Stiefpapa von Ben Becker Otto Sander (†72) und seine Lieben: Patchwork pur

Otto Sander spielte als Kapitänleutnant Thomsen in „Das Boot“.

Otto Sander spielte als Kapitänleutnant Thomsen in „Das Boot“.

Berlin – Er war Ritterkreuzträger Thomsen in „Das Boot“, brillierte im Kino, TV, Theater und als Sprecher. Diese sonore, verrauchte Stimme, die blauen Augen, der wohl markanteste Charakterkopf unter den deutschen Schauspielern. Jetzt ist der letzte Vorhang gefallen – der große Otto Sander (†72) ist tot.

Fans und Freunde machten sich seit Monaten Sorgen um den Ziehvater von Ben (48) und Meret Becker (44) – gestern schloss er für immer die Augen.

Verdammter Krebs! Vor wenigen Wochen ließ sich Sander, der seit 28 Jahren mit Schauspiel-Kollegin Monika Hansen (70) verheiratet war, noch im Krankenhaus behandeln. Danach schien er die Hoffnung aufgegeben zu haben. Von seinen geliebten Kippen konnte Sander, der seit Jahren ein Herzmittel brauchte, bis zuletzt nicht lassen.

Überhaupt die Gesundheit, dieser Raubbau! Nie schonte er sich, arbeitete, soff, qualmte wie ein Berserker. Einer, der in Drehpausen gern um die Häuser zog, nach dem Regisseure suchen mussten. Seit 2007 war nicht zu übersehen, wie schmal er geworden war. Plötzlich ein wenig schwach auf den Beinen, leerer Blick, müde, abgespannt. Sander ganz leise: „Ein Mist ist das, aber mal abwarten. Ich habe Speiseröhrenkrebs.“

Knapp drei Jahre kämpfte Sander gegen den Tumor und landete einen Etappensieg: „Ich lasse mich alle drei Monate von Ärzten durchchecken. Toi, toi, toi, die Mediziner finden nichts mehr.“

Dem Alkohol hatte der Rotwein-Liebhaber abgeschworen: „Da bin ich ganz eisern. Wenn andere trinken, macht mir das überhaupt nichts aus.“

Dezember 2012 der nächste Rückschlag. Diesmal das verflixte Winterwetter. Sander war schwer gestürzt, brach sich das Bein. Rettungssanitäter trugen ihn aus der Klinik in einem Krankenstuhl nach Hause. Monika beruhigte alle: „Es geht ihm gut. Kein Grund zur Sorge.“

Wehmütig antwortete er auf die Frage, was die schlechteste Erfahrung seines Lebens war: „Dass ich zu verschwenderisch mit meiner Zeit umgegangen bin.“

Die Rolle des Thomsen in „Das Boot“ hatte ihn weltberühmt gemacht, seine Rede über den „geliebten Führer“. Die Szene, als er von Kollegen gestützt werden musste, völlig betrunken schrie: „I am not in the condition to fuck“ („Bin nicht in der Verfassung für Sex“). So war er der Thomsen – und ein wenig auch der Sander.

Letzte Woche besuchte er zuletzt seine geliebte „Paris Bar“. Es scheint so, als habe er Abschied nehmen wollen ...

Sander und seine Lieben: Patchwork pur

Fast 40 Jahre lang lebten sie in einer Altbauetage in Berlin-Schöneberg. Sander und seine große Liebe, die Schauspielerin Monika Hansen. 1974 waren sie hier eingezogen, gemeinsam mit Monikas Kindern Meret und Ben Becker. Kurz zuvor hatte sich Hansen von Schauspieler Rolf Becker (78), dem leiblichen Vater ihrer Kinder getrennt.

Aber leiblicher Vater oder nicht – das hatte für die Künstlerfamilie nie eine Rolle gespielt. Der „Becker“-Clan, das war immer Patchwork pur. „Das Wort Stiefkinder verbitte ich mir! Ich bin der Vater von Ben und Meret“, sagte Sander der „Bams“. Vor zwei Jahren wollte er die beiden sogar adoptieren. „Um einfach Ordnung in meine Angelegenheiten zu bringen.“

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