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Nach Zoo-Katastrophe in KrefeldDie besten Geschichten aus dem Affenhaus

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Changi war 2011 der neue Publikumsliebling im Affenhaus.

von Michael Kerst (mik)

Krefeld – Was haben sie uns nicht – wie so vielen Zoobesuchern – für Freude gemacht und ganz nebenbei gute Geschichten geliefert – die Affen aus dem Krefelder Zoo.

Jetzt leben die meisten von ihnen nicht mehr, wurden von der Silvester-Brandkatastrophe hinweggerafft. Wir erinnern uns an die schönsten Geschichten aus dem Affenhaus der letzten zehn Jahre.

2009: Der Affe griff zur Bio-Waffe

Im März 2009 war Vorsicht angesagt, wenn man das Krefelder Affenhaus betreten wollte. Die Übeltäter waren die Schimpansen unter der Führung ihres Chefs „Charly“ (26) – sie bombardierten die Besucher nämlich mit ihrem eigenen Kot.

Zoo-Tierarzt Dr. Martin Straube berichtete: ,,Die Affen legen sich richtige kleine Munitionslager an. Tun, als wenn nichts wäre, warten geduldig den richtigen Moment ab, und dann geht die Post ab.“

Warum sie ausgerechnet mit Kot werfen, wusste er auch: ,,Sie haben mit Früchten und Stroh experimentiert. Und sie haben festgestellt: Kot hat die beste Wirkung. Dann ist vorm Käfig richtig was los.“

Werfen taten nur die Jungs. Straube: ,,Sie wollen ihren Rang klarmachen.“ Bevorzugtes Ziel: Alphatierchen – Männer, die sich wichtig machen. Lieblingsobjekt: Zoo-Direktor Dr. Wolfgang Dreßen.

2010: Drei Maler und ein Baby-Glück

Affen und Kunst – warum nicht? Die Orang Utans „Barito“, „Tilda“ und „Sita“ im Krefelder Zoo konnten von Farbe und Pinsel nicht genug bekommen. Und 2010 bekamen sie sogar einen eigenen Galeristen – natürlich aus Düsseldorf (woher sonst?): Heinz Hachel verkaufte als Affengalerist immerhin 150 Gemälde in die ganze Welt – immerhin zum Stückpreis von 100 bis 420 Euro.

Und gleich am Neujahrstag gab es eine wirklich süße Überraschung im Affenhaus: Weißgesichts-Saki Mathilda brachte ihr achtes Jungtier zur Welt.  Laut Tierpflegerin Rabea Hartmann verlief die Geburt völlig problemlos. Kein Wunder, schließlich war die kleine Mathilda bereits eine routinierte Affen-Mama. Das Jungtier ließ sich von der Mutter durch das Geäst des Affengeheges tragen.

2011: Rothaariger Publikumsliebling

Man hätte ihn auch „King Loui“ (frei nach dem „Dschungelbuch“) taufen können – er hätte auch diesem Namen alle Ehre gemacht.

Aber der Publikumsliebling im Affenhaus hieß 2011 „Changi“ und war ein knapp ein Jahr alter Orang-Utan-Junge. Und selbst diejenigen, die sonst vielleicht eher auf Blondinen oder Brünette standen, ließen sich von dieser rothaarigen Schönheit verzaubern.

Der süße Changi war ein echter Wildfang (natürlich nur im übertragenen Sinne des Wortes): Er hangelte sich unermüdlich durch die dicken Taue im Affengehege und machte allenfalls mal eine Pause, um seiner Affen-Mama Lea gehörig auf der Nase herumzutanzen.

Aber weil Lea ihren Nachwuchs mit wahrer Affenliebe umhegte, nahm sie ihm auch diese Ausgelassenheiten nicht übel.

2012: Ein neues Reich für die Gorillas

Diese Neueröffnung aus dem Jahr 2012 rettete einigen der Krefelder Menschenaffen in der Silvesternacht das Leben – aber das konnte man natürlich vor gut sieben Jahren noch nicht wissen:

Die Gorillas Kidogo und seine Gefährtinnen Muna und Oya zogen in eine nagelneue 360-Quadratmeter-Villa um – mit 1200 Quadratmetern Freigehege drum herum. Die Spielwiese war mit Kletterbäumen und Seilen ausgestattet.

Die neue Anlage hatte 2,3 Millionen Euro gekostet – größtenteils gestiftet von den Zoo-Förderern.

Den Affen machte das ebenso viel Freude wie den Besuchern, die ganz neue Einblicke ins Gorilla-Leben bekommen konnten.

Die Gorilla-Senioren unter der Führung von Männchen Massa blieben hingegen im Affenhaus – sie zählen jetzt zu den Opfern der Katastrophe in der Silvesternacht.

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2013: Ein Gorilla als Seiltänzer

Der Boss Krefelder Gorilla-Gruppe, Silberrücken „Kidogo“, verfügte über ungeahnte Talente: Er wurde 2013 als begnadeter Seiltänzer abgelichtet. „Er macht das häufiger“, erläuterte Zoo-Sprecherin Petra Schwinn damals. „Wenn man etwas Geduld hat und öfter vor dem Gehege vorbeischaut, kann man »Kidogo« mit etwas Glück bei seinen Übungen sehen.“

Dabei ist Seiltanz für einen Flachlandgorilla ein klein wenig ungewöhnlich. „Vielleicht hat »Kidogo« sich das Ganze von den Orang-Utans abgeguckt“, mutmaßte Schwinn.

Jedenfalls wurde der Affe damit zu einem echten Medienstar und bis nach China, in die Türkei und nach England gefeiert.

2017: Pflegerin wurde Affen-Mama

Er ist der einzige Krefelder Orang Utan, der die Feuer-Katastrophe in der Silvesternacht überlebt hat – weil er schlicht und ergreifend nicht „zu Hause“ war.

„Hujan“ war von Pflegerin Eva Ravangi 2017 von Hand aufgezogen worden, weil sich seine Mama „Sungai“ nicht um ihn kümmerte.

Oma Lea übernahm zuerst die Betreuung, aber verstieß den Kleine dann ebenfalls. So wurde Eva Ravangi  quasi über Nacht zur „Affen-Mama“.

Zehn Monate lebte „Hujan“ bei Eva zu Hause, wurde rund um die Uhr versorgt. Dann sollte er zu seinen Artgenossen ins Gehege zurückkehren, aber die Zusammenführung scheiterte. So wurde entschieden, den Affen in die „Monkey World“ in England abzugeben. Und das musste wegen des Brexit 2019 ganz schnell gehen.

Das rettete „Hujan“ am Ende das Leben …