-90 erreichte einen bis zu 400.000-fach höheren Wert. Üblicherweise beträgt die Aktivität dieser beiden Substanzen in der Meeresregion lediglich einen Wert von einem Becquerel pro Kubikmeter. Das berichtet „t-online“.
Unmittelbar an einem Ventilationsrohr am U-Boot-Turm sowie bei einem nahen Gitter wurden die Spitzenwerte registriert. An dieser Stelle entnahmen die Forscher auch Muster von Meeresorganismen.
Die Analyse zeigte: Nachweislich erhöhte Konzentrationen von Cäsium-137 fanden sich in Weichkorallen, Seeanemonen und Schwämmen.
Die Gruppe notiert: „Obwohl diese Werte nicht so hoch sind, dass bedeutsame Auswirkungen zu erwarten wären, liegen sie über den für Bodenorganismen aus dem Europäischen Nordmeer üblichen Werten“. Es gibt jedoch einen Lichtblick: Die bedeutenden Fischpopulationen sind momentan außer Gefahr.
Das „Komsomolez“-Unglück zur Zeit des Kalten Krieges
Auf tragische Art ging die „Komsomolez“ am 7. April 1989 unter. Inmitten der Ära des Kalten Krieges entstand in etwa 400 Metern Tiefe ein Brand im hinteren Teil des Bootes.
Die Mannschaft probierte, mittels Flutung der Ballasttanks an die Oberfläche zu gelangen. Dabei ereignete sich jedoch das Desaster: Ein Rohr gab nach, komprimierte Luft strömte in eine Sektion des U-Boots und der Brand eskalierte explosionsartig.
Zwar erreichte das Boot die Wasseroberfläche, ging aber wenig später aufgrund einer undichten Stelle unter. Nur 27 von den 69 Personen an Bord konnten gerettet werden.
Russland unternahm 1994 den Versuch, das Risiko zu minimieren, indem die Torpedoschächte und weitere Öffnungen mit Platten aus Titan verschlossen wurden.
Das Wrack steht seit 2013 unter norwegischer Beobachtung. Eine Inspektion mit ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen, die 2019 stattfand, ergab, dass die Abdichtungen weiterhin halten. Anscheinend entweicht kein Plutonium aus den Gefechtsköpfen im Torpedobereich.
Lauert am Meeresboden eine tickende Bombe?
Jedoch deuten deutliche Hinweise darauf hin, dass radioaktive Substanzen aus dem Kernreaktor und dem eingelagerten Kernbrennstoff zerfallen und freigesetzt werden.
Von den anfänglichen 29 Billiarden Becquerel an Radioaktivität des Reaktors sind nach Schätzungen noch drei Billiarden Becquerel vorhanden. Die Forschungsgruppe rät deshalb eindringlich zu einer fortgesetzten Beobachtung des Wracks.
Die Bedrohung, dass weiterhin radioaktive Teilchen aus dem Reaktor und den beiden an Bord gelagerten Nuklearsprengköpfen austreten könnten, bleibt bestehen. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

