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Versuchter Mord an Selda Bonner Richter greift durch und verhängt die Höchststrafe

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Selda D. wurde von Boris Z. so schlimm verletzt, dass sie im Koma liegt – mit irreparablem Hirnschaden. 

Bonn – An diesem Tag war alles wie immer. Der Vater sollte seinen dreijährigen Sohn nachmittags abholen. So war es verabredet mit Selda D., der Mutter des Kindes. Zwei Monate zuvor hatte die 19-Jährige sich vom Lebensgefährten Boris Z. (Name geändert) getrennt: Der 27-Jährige hatte seinen Job verloren und sein Geld in Alkohol sowie Spiele umgesetzt.

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An dem 10. Juli 2019 hatte Selda D. drei Taschen mit Spielzeug und Kleidungsstücken gepackt und ging mit ihrem Sohn an der Hand zum Ausgang des Mehrfamilienhauses in Siegburg. Nichts Außergewöhnliches, so schien es. Nur der Angeklagte wusste, so hieß es am Montag im Urteil des Bonner Schwurgerichts, was gleich „Außergewöhnliches passieren wird: Er wollte Selda D. töten.“ Und das hat er auch fast geschafft. Dafür bekam er jetzt die Höchststrafe: lebenslange Haft.

Versuchter Mord an Selda: Opfer liegt im Koma

Das furchtbare Schicksal von Selda D. war es auch, das Boris Z. gestern eine lebenslange Haftstrafe eingebracht hat, obwohl es strafrechtlich „nur“ – weil sie nicht tot ist – ein Mordversuch ist. Aber eine Milderung des Strafrahmens, so Kammervorsitzender Klaus Reinhoff, sei in diesem Fall nicht richtig. Immerhin sei das Opfer „ganz nah daran gewesen, endgültig tot zu sein. Näher geht kaum“.

Denn ihr Herzstillstand dauerte ganze 22 Minuten: Die 19-Jährige wurde von Notärzten reanimiert, zurückgeblieben ist ein „irreparabler toxischer Hirnschaden“. Aber seitdem liegt sie im Koma. Die Augen geschlossen, ohne eine einzige Regung – und ohne eine Chance, wieder ganz ins Leben zurückzukehren. Das Opfer lebe im Siechtum.

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Der Angeklagte Boris Z. mit seinem Verteidiger im Gerichtsaal.

Grausam auch, so der Vorsitzende weiter, dass der dreijährige Sohn die ganze Szene miterleben musste: Das Kind hatte daneben gestanden, hatte geschrien, als der Vater mit dem Messer hinterrücks auf Nacken und Rücken der Mutter einstach. Auch musste er zuschauen, wie er sie mit den Kordeln einer Tasche gedrosselt hat, wie seine Mutter sich verzweifelt gewehrt hat, bis das Blut in die Augen schoss und sie nach zwei Minuten das Bewusstsein verlor, eine Minute später blieb das Herz stehen. „Als der Täter flüchtete, war Selda D. tot.“

Versuchter Mord an Selda: Boris Z. flüchtete nach der Tat

Der Angeklagte habe nicht gewollt, dass jemand anderer sie besitzt. So hatte er ihr zuvor gedroht: „Wenn ein Mann zwischen uns kommt, dann bringe ich Dich um.“ Dann habe er die Tat taktisch eingefädelt und zielgerichtet umgesetzt. „Er allein hat entschieden, wer ein Lebensrecht hat.“ Entsprechend hat die Kammer ein zweites Mordmotiv angenommen: neben der Heimtücke auch niedrige Beweggründe. 

Der gebürtige Bulgare hatte im Prozess eingeräumt, dass er sich rächen wollte, aber töten wollte er Selda D. nicht. Das jedoch sei widerlegt, hieß es im Urteil. „Wer einem Menschen drei Minuten lang die Luft nimmt, der hat nur ein Ziel: Er will ihn sterben sehen.“ Anschließend war der 27-Jährige geflüchtet und hatte sich in einer Pizzeria ein Bier bestellt.

Versuchter Mord: Eltern kümmern sich um Seldas Kinder

„Warum, warum?“ schrien am Montag die verzweifelten Eltern von Selda D. in den Gerichtssaal und hofften auf eine Antwort vom Angeklagten. Aber der hörte sie nicht. Das Paar ist aus Mazedonien nach Deutschland gezogen, um den beiden Kindern – ihren Enkeln – ein Zuhause zu geben. Draußen vor dem Saal schluchzte Seldas Mutter bitterlich. Die beiden Kleinen vermissen ihre Mutter sehr, sagte sie. Jeden Tag würden sie sie besuchen, auf ihr Bett springen und beten, dass sie doch wieder aufwachen solle und endlich nach Hause kommt. (ucs)

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