Fass-Problem Düsseldorfer Altbier-Brauerei will mit Tradition brechen – „wirklich sehr schade“

„Uerige“-Baas Michael Schnitzler inmitten der alten Holzfässer. Viele von ihnen haben die Pandemie leider nicht überlebt, wurden durch Austrocknung undicht.

„Uerige“-Baas Michael Schnitzler inmitten der alten Holzfässer. Viele von ihnen haben die Pandemie leider nicht überlebt, wurden durch Austrocknung undicht.

Die Altbier-Brauerei „Uerige“ in Düsseldorf hat ein Problem mit den alten Holzfässern. Jetzt überlegt man, komplett auf Kunststofffässer umzusteigen.

Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen – der Rattenschwanz, den die Pandemie hinter sich her zieht, wird auch für die Hausbrauereien immer länger. Im „Uerige“ schlug Corona buchstäblich dem Fass den Boden aus.

Genauer gesagt, ging es den alten Holzfässern an den Kragen. Nun denkt man darüber nach, das „leckere Dröppke“ nur noch aus Kunststofffässern zu zapfen.

„Uerige“: Problem für die Alt-Fässer ist die Trockenheit 

Teilweise sind die berühmten Holzfässer in den Düsseldorfer Altbiertempeln mehrere Jahrzehnte alt, datieren zurück bis in die 50er Jahre. Sie sind ein Produkt uralter Handwerkskunst, penibel und solide zusammengefügt und mit Eisenbändern gebunden, damit auch ja kein Tropfen nach außen dringt. Massiv, solide, unkaputtbar.

Nur eines kann den alten Holzfässern, im „Uerige“ traditionell mit zwei roten Ringen gekennzeichnet, zum Verhängnis werden: Trockenheit.

Werden die Fässer stets nach dem Leeren zügig wieder befüllt, werden sie gut und gerne über hundert Jahre alt. Geschieht das nicht, trocknen sie aus. Die Fässer werden spröde und schließlich undicht. Sie sind dann nicht mehr zu retten. Diese Erfahrung musste man nun auch im „Uerige“ machen.

Während der Pandemie mit ihren Lockdowns wurde nur sehr wenig Bier gebraut und in Fässern abgefüllt. Die Holzfässer, die leer blieben, gingen nun aus dem Leim.

„Uerige“: Kaputte Holzfässer durch Kunststofffässer ersetzt

„Es ist wirklich sehr schade, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen“, sagt „Uerige“-Baas Michael Schnitzler. Die kaputten Holzfässer hat er nun allesamt durch Kunststofffässer ersetzt. Er überlegt jetzt, generell auf die günstigere, leichtere Variante umzurüsten. Geht damit die Ära der hölzernen Altbierfässer in der „Uerige“-Schwemme zu Ende?

Michael Schnitzler: „Da sind wir uns noch nicht ganz sicher. Fest steht: Es gibt kaum noch Handwerker und Hanswerkerinnen, die solche Holzfässer herstellen können. Der Beruf des Küfners ist so gut wie ausgestorben.“

Das Personal dürfte die Umstellung jedenfalls begrüßen: Es ist ein gewichtiger Unterschied für die Köbesse, ob sie ein 50-Liter-Fass aus massivem Holz und Eisen oder ein Kunststofffass auf den Bock wuchten müssen ... Vielleicht stirbt die gute alte Holzfassromantik aber doch nicht so ganz.

Michael Schnitzler: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir doch noch einige wenige herstellen lassen, die dann nur zu besonderen Anlässen angeschlagen werden.“

„Uerige“ in Düsseldorf: Was passiert mit den ausrangierten Fässern?

Die ausgedienten Fässer kommen währenddessen keineswegs auf den Müll. Sie kriegen ein zweites Leben geschenkt: als Blumenkübel oder Sitzgelegenheiten zum Beispiel. Übrigens: Alle Fans des „leckeren Dröppke“ brauchen nun überhaupt keine Angst zu haben, nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich Abstriche machen zu müssen.

Die Kunststofffässer haben allesamt einen geschmacksneutralen Metallkern. So bleibt das Aroma des guten Altbieres gänzlich unbeeinflusst und so lecker wie eh und je.

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