Schülerin wurde 2007 ermordet Vater Volker: „Hannah ist jeden Tag bei uns“

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Hannah Wiedeck aus Oberdollendorf wurde mit nur 14 Jahren das Zufallsopfer eines Sextäters.

Bonn/Königswinter – Die blauen Augen blicken offen in die Kamera, auf den Lippen liegt ein verträumtes Lächeln. Hannah war ein bildhübsches Mädchen  – und durfte nur 14 Jahre alt werden. Fast zehn Jahre sind seit dem  Mord an der Schülerin vergangen. Doch Hannah bleibt unvergessen.

Hannah war ein Zufallsopfer

„Hannah ist jeden Tag bei uns“, sagt Vater Volker Wiedeck (57) im Gespräch mit dem EXPRESS.

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Hannahs Vater Volker Wiedeck (57) leitet heute die „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“.

Vor beinahe zehn Jahren – am 29. August 2007 – wurde das lustige und lebensfrohe Mädchen seiner Familie und seinen Freunden brutal entrissen. Zdenek H., ein homosexueller Tscheche, hatte Hannah in einen leeren Linienbus auf einem Firmengelände verschleppt, sie dort vergewaltigt und später erstochen.

Die hübsche 14-Jährige war ein Zufallsopfer – H. hatte im Prozess ausgesagt, er habe einmal Sex mit einer Frau ausprobieren wollen. Der heute 34-Jährige kassierte für den Mord lebenslange Haft. Außerdem stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest.

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Hannahs Mörder Zdenek H. (heute 34) ist homosexuell, wollte einmal Sex mit einer Frau ausprobieren. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

So leidet die Familie noch heute

Für die Familie war das Leid mit dem Schuldspruch noch lange nicht vorbei. Hannahs Eltern und die Schwestern leben heute nicht mehr in Oberdollendorf, wo die 14-Jährige auf dem Heimweg verschleppt wurde: „Es war ein derart tiefer Einschnitt, ihr Tod ist nach wie vor jeden Tag präsent. Das Loch, diese Riesen-Lücke, ist da und bleibt.“

Hannahs Stiftung hilft Opfern sexueller Gewalt

Vater Volker steckt seine ganze Energie in die „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“. „Ich wollte mit dem Geld, das Nachbarn, Freunde und auch zahllose Fremde uns zukommen ließen, etwas sinnvolles anfangen.“

Heute unterstützt die Stiftung Präventions-Programme der Polizei, aber auch ungewöhnliche Einzel-Projekte. Etwa um einem Opfer Zahnersatz zu ermöglichen, eine Pferdetherapie oder die Anschaffung eines Hundes. Wiedeck: „Manchmal geht es auch nur um ein neues Bett, weil die Opfer nicht ertragen, in dem zu schlafen, in dem der Missbrauch stattgefunden hat.“

„Sie hätte für viel Sonnenschein gesorgt“

Hannah hätte dieses Engagement gefallen, ist der Vater sicher: „Sie wäre heute 24 Jahre alt“, sagt Volker Wideck mit samtweicher Stimme, „ich kann mir gut vorstellen, dass sie wie meine Frau und ich einen sozialen Beruf ergriffen und dort für viel Sonnenschein gesorgt hätte.“

Konzert in der Mühlenbachhalle

Nicht nur in den Herzen ihrer Familie lebt Hannah weiter – auch ihre Freunde haben das lebenslustige Mädchen nie vergessen: Für das  letzte August-Wochenende  planen sie ein Gedenkkonzert in der Mühlenbachhalle in Vilich-Müldorf. Der Erlös soll der „Hannah-Stiftung“ zu Gute kommen. „Darüber freuen wir uns sehr, der Kontakt zu Hannahs Freunden ist nach wie vor sehr eng“, erzählt Volker Wiedeck. „Es ist schön zu wissen, dass Hannah nicht vergessen ist.“

Überwältigende Anteilnahme

„Dass die Stiftung heute an so vielen Stellen helfen kann, ist der überwältigenden Anteilnahme der Bevölkerung zu verdanken. Dafür sind wir sehr dankbar", betont Volker Wiedeck. Nach dem Tod seiner Tochter hatten unzähliche Menschen nahe des Tatorts Blumen, Kerzen und Stofftiere abgelegt. Hunderte Menschen zogen später bei einem Trauermarsch durch die Straßen Oberdollendorfs.

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Im August 2007 legten eine Vielzahl Menschen Blumen, Kerzen und Stofftiere im Gedenken an Hannah in Oberdollendorf ab.

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