Wuppertal Bluttat im Ausländeramt – Mitarbeiterin bei Angriff schwer verletzt

Fünf Jahrzehnte verschollen Rätsel um 500 Jahre altes Buch der Uni Bonn

bonn_uni_aktuell_baumaßnahmen

Nach 50 Jahren ist das 500 Jahre alte Buch des Rechtsgelehrten Azo Portius wieder in den Bestand der Uni Bonn zurückgekehrt. Unser Foto zeigt das Hauptgebäude der Universität.

Bonn – Bevor der Anruf aus dem Auktionshaus kam, wusste niemand von dem 500 Jahre alten Buch. Jahrelang war es verschwunden und nur durch einen glücklichen Zufall und einen findigen Antiquar konnte das Uralt-Buch an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.

Dabei stand das wertvolle Stück bereits vor 50 Jahren in der großen Bibliothek des Instituts für Recht- und Staatswissenschaft der Universität Bonn. Ende der 50er Jahre hatte die Uni das Werk des Rechtsgelehrten Azo Portius gekauft. Das Buch ist für Juristen von besonderer Bedeutung, denn auf Azos Grundlagen basiert das heutige Bürgerliche Gesetzbuch.

500 Jahre altes Buch aus Bonner Universitätsbibliothek wirft Rätsel auf

Nachforschungen des Bibliothekars Carl Erich Kesper zu Folge hatte jemand das Buch Anfang der 60er Jahre erworben, es später aber nicht wieder abgegeben. Als das Institut für Recht- und Staatswissenschaft in den 60er Jahren in das neue Juridicum umzog, wurde auch ein neuer Bibliothekskatalog angelegt.

bonn_uni_buch

Prof. Dr. Martin Schermaier (links) und Bibliothekar Carl Erich Kesper im Institut für Römisches Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte der Universität Bonn. Kesper half bei den Nachforschungen zum Verbleib des Buches.

Normalerweise wird hier genau protokolliert, in wessen Besitz sich die jewiligen Bücher befinden. In dem neuen Katalog wurde das 500 Jahre alte Buch allerdings nicht aufgeführt.

„Es bleibt ein großes Rätsel – innerhalb dieser zehn Jahre, also zwischen Kauf und Umzug, muss das Buch abhanden gekommen sein. Es könnte tatsächlich absichtlich entwendet, oder einfach nur ausgeliehen und nie zurückgebracht worden sein”, sagt Prof. Dr. Martin Schermaier vom Institut für Römisches Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte.

Auktionshaus bringt Uni Bonn wertvolles Jura-Buch zurück

Kaum war das Buch jedoch vom Bibliotheks-Radar verschwunden, tauchte es unter. Bis zu dem Moment, als es dem Auktionshaus Venator & Hanstein, Buch- und Graphikauktionen in Köln zum Verkauf angeboten wurde.

„Wir prüfen jedes Teil sehr genau, bevor es bei uns in die Auktion aufgenommen wird. Beim Untersuchen habe ich Reste von Stempeln entdeckt. Es sah aus, als ob man sie ausradiert hätte. Unter dem UV-Licht konnte ich noch ganz schwach »Institut der Rechtsgeschichte« erkennen”, erzählt Joachim Haber auf Anfrage des EXPRESS.

Kölner Antiquitar erkennt Stempel von Bonner Universität

Der Antiquar ist bereits seit 30 Jahren für wertvolle Bücher und Handschriften zuständig und erkannte bei seinen Recherchen im Internet den Stempel der Universität Bonn. „Ich habe die Stempel miteinander verglichen und eindeutige Parallelen entdeckt.”

Für einen Laien sind diese mutwilligen Veränderungen nur schwer auszumachen. Die Reste sind selbst für ein Foto zu schwach zu erkennen, doch der Experte entdeckte die präzise Vertuschungsarbeit sofort. Er meldete sich umgehend bei Kesper und wurde in seiner Vermutung bestätigt.

Stempel aus Bonner Uralt-Buch gelöscht

Haber geht davon aus, dass es sich bei dem Buch weniger um die Beute eines Diebstahls, als mehr um eine zufällige Mitnahme handelt. Auch die mutwillige Löschung der Stempel sei keine Seltenheit, so Haber.

„Es muss nicht immer mit böser Absicht passieren, oft ist es einfach nur so, dass die Stempel auf dem Titel stören. Viele Bibliotheken setzen ihr Zeichen ohne jeden Sinn von Ästhetik auf das Blatt. Mit Chemikalien oder einer Rasierklinge werden die Stempel dann gelöscht. Manchmal will der neue Besitzer die Indizien vom Vorgänger auch einfach nicht sichtbar haben und entfernt sie dann.”

Kölner Antiquitar geht nicht von Diebstahl bei 500-Jahre altem Buch aus

Welcher Beweggrund den zeitweiligen Eigentümer wirklich dazu brachte an dem Buch herumzuwerkeln, das kann auch Haber nicht sagen. Zumindest der letzte Besitzer war sich bei seinem Weg zum Auktionshaus nicht bewusst, welchen Schatz er vermacht bekommen hatte. Das Buch hatte er mit einer Reihe anderer Werke als Nachlass bekommen.

„Ich habe hier ein gutes Gefühl. Der ehemalige Besitzer war bei der Übergabe völlig arglos und hat auch direkt zugestimmt das Buch an die Universitäts Bibliothek zurückzugegeben.” Nachforschungen zu den anderen Büchern, die im gleichen Rahmen abgegben wurden, bestätigten, dass es sich um keine absichtlichen kriminellen Machenschaften handelte.

„In anderen Fällen wurde auch schonmal die Staatsanwaltschaft eingeschaltet”, so Haber.

Bonner Universität freut sich über spontane Rückgabe von „Azo”-Buch

Prof. Dr. Martin Schermaier war einer der Ersten, die einen Blick auf das Buch werfen durften und sagt: „Ich war überrascht, dass jemand so ehrlich war und uns das Buch zurückgebracht hat. Sowas ist keine Selbstverständlichkeit, aber so kamen wir unverhofft zu einem verlorengegangenen Schatz.”

bonn_uni_buch2

Die gedruckte Ausgabe aus dem Jahr 1523 ist ins Institut für Römisches Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte der Universität Bonn zurückgekehrt.

Ein Schatz ist das Werk allemal, bis auf einen beschädigten Einband ist das Buch auch 50 Jahren nach seinem Verschwinden, immer noch gut erhalten. Gemessen mit anderen Büchern in einem ähnlichem Alter, würde Schermaier den Wert des Fundstücks auf 2000 bis 3000 Euro schätzen. Der ideele Wert lasse sich jedoch kaum beziffern.

500-Jahre altes Buch wird von Bonner Buchbinderin restauriert

Für heutige Studierende ist das Buch allerdings nur schwer zu entziffern und von verhältnismäßig geringem Interesse. „Für die Forschung ist die Summensammlung des Azo allerdings von sehr großem Wert“, so Schermaier. Azo Portius, der um das Jahr 1200 lebte, verfasste seine Schriften in Latein und das Lesen verlangt einiges an Übung.

Bevor das Buch zu Forschungszwecken ausgestellt werden kann, wird es momentan von einer Bonner Buchbinderin restauriert. Man rechne mit einem halben Jahr Bearbeitungszeit, so Schermaier. Erst dann kann der lang verschollene Schatz wieder an seinen rechtmäßigen Platz in der Bibliothek des Instituts für Römisches Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte der Universität Bonn zurückkehren.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.