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Stadtforschung Warum Oberbilk deutlich besser als sein Ruf ist

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Nina Berding hat Düsseldorf-Oberbilk ganz genau untersucht.

Düsseldorf – Oberbilk und kein Ende. Immer wieder gerät der Stadtteil zwischen dem Düsseldorfer Hauptbahnhof in der Innenstadt in die Schlagzeilen – fast immer negativ.

Zuletzt stand er wieder einmal im Fokus, weil ein IS-Verdächtiger bei einem SEK-Einsatz über dem Café Atlas auf der Lessingstraße ins Visier der Ermittler geraten war.
Alles grau, brutal und gefährlich also?

Mitnichten, findet Nina Berding. Die gebürtige Krefelderin beschäftigt sich seit Anfang 2015 so intensiv mit dem vermeintlichen Problem-Stadtteil Düsseldorfs – und kommt zu ganz anderen Erkenntnissen.

„Ich finde sogar, dass Oberbilk ein sehr gutes Beispiel dafür ist, wie das Zusammenleben unterschiedlicher Milieus unter- und nebeneinander funktionieren kann“, sagt sie.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit für das Forschungskolleg Siegen hat sie sich vorgenommen, das kulturelle Miteinander in Stadtbezirken zu untersuchen. Ihre Wahl ist dabei – noch weit vor den Silvesterübergriffen, die den Stadtteil noch einmal in ein anderes Licht gerückt hat – auf Oberbilk gefallen.

„Das Viertel passt perfekt. Es gibt hier eine lange Arbeiter- und Industrietradition, gleichzeitig reden aber auch alle darüber, dass die Gentrifizierung auch hier allmählich einsetzt.
Dazu kommt die Nähe zum Bahnhof, die Ansiedlung vieler verschiedener Nationen und die Tatsache, dass immer mehr Studenten hier ihren Wohnsitz haben“, erklärt sie.

Hinzu komme, dass Oberbilk von Stadtplanungs-Seite lange vernachlässigt worden sei. Man habe zwar erkannt, dass es einen „hohen sozialen Nachholbedarf“ gebe, aber habe mehr geredet, als gehandelt. Sie habe im Laufe ihrer Arbeit den Eindruck gewonnen, dass vieles „an der Bevölkerung vorbei“ geplant worden sei.

Warum Oberbilk gut funktioniert

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Nina Berding hat Düsseldorf-Oberbilk ganz genau untersucht.

Was genau das ist, ist Teil der Doktorarbeit Berdings, die am Ende „zwischen 300 und 500 Seiten haben wird“, wie sie selbst sagt.

Ziemlich viel Holz, das zeigt, wie interessant der Stadtteil ist. Mit rund 50 Anwohnern, Sozialarbeitern und Dienstleistern des Stadtteils hat Berding in den vergangenen Monaten gesprochen und dabei erste Erkenntnisse erlangt.

„Das Problem Sicherheit wird von den Anwohnern gar nicht so sehr wahrgenommen. Über 90 Prozent haben diesen
Aspekt gar nicht angesprochen“, sagt sie.

Das passt so gar nicht ins Bild, das der Stadtteil in der Öffentlichkeit derzeit abgibt. Für Berding ist diese Erkenntnis aber folgerichtig.

In teils stundenlangen Beobachtungen auf dem Lessingplatz, wo teilweise Trinker auf Junkies, Kinder, Studenten und Arbeiter treffen, hat sie erstaunliches festgestellt:

Natürlich lassen sich typische Bahnhofsviertel-Probleme wie Drogen oder Gewalt nicht wegdiskutieren. „Natürlich gibt es das auch hier. Aber das ist kein spezifisches Oberbilk- Problem, das hat jede Großstadt.“

Übrigens: Das oft zitierte „Nordafrikaner-Problem“ hat sie nicht explizit in ihrer Doktorarbeit untersucht.

„Mir ist diese Problematik aber im täglichen Zusammenleben der Menschen auch nicht aufgefallen“, sagt sie und resümiert: „Aber da könnte man mit Sicherheit eine eigene Forschungsarbeit zu schreiben“…

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