„Leute haben Angst zu feiern“ Bald ist Karneval in Düsseldorf und (fast) keiner geht hin

Die Prinzengarde der Stadt tanzt auf der Bühne.

Die Prinzengarde der Stadt, hier ein Foto vom 8. Februar 2017, tritt auch regelmäßig auf Karnevalssitzungen auf. 

Bald startet auch in Düsseldorf der Karneval: Doch in dieser Session läuft vieles anders.

Stell dir vor, es ist Sitzungskarneval, und nur wenige gehen hin! Die Vorverkaufszahlen für die kommende Session sind bei manchen Vereinen sehr schlecht, sodass einige Sitzungen schon jetzt vorsorglich abgesagt werden. Auch zu hohe Miet- und Energiekosten spielen eine Rolle.

So hat die KG Till's Freunde ihren Sponsorenabend am Samstag (5. November 2022) und ihre traditionelle Sitzung während der Session abgesagt.

Karneval in Düsseldorf: Einige Vereine haben schon abgesagt

„Uns ist das derzeit einfach zu unsicher und das finanzielle Risiko zu hoch, wenn wir Künstler und Künstlerinnen buchen und anschließend zu wenig Karten verkaufen“, sagt Geschäftsführer Michael Nolte. „Wir spüren immer noch die Auswirkungen der Corona-Krise und viele Leute haben Angst zu feiern. Außerdem sind die Kosten für die Nutzung der Rheinterrasse nach der starken Mieterhöhung kaum noch zu stemmen.“

Doch Nolte verspricht: „Wir machen nur eine Pause, 2024 geben wir wieder Vollgas, in welcher Location auch immer.“

Auch die Sitzung der Närrischen Wehrhähne im Henkel-Saal fällt aus – aus anderen Gründen. „Wir haben einen komplett neuen Vorstand und müssen dadurch ganz neue Strukturen aufbauen, wieder klein anfangen und neue Mitglieder gewinnen. Aber in Zukunft wollen wir wieder eine Sitzung machen“, so Geschäftsführer und Ex-Karnevalsprinz Christian Erdmann.

Närrischen Marktfrauen: Keine Sitzung, weil die Kosten explodieren

Die Närrischen Marktfrauen küren zwar in jedem Jahr einen Sellerieprinzen, doch auf einer Sitzung wird er sich nicht präsentieren können.

„Strom, Miete und Künstler, die Kosten sind explodiert und gerade für kleinere Vereine kaum noch zu stemmen. Viele, die früher in einer Session fünf oder sechs Sitzungen besucht haben, gehen jetzt vielleicht noch auf zwei. Mit Eintrittskarte, Essen und Getränke ist man schnell mehr als 100 Euro pro Person los. Das können sich viele nicht mehr leisten“, bedauert Präsidentin Cida Klinkhammer die Absage.

„Wenn du 12.000 Euro für Künstlergagen bezahlen musst, aber nur 100 Karten verkaufst, dann kann das für einen Verein schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden führen. Uns ist das in diesem Jahr daher viel zu gefährlich, weil die Kartenverkäufe fast überall schlecht laufen“, sagt Bodo Broix, Präsident der Närrisch Welthus 1893.

Düsseldorfer Karneval: Prinzenpaar hat nur 185 Termine – statt 330

Und auch beim Prinzenpaar standen bis zum Wochenende nur 185 Termine im Kalender. Normalerweise sind es um diese Zeit schon über 330.

„Gerade die Buchungen in Altenheimen finden kaum statt. Ich rechne aber damit, dass bis Ende der Session noch 30 bis 40 Auftritte dazukommen“, sagt Prinzenpaar-Betreuer Marc Frankenhauser.

Auch das Comitee Düsseldorfer Carneval hat Grund zum Klagen. Denn für den traditionellen Hoppeditzball am 11. November im Henkel-Saal sind erst 450 verkauft. Sonst sind es zu dieser Zeit etwa doppelt so viele.

Es gibt auch gut besuchte Karnevals-Veranstaltungen in Düsseldorf

Dass es auch anders geht, zeigt die Prinzenpaarkürung am 18. November in der Stadthalle. Der Vorverkauf läuft so gut, dass das Ticketkontingent von 900 auf 1012 Plätze erhöht wurde. Manche fast ausverkauft Beim AVDK ist der Närrische Dienstag schon fast ausverkauft und auch die Prinzengarde meldet zufriedenstellende Zahlen.

„Jeck im Fuchs ist komplett dicht und für die Sitzung und den Ball gibt es auch nur noch wenige Restkarten. Nur für Altweiber und das Fe-de-Fe im Steigenberger Parkhotel gibt es noch genug Karten. Aber das ist für diesen frühen Zeitpunkt nicht ungewöhnlich“, sagt Präsident Dirk Kemmer.

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CC-Vizepräsident Stefan Kleinehr hofft, dass sich viele Jecken noch kurzfristig entscheiden werden, um eine Sitzung zu besuchen: „Bei der Vielzahl der Veranstaltungen halten sich die Absagen allerdings noch absolut im Rahmen, denn die meisten finden ja statt. Ich habe durchaus Verständnis für die Gründe von einigen Absagen. Aber gerade in diesen schwierigen Zeiten ist das gemeinsame Feiern wichtig, um für ein paar Stunden dem Alltag zu entfliehen und eine fröhliche Zeit haben.“

Das Comitee Düsseldorfer Carneval hat alle Vereine angeschrieben und um Auskunft gebeten, wie der Vorverkauf bei deren Veranstaltungen läuft. (red)

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