Zoff um Mountainbiker im Kottenforst  „Ranger“ sollen Bonner Waldgebiete kontrollieren

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Um Mountainbiker und illegale Strecken im Naturschutzgebiet Kottenforst gibt es Ärger. Das Symbolfoto von 2. Juni 2019 zeigt Mountainbiker in Niedersachsen.

Bonn – Zoff um Mountainbiker im Kottenforst: Die fahren oft abseits der Wege oder buddeln Rampen in den Waldboden. Das schadet dem Naturschutzgebiet. Die Stadt Bonn erklärt, es bestehe „dringender Handlungsbedarf“ und überlegt, „Ranger“ einzusetzen.

Der Reiz beim Mountainbiken ist gerade das Befahren von schwierigem Gelände. Der breite Waldweg für Spaziergänger fällt also flach. Deshalb entstehen auch im Bonner Stadtgebiet immer mehr illegale, selbst gebaute Trails.  

John Bergenholtz von der Deutschen Initiative Mountainbike e.V. (DIMB) Rhein-Sieg berichtet von einem „Hauen und Stechen“ zwischen Mountainbikern, Wanderern und Waldbesitzern. Nutzung und Konflikt seien in der Corona-Krise deutlich gestiegen.

Mountainbiker im Kottenforst: Was ist das Problem?

Bergenholtz von DIMB Rhein-Sieg erklärt, dass es eine Art Codex gibt: „Die DIMB verlangt für die Mitgliedschaft die Einhaltung der selbst erstellten Trail Rules. Die ersten zwei davon sind „Fahre nur auf Wegen!“ und „Hinterlasse keine Spuren!“.“

An diese Regeln scheinen sich aber einige am Venusberg nicht zu halten. Die illegalen Strecken dort werden unter anderem mit Spitzhacke und Schaufel bearbeitet. Aus Erde, Steinen, Bäumen und Wurzeln werden Rampen und Schanzen gebaut.

Illegale Trails zerstören Lebensräume und Schutzgebiete

Das Problem für die Natur erklärt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung so: „Dies führt zu massiven Bodenverdichtungen und durch die Förderung von Bodenerosion zu einer Störung der Funktion des Naturhaushaltes, was bei der zunehmenden Trockenheit besonders gravierend ist.“

Die Folge für den Artenschutz: Lebensräume und Schutzgebiete werden beschnitten. Deshalb ist das Radfahren außerhalb der ausgezeichneten Wege sowie das Anlegen neuer Wege verboten.

Ein Dutzend illegale Strecken zwischen Venusberg und Kaiserpark

In Bonn sind nach Angaben der Stadt vor allem das Naturschutzgebiet Ennert und die Landschaftsschutzgebiete im Kottenforst - speziell Venusberghang und Hardtbergwald - betroffen.

Zwischen Venusberghang und Kaiserpark verzeichnete das Amt für Stadtgrün schon gut ein Dutzend illegale Strecken.

Im Stadtwald werden illegale Trails aktuell wieder zurück gebaut. Das braucht viel Zeit und Personal.

Eine legale Mountainbike-Strecke für den Kottenforst?

Um Verstöße gegen den Naturschutz durch Kontrollen zu ahnden, fehlt laut der Stadt Personal. So entstand die Idee, den Mountainbikern eine legale Strecke im Kottenforst einzurichten.

Das prüft das Sport- und Bäderamt aktuell. Ob sie genehmigt wird hängt davon ab, wie vereinbar eine solche Strecke mit Natur-, Landschafts- und Artenschutz ist.

Die Stadt hat noch Zweifel, ob die Idee das Problem lösen kann. Die Verwaltung müsse in der Lage sein, den Mountainbike-Verkehr dann wirklich auf die freigegebene Strecken zu begrenzen.

Stadt Bonn will mit Aktionstagen und „Rangern“ aufklären

Städtischer Forstbetrieb, Regionalforstamt und Untere Naturschutzbehörde wollen an Aktionstagen mit dem Ordnungsamt kontrollieren und aufklären.

Auch personell will die Stadt aufrüsten, vielleicht mit „Rangern“ wie im Rhein-Sieg-Kreis. 

Zwei Mitarbeiter patrouillieren im Rhein-Sieg-Kreis

„Bitte nennen sie die nicht Ranger“, sagt Daniela Blumenthaler von der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises. Der Kreis nennt die zwei Kontrolleure  Ordnungs-Außendienst-Mitarbeiter. Ihre Aufgabe: Aufklärung und Kontrolle in Naturschutzgebieten des Siebengebirges, an der Sieg und in der Wahner Heide.

„Erstmal sollen die Mitarbeiter mit den Leuten ins Gespräch kommen, ihnen die Lage erklären. Nicht jeder weiß, dass er sich im Naturschutzgebiet befindet und zum Beispiel nicht grillen darf“, sagt Blumenthaler.

Nur „im Extremfall“, wenn sich die Angesprochenen stur stellten, gebe es ein Bußgeld. Laut Blumenthaler ist diese Arbeit erfolgreich, im Kreis werde über einen Ausbau diskutiert. In der jetzigen Sommer-Hochsaison kooperiere man aber auch mit den kommunalen Ordnungsämtern. (lmc)  

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