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Vor Flug ins All Deutscher Astronaut plaudert Unterhosen-Geheimnis aus

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer fliegt bald ins All. Auf dem Foto (aufgenommen 25. September 2018) sieht man Matthias Maurer, ESA-Astronaut, der in einem Modell des Columbus-Moduls der Internationalen Raumstation ISS steht.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer fliegt bald ins All. Auf dem Foto (aufgenommen 25. September 2018) sieht man ihn in einem Modell des Columbus-Moduls der Internationalen Raumstation ISS.

Auf einer Raumstation gibt es ein Platzproblem – das ist den meisten bekannt. Doch welche Folgen das nach sich zieht, blieb bisher eher unentdeckt. Jetzt äußert sich Astronaut Matthias Maurer dazu und plaudert dabei das ein oder andere Geheimnis aus. 

Houston. Ende Oktober ist es soweit. Dann geht es für den deutschen Astronauten Matthias Maurer (51) ins All. Daher heißt es jetzt wohl: Koffer packen. Doch warum trägt ein Astronaut seine Kleidung so lange am Stück? Matthias Maurer  hat dieses und andere Wäschegeheimnisse nun ausgeplaudert.

„Für meine sechsmonatige Mission habe ich sechs Hosen dabei, also eine pro Monat“, sagte Maurer der Deutschen Presse-Agentur. Seine Unterwäsche wechsele er alle drei Tage.

Astronauten können auf der ISS keine Wäsche waschen

Und ein T-Shirt ziehe er eine Woche lang an - plus dann in der Folgewoche noch zum Sport. Man müsse schon aufpassen, dass man sich nicht schmutzig mache. „Denn an Bord der ISS haben wir keine Möglichkeit, unsere Wäsche zu waschen.“

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Erstmals seit drei Jahren fliegt am 30. Oktober wieder ein Deutscher ins All – und Matthias Maurer kann den Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida kaum erwarten. „Da draußen ist so viel, was wir noch nicht erforscht haben und noch nicht verstehen. Und dieses unglaubliche Abenteuer, den Weltraum und alles, was darin vorkommt, zu entdecken, ist einfach faszinierend“, sagt Maurer voller Vorfreude auf seine Entdeckermission auf der Internationalen Raumstation ISS. Die Kleidung, die er trage, sei keine private, sondern Standardkleidung für Astronauten, sagte er.

Sternschnuppe ist vielleicht nur brennende Wäsche aus der ISS

„Was wir nicht mehr brauchen, wird in eine Kapsel gepackt, die dann verglüht. Wenn man also eine Sternschnuppe sieht, könnte das durchaus auch die schmutzige Kleidung von der Station sein.“

Nach seinem Start zusammen mit drei US-Kollegen - zwei Männer und eine Frau - wird Maurer der zwölfte Deutsche im All sein und der vierte Deutsche auf der ISS. Als erster Deutscher wird er mit einer „Crew Dragon“-Kapsel zum fliegenden Labor gelangen. Das ist auch ein Zeichen für den Paradigmenwechsel im Weltraum: Maurers Vorgänger sind etwa mit russischen „Sojus“-Kapseln oder dem US-amerikanischen Space Shuttle zum Koloss im Kosmos gereist. Maurers Raumschiff hingegen stammt von der Privatfirma SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk.

Matthias Maurer mit 51 Jahren ältester Deutscher bei Erstflug ins All

Mit 51 Jahren ist Maurer der älteste deutsche Raumfahrer bei einem Erstflug. Der Mann mit einem Doktortitel in Materialwissenschaft ließ nach seiner Esa-Bewerbung mehr als 8000 Kandidaten hinter sich.

Jahrelang trainierte er für die Reise in die Schwerelosigkeit, unter anderem in Moskau. Sein Russisch sei zwar nicht so gut wie sein Englisch, sagt „Deutschlands nächster Mann im All“. Aber falls er wie geplant während seiner Mission ins All aussteige, trage er einen russischen Raumanzug. „Dann muss ich Russisch sprechen. Ich könnte zwar zu Englisch wechseln, will es aber auf Russisch schaffen.“

Astronaut Maurer: „Im Extremfall können wir auch einen Zahn ziehen“

Überhaupt sei die sehr umfassende Ausbildung vom Wissenschaftler zum Techniker bis hin zum Mechaniker eine hervorragende Vorbereitung, sagt Maurer. „Im Fall der Fälle müssen wir unseren Kolleginnen und Kollegen helfen können. Deswegen lernen wir auch, eine offene Wunde zu reinigen, zu nähen, zu klammern oder zu kleben. Im Extremfall können wir auch eine Zahnfüllung reparieren oder einen Zahn ziehen.“

Mit rund 28.000 Stundenkilometern rast die ISS in etwa 90 Minuten einmal um den Erdball. Raumfahrer schwärmen vom Blick auf unseren Planeten. Nachts funkeln Städte als Leuchtfeuer der Zivilisation, tagsüber glitzern Ozeane. Gut ein Dutzend Nationen - neben den USA und Russland vor allem Europäer sowie Japan und Kanada - beteiligen sich an der ISS. Der Forschungskomplex ist seit 2000 dauerhaft von Raumfahrern bewohnt und gilt als technische Großtat - trotz Mängeln. Als bisher letzter Deutscher flog Alexander Gerst 2018 zur ISS.

Neue Erfindungen und Experimente für die ISS

Während seiner Mission namens „Cosmic Kiss“ wird Maurer mehr als 100 Experimente durchführen, davon 36 mit deutscher Beteiligung. Eins davon ist ein Fitnessanzug mit eingebauten Elektroden, der mit leichten elektrischen Impulsen den Muskelaufbau unterstützt. „Zum Teil haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrere Jahre investiert, um Experimente für die ISS vorzubereiten“, betont Maurer. „Ich werde alles geben, um sie gut und erfolgreich durchzuführen.“

Astronaut Matthias Maurer hat Musik-Playlist fürs All

Und wie nutzt er seine knappe Freizeit an Bord? Vor wenigen Tagen veröffentlichte er eine Liste mit 113 Liedern, die er im All hören möchte, etwa „Sternenhimmel“ von Hubert Kah oder „The Final Countdown“ von Europe. „Ich denke, sie ist ziemlich gut geworden.“

Im Gepäck hat Maurer auch einen Rötelstein aus der Heimat, dem Oberthaler Ortsteil Gronig. Solche Steine habe man einst zum Zeichnen verwendet - und die Oberthaler seien damit bis ans Mittelmeer gereist, um Handel zu treiben. Der Stein stehe für Wissenstransfer mit anderen Ländern, sagt der Esa-Astronaut. „Und genau das machen wir auch heute: Wir fliegen zur ISS als Teil eines internationalen Teams, und der Rötelstein soll ein Zeichen dafür sein, was man erreichen kann, wenn man gemeinsam etwas Großes angeht.“

Matthias Maurer wird am 30.10.2021 ins All fliegen

Frühmorgens soll Maurer am Samstag (30. Oktober) mit den Nasa-Astronauten Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron zu den Arbeitsplätzen im All fliegen. Das Andocken wird für Sonntag erwartet. Auf der ISS arbeitet Maurer dann auch mit russischen Kosmonauten zusammen.

„Ich spreche viele Sprachen, bin als Wissenschaftler kreativ und fotografiere gerne. Ich denke, das sind Punkte, die dazu beitragen, ein Team erfolgreich zu machen“, meint der 51-Jährige. Und falls es doch einmal zum Weltraumkoller kommen sollte? „Dann sprechen wir darüber. Wir sind dafür ausgebildet, dass wir Probleme rechtzeitig ansprechen - bevor sich eine richtige Krise entwickeln kann.“ (dpa)

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