Baulöwe aus Niederkassel angeklagt Sie raten nie, was seine Firma wohl gebaut hat...

Bagger Symbolbild

Der Angeklagte soll Bauarbeiter nicht in Deutschland angemeldet haben.

Bonn/Niederkassel – Was für ein Wirtschaftskrimi! Die Bonner Staatsanwaltschaft hat einen  Bauunternehmer (55) aus Niederkassel angeklagt, weil der unter anderem die Deutsche Rentenversicherung im großen Stil betuppt haben soll. Insgesamt geht es um mindestens 11,3 Millionen Euro Schaden.

Pikant: Die Firma des Angeklagten hat das Justiz-Zentrum in Koblenz gebaut…

115 Fälle angeklagt

Cem B. (Name geändert) wird unter anderem vorgeworfen, von 2007 bis 2016 Arbeitsentgelt vorenthalten und veruntreut zu haben. Und das in 115 Fällen!

„Er hat sich über zehn Jahre ein Missbrauchs-Konstrukt mit höchster krimineller Energie aufgebaut“, sagt Staatsanwalt Sebastian Buß. Eine anonyme Anzeige hatte die Ermittler auf die Spur des Unternehmers gebracht.

Arbeiter schufteten nur in Deutschland

Laut Anklage hat Cem B. seine Baufirma in der Türkei gegründet – aber nur zum Schein. Heißt:  Er soll Arbeiter zu dortigen, günstigen Konditionen angestellt, sie aber nie in der Türkei beschäftigt haben. Stattdessen soll er sie anschließend sofort nach Niederkassel geholt und von dort auf Baustellen in ganz Deutschland vermittelt haben.

Das sei rechtswidrig, stellt Buß klar. Weil die Bauarbeiter ausschließlich hier schuften mussten, hätte der Unternehmer sie auch hier anmelden und für sie Sozialabgaben zahlen müssen. Die Rede ist von Hunderten Arbeitern.

Vermögen angehäuft

Weil Cem B. in Deutschland auf die Art massenweise Sozialabgaben „gespart“ haben soll, soll er ein Vermögen angehäuft haben. Hauptsächlich in seiner Heimat, der Türkei. Aber auch hier besitzt er angeblich mehrere Grundstücke.

Für viele, die den 55-Jährigen kennen, müssen die Vorwürfe ein Schock sein. In Niederkassel gilt der mehrfache Vater als angesehener Bürger und spendabler Unternehmer. Darauf fällt jetzt ein Schatten.

In U-Haft: Verdunkelungsgefahr

Seit dem 22. Dezember sitzt Cem B. sogar in U-Haft – obwohl er angeboten hatte, acht Millionen Euro zu hinterlegen. Eine Entlassung auf Kaution kam laut Buß aber nicht in Frage – wegen Verdunkelungsgefahr! Denn der Angeklagte soll versucht haben, den Hauptbelastungszeugen, der die Abläufe in seiner Baufirma kennt, zu beeinflussen. Er soll ihm Geld geboten haben, damit er schweigt. 

Sechs Jahre ermittelt

Der Fall ist ein Mammut-Ding. „Wir haben sechs Jahre lang sehr komplex ermittelt“, so der Staatsanwalt . Es sei eine unfassbare Menge an Daten. Auch die Schadensberechnung durch die Deutsche Rentenversicherung sei sehr kompliziert gewesen.

Angeklagter bestreitet

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Der Prozess startet im Sommer.

(exfo)

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