Hilfeverein-Vorstand verhaftet Zwei Millionen Euro Flüchtlingshilfe veruntreut

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Großes Foto: Notunterkünfte,  Flüchtlingswelle – Goldgräberstimmung bei Hilfsvereinen wie Zof e.V., dessen Chef Deniz A. (36) nun unter Untreueverdacht verhaftet wurde. Der Verein betreute auch die ausgebrannte Unterkunft auf dem Messegelände

Düsseldorf/Duisburg –  Ein sonst ehrenwerter Flüchtlingshilfeverein steht am Abgrund.

Gegen den verhafteten Deniz A. (36), vor 14 Jahren Mitgründer von „Zof e.V.“ („Zukunftsorientierte Förderung“), ermittelt das Landeskriminalamt.

A. soll 2 Millionen Euro aus Flüchtlingsgeldern veruntreut haben. Ehe die Ermittlungen anliefen, hatte EXPRESS bereits erste Hinweise auf den Missbrauch von Vereins- und Landesmitteln. Den Verein trifft zunächst kein Tatvorwurf.

Für private Zwecke veruntreut

Auf der Höhe der Flüchtlingswelle waren die Städte und das Land in Not. Wohin mit den Flüchtlingen? Notunterkünfte wurden aus dem Boden gestampft und angemietet. Vereine boten sich an, die Flüchtlinge zu betreuen – ein lukratives Geschäft mit Kopfprämien.

Darunter der „Zof“- Verein in Duisburg mit bis zu 1000 Helfern, der sich in der Integration einen Namen machte. Politiker lobten „Zof“, gingen da ein und aus. Und mitten drin immer Deniz A., der sich feiern ließ und hohe Besucher hofierte.

Ein Sprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg zum EXPRESS: „Herr A. steht im Verdacht, rund 2 Millionen Vereinsgelder für private Zwecke veruntreut zu haben, etwa für Schmuck, Urlaubsreisen und Leihwagen. Es wurde Haftbefehl erlassen.“

Kohle für die teure Eigentumswohnung

Doch das Geld ging nach EXPRESS-Recherchen nicht nur drauf für flotte Filtzer auf Vereinskosten, sondern auch für das Sponsoring von mit A. eng verbandelte Sportvereine, deren Sportler (Boxen, Handball) „Zof“-Trikots trugen – mit Emblem eines gemeinnützigen Vereins!

Gegenstand der Ermittlungen sollen auch die Anschaffung einer feudalen Eigentumswohnung in Meerbusch und eine Personal-Kreuzfahrt mit einem Luxus-Party-Schiff auf dem Rhein für über 10.000 Euro sein.

A., dessen Schwester an hoher Stelle in einem NRW-Ministerium arbeitet, konnte jahrelang schalten und walten, wie er wollte. Die Millionen kamen von Bezirksregierungen und vom Land.

Aber im Verein gab es keine Verwendungs-Kontrolle, mangelhafte Buchführung und fragwürdige Rechnungen über Essens-Versorgung und Wachpersonal, dessen Chef auch im „Zof“-Vorstand war – Vetternwirtschaft! Alles auf Kosten des Steuerzahlers.

Keine Stellungnahme

Ein Flüchtlings-Projekt brannte im Juli 2016 (Messehalle) ab. Zur Zeit betreut „Zof“ im Bereich Düsseldorf keine Flüchtlinge mehr.

Bülent A., neuer Geschäftsführer von „Zof“: „Die Vorwürfe gegen meinen Bruder kommentiere ich nicht, sie müssen noch erwiesen werden. Ich arbeite an der Klärung mit, versuche den Verein und die anerkannte Integrations-Arbeit fortzuführen und den Verein neu aufzustellen.“

(exfo)

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